Sind Aromen schädlich?

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BRIGITTE: Und wissen bald nicht mehr, wie ein echter Apfel schmeckt...

Dr. Harald Hahn: Das ist vielleicht etwas übertrieben. Aber durch die vielen Aromastoffe stumpfen unsere Geschmacksnerven ab, wir brauchen immer intensivere Geschmackseindrücke. Damit geht leider das Unterscheidungsvermögen zurück. Irgendwann ist auch der bombastischste Erdbeergeschmack einfach nur noch geschmacklos.

BRIGITTE: Welchen Vorteil haben Aromen dann?

Dr. Harald Hahn: Sie ermöglichen ein immer größer werdendes Warenangebot. Und sie sind praktisch. Denken Sie an die Hühnersuppe. Unsere Großmütter standen dafür noch stundenlang am Herd und kochten ein Hühnchen aus. Jetzt machen wir eine Dose auf; die Suppe ist fertig - und schmeckt auch noch. Dafür müssen wir eben in Kauf nehmen, dass der Geschmack nicht nur vom Fleisch und Gemüse kommt.

BRIGITTE: Immer mehr Aromen, da sorgen sich viele Verbraucher um ihre Gesundheit.

Dr. Harald Hahn: Es gibt Aromen, die ab einer bestimmten Menge toxisch sind, zum Beispiel Cumarin, den geschmacksgebenden Stoff in Waldmeister. Der darf nur in geringen Mengen verwendet werden. Auch der Einsatz von etwa einem dutzend künstlicher Aromastoffe, die keinem Vorbild in der Natur entsprechen, ist streng reglementiert, weil der Körper sie nicht kennt.

BRIGITTE: Und was ist mit natürlichen und naturidentischen Aromen? Letztere kommen auch aus dem Labor. Sind die bedenklich? Können die Allergien auslösen?

Dr. Harald Hahn: Nein, Allergien lösen vor allem natürliche Zutaten aus, zum Beispiel Nüsse, Soja oder Kiwi. Allerdings will die EU künftig auch mit den natürlichen und naturidentischen Aromastoffen anders umgehen. Es wird eine Positivliste geben mit Stoffen, die als unbedenklich gelten. Alle anderen wären dann verboten.

BRIGITTE: Gibt es ein Aroma, das Sie überhaupt nicht leiden können?

Dr. Harald Hahn: In manchen Apfelschorlen ist so ein künstliches, bonbonartiges Apfelaroma, das mag ich nicht. Richtig gern mag ich dagegen Vanille-Aroma, zum Beispiel in Eiscreme.

Aromastoff-Experte Dr. Harald Hahn ist Lebensmittelchemiker und Laborleiter im Chemischen und Verterinäruntersuchungsamt Sigmaringen

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  • Interview: Markus Brügge
    BRIGITTE Heft 22/2006
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