Ernährungs-Wissen
Bio-Lebensmittel für Sparfüchse

Bio und Sparen geht nicht? Geht doch! Die besten Tipps für alle, die mehr Bio-Lebensmittel essen wollen - ohne dabei arm zu werden.

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Foto: Westend61/Corbis

Sie würden ja mehr Bio-Lebensmittel kaufen - wegen der Umwelt, aus Tierschutzgründen oder weil es Ihnen besser schmeckt - aber Ihnen ist das zu teuer? Stimmt schon, für Bio-Lebensmittel muss man tiefer in die Tasche greifen. Interessanterweise hat die Nationale Verzehrsstudie ergeben, dass zu den Bio-Intensivkäufern auch Menschen aus den unteren Einkommensgruppen gehören. Wie machen die das? Tatsächlich kann man auch Bio-Lebensmittel kaufen, ohne die Haushaltskasse zusätzlich zu belasten. Die besten Tipps:

  • Ab in die Küche!
    Wer sparen will, sollte möglichst viel selbst zubereiten. Backen Sie Kekse oder einen Kuchen, statt teure Süßigkeiten zu kaufen. Und nehmen Sie keine Backmischungen. Einen einfachen Rührkuchen schafft jeder. Wie wäre es zum Beispiel mit diesen edlen Muffins nach Sacher Art. Tipp: Sehr zu empfehlen sind auch die schnellen Schokoplätzchen von Rosa Wolff - nicht nur zu Weihnachten.

    Müsli am besten selbst mischen. Als Basis reichen Obst, Haferflocken und Milch bzw. Joghurt. Anreichern können Sie das Ganze nach Wunsch mit Honig, Nüssen und Rosinen. Das selbstgemachte Müsli ist günstiger und zudem auch gesünder als die häufig überzuckerten Fertigmischungen.
  • Vorsicht bei vermeintlichen Schnäppchen
    Discounter sind billiger? Nicht immer…Vor allem bei Obst und Gemüse geht die Rechnung oft nicht auf. Singles schaffen es meist nicht, die vorgepackten Mengen rechtzeitig vor dem Verderb aufzubrauchen. Und wenn ein Drittel im Müll landen, wird es unterm Strich ziemlich teuer. Übrigens landet tatsächlich ein Drittel unserer Lebensmittel im Müll. Deshalb: Obst und Gemüse lieber lose im Bioladen oder auf dem Markt kaufen - und die Qualität penibel prüfen. Wenn Sie zum Beispiel Aprikosen oder Pfirsiche kaufen, können Sie die auf dem Markt in der Regel vorher probieren - und müssen sich hinterher nicht über mehlige Früchte ärgern, für die Sie Geld rausgeworfen haben. Und tatsächlich ist der Discounter auch ansonsten nicht immer Preissieger. Rosa Wolff hat beispielsweise den Preis von lose verkauften Kirschtomaten im Bioladen mit dem von abgepackten Kirschtomaten im Discounter verglichen und überrascht festgestellt, dass Sie im Bioladen sogar etwas günstiger gekauft hat.
  • Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum
    Vor allem Fleisch ist in Bioqualität ziemlich teuer, Biogeflügel kostet schon mal das Dreifache von konventionellem Geflügel. Der Grund: Durch die kleineren Mengen sind die anteiligen Kosten für den Vertrieb relativ hoch. Kommen Sie zurück zum klassischen Sonntagsbraten (sehr gut ist zum Beispiel der Rollbraten mit Pilzen). Für die anderen Tage finden Sie in unserem Special leckere vegetarische Rezepte.
  • Kaufen Sie direkt beim Erzeuger
    Wer direkt beim Bauern einkauft, muss keine Zwischenhändler zahlen. Vor allem für Familien eine tolle Sache. Für die Kleinen sind Bauernhöfe ohnehin das Größte und den Eltern bleibt die Quengelware an der Supermarktkasse erspart.
  • Kaufen Sie auf Vorrat
    Sie haben einen kühlen Keller? Prima, dort können Sie im Herbst Kartoffeln, Möhren und Äpfel einlagern. Wer einmal 25 Kilogramm Möhren oder Kartoffeln kauft, zahlt weniger als jemand, der im Laufe des Jahres 50 Mal loszieht, um jeweils 500 Gramm zu kaufen.
  • Werden Sie Mitglied im Biomarkt
    Als Mitglied einer Verbrauchergemeinschaft kaufen Sie günstiger. Ein Beispiel für eine Verbrauchergemeinschaft ist der LPG-Biomarkt in Berlin. Dort gibt es Kunden und Mitglieder. Die Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag und bekommen dafür beim Einkauf Rabatt (lohnt sich für alle, die für mindestens 25 Euro pro Woche dort einkaufen).
  • Kontrollieren Sie Ihren Kassenzettel
    Eigentlich banal, trotzdem tun es viele nicht. Am besten kontrollieren Sie den Kassenzettel gleich nach dem Bezahlen, oft werden Reklamationen aber auch noch im Nachhinein anerkannt. Der kritische Blick lohnt sich. Dass beispielsweise ein Produkt doppelt registriert wird oder ein Angebotspreis noch nicht gespeichert ist, passiert gar nicht so selten.
  • Setzen Sie auf die richtigen Lebensmittel
    1. Gemüse und Kartoffeln

    Kartoffeln: Die beste Alternative zu Nudeln, Reis & Co. Wussten Sie, dass Kartoffeln fast alles enthalten, was der Körper braucht? Neben hochwertigem Eiweiß und Ballaststoffen sind das wichtige Mineralstoffe wie Kalzium und Magnesium und Vitamine wie A, B1, B2, B6 sowie reichlich Vitamin C. Unbedingt probieren sollten Sie diese Kohlsuppe mit Kartoffeln.

