Inzwischen zeigen sich erste Wolken am Bio-Himmel. Wolken, die sich zu Überschriften formen. Sie lauten "Das Biomärchen" (Neon) oder "Illusion Bio" (SZ Wissen). Was läuft falsch?
Wird Bio-Gemüse neuerdings mit Pestiziden gegen Schädlinge geschützt? Oder hat sich die Biobranche als Vorreiter der Gentechnik positioniert? Keine Sorge, keines von beiden trifft zu.
Doch seit die Nachfrage nach den einstigen Nischenprodukten gestiegen ist und sich auch in den Regalen der Discounter Bio-Produkte finden, hat sich in der Biobranche so manches geändert. Es lohnt sich, dafür einmal das Glas Biomilch zur Seite zu stellen und genauer hinzusehen. Die wichtigsten Argumente gegen Bio:
1. Auch Bio-Produkte werden kreuz und quer durch die Welt transportiert - wo bleibt die Umwelt?
Im Magazin SZ Wissen ist zum Beispiel vom Discounter Lidl die Rede. In den Läden werden Öko-Milch aus Dänemark und Österreich oder Bio-Äpfel aus Übersee angeboten. Ein Beispiel für einen Trend. Genaue Import-Zahlen gibt es nicht, doch es gibt deutliche Zeichen. Während der Bio-Umsatz steil nach oben geht (14 Prozent Steigung allein 2005) erhöhen sich die Anbauflächen in Deutschland kaum (5,2 Prozent in 2005). Es muss also importiert werden, um die Nachfrage zu decken.
2. Auch Bio-Landwirte betreiben Massentierhaltung - ist das artgerecht?
Das Magazin SZ Wissen zeigt den "Bio-Mann" der neuen Generation: Er ist Herr über 400.000 Hühner, gibt über Handy Anweisungen an einen seiner 100 Angestellten und sagt "Ich will die Nummer eins im Markt bleiben. Die Nummer zwei ist der erste Verlierer." In seinen Ställen leben bis zu 30.000 Hennen. Er zeigt, dass die Massentierhaltung längst auch in die Bio-Branche Einzug gehalten hat.
Und jetzt? Lohnt es sich noch, für Bio-Produkte mehr Geld auszugeben? Oder sind die Unterschiede zur konventionellen Landwirtschaft mittlerweile zu gering?
Warum kaufen wir eigentlich Bio? Aus Gesundheitsgründen? Das heißt, möglichst geringe Pestizid-Rückstände, keine Gentechnik und keine vorbeugende Behandlung der Tiere mit Antibiotika?
Da gilt weiterhin: Wer etwas für seine Gesundheit tun will, der ist bei Bio richtig. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat 2004 in knapp 60 Prozent der von ihnen überprüften konventionellen Lebensmittel Reste von Pestiziden gefunden, bei mehr als 7 Prozent lagen die Mengen über den Höchstwerten.
Oder geht es Ihnen beim Kauf von Bio-Produkten vor allem um die Umwelt? Dann lohnt sicht ein zweiter Blick: Woher kommen die Produkte? Was hat gerade Saison? Am besten kaufen Sie im Naturkosthandel, auf dem Wochenmarkt oder direkt beim Bauern ein. Eine Übersicht über regionale Öko-Anbieter finden Sie hier.
Auch falls es Ihnen in erster Linie um artgerechte Tierhaltung geht, sollten Sie Bio nicht unbedingt beim Discounter kaufen. Da sind große Mengen zu kleinen Preisen gefragt. Die logische Folge: Massentierhaltung und Leistungsdruck auf die Tiere - auch die Bio-Kuh wird dann zur Höchstproduktion an Milch getrieben.
Fazit: Wem es beim Kauf von Bio-Produkten in erster Linie um die eigene Gesundheit geht, der kann überall Bio kaufen. Wem Umwelt- und Tierschutz wichtig sind, der sollte auf regionale und saisonale Produkte achten, wie sie vor allem im Naturkosthandel oder direkt beim Ökobauern zu finden sind.