    Apropos Kohl: Weißkohl ist unschlagbar billig und liefert neben viel Vitamin C auch Kalium, Kalzium und Magnesium. Wissen Sie, wie man Krautsalat selbst zubereitet? Hier finden Sie ein Rezept für Krautsalat. Auch die Bratnudeln mit Sprossen sollten Sie unbedingt ausprobieren. Sie suchen ein günstiges Rezept, mit dem Sie Gäste beeindrucken können? Probieren Sie die Rotkohl-Maultaschen, das klappt auch ohne Nudelmaschine.
  • Setzen Sie auf die richtigen Lebensmittel
    1. Gemüse und Kartoffeln

    Zwiebeln: Sie sind preiswert und geben dem Essen ordentlich Geschmack. Außerdem sind Sie dank Kalzium und Phosphor gut für Knochen und Zähne. Und Sie dürfen ruhig auch mal die Hauptrolle spielen, wie beim Spiegelei im Zwiebelbett mit Salbei.

    Karotten: Das Wurzelgemüse ist das ganze Jahr über ein Renner und enthält viel Karotin für Haut und Augen. Probieren Sie die Möhrensuppe mit grünen Käse-Eiern.

    Zucchini & Co.: Wer gerne Zucchini, Tomaten, Paprika und Auberginen isst, sollte sie im Hochsommer kaufen. Dann haben diese Gemüsesorten Saison und sind am günstigsten. Vor allem Zucchini gibt es dann selbst im Bioladen zum Teil schon ab 99 Cent pro Kilo. Greifen Sie zu den kleineren Zucchini, die sind intensiver im Geschmack.

    Kürbis: Im Herbst und Winter sorgt Kürbis für eine absolut bezahlbare Versorgung mit Vitamin A, Magnesium, Kalzium, Kalium und Beta-Karotin. Eine preiswerte Rezept-Idee ist zum Beispiel die Kürbissuppe mit Salbei-Croûtons. Tipp: Werfen Sie die Kürbiskerne nicht weg. Einfach waschen, trocknen und rösten - schmeckt gut über Salat oder im Müsli.
  • Setzen Sie auf die richtigen Lebensmittel
    2. Gutes und günstiges Obst

    Äpfel sollten immer im Haus sein. Sie schonen die Haushaltskasse und sind überall als Vitaminlieferant im Einsatz: zum Beispiel im Müsli, Obstsalat oder Kuchen. Ideal für eine große Kaffeerunde ist dieser Apfel-Schmandkuchen.

    Bananen: Sie machen satt, liefern viel Kalium und sind im Bioladen immer mal wieder im Angebot. Vor allem dann, wenn sie etwas reifer sind. Dann können sie zum Beispiel als Bananenmilch gut zum Einsatz kommen.

    Zitrusfrüchte: Im Winter, wenn das Angebot an heimischen Vitaminbringern knapp wird, sorgen Orangen und Kiwis für Abwechslung.
  • Setzen Sie auf die richtigen Lebensmittel
    3. Gute und günstige Milchprodukte/ Eier

    Quark/ Frischkäse: Vernünftiger Hartkäse in Bio-Qualität ist leider nicht wirklich preiswert. Die Alternative: Stattdessen Frischkäse aufs Brot streichen oder Dips mit Quark oder Joghurt zubereiten: z.B. den Gurken-Joghurt-Dip
  • Setzen Sie auf die richtigen Lebensmittel
    4. Hülsenfrüchte

    Linsen, Kichererbsen, weiße Bohnen - Hülsenfrüchte können ruhig öfter auf dem Einkaufszettel stehen. Vor allem Vegetarier sollten sich ein paar Rezepte mit Hülsenfrüchten merken, denn neben Eiweiß liefern sie eine Extraportion Eisen. Unser Tipp: Spaghetti mit Linsen-Bolognese

Die Tipps stammen von Michael Wimmer, Gründer und Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg und überzeugter Bio-Käufer, und Rosa Wolff, Autorin von "Arm aber Bio! Mit wenig Geld gesund, ökologisch und genussvoll speisen. Ein Selbstversuch.".

Die Food-Journalistin Rosa Wolff hat einen Monat lang versucht, sich vom vorgesehenen Hartz-IV-Satz für Essen mit Bio-Lebensmitteln zu ernähren. Sie musste mit 4,35 Euro am Tag auskommen - und hat es tatsächlich geschafft. Einfach war es nicht, selbst für einen Ernährungsprofi wie sie: Die Autorin musste in dem Monat auf vieles verzichten (nicht mal ein gemischter Salat war drin) und an manchen Tagen ging sie mit knurrendem Magen ins Bett. Nur mit Mühe ist es ihr gelungen, die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu sich zu nehmen.

  • Text: Monika Herbst
    Foto: Getty Images
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