Wenn dem Körper Eisen fehlt

Foto: Fotolia.com

Sie fühlen sich öfter schlapp und müde, aber wissen nicht, warum? Lassen Sie doch mal Ihren Eisenwert checken. Bei fast jeder zweiten Frau ist er zu niedrig.

  • 2 Kommentare
  •  
  •  

Man glaubt es kaum, aber Eisenmangel ist die häufigste Mangelerkrankung der Welt - auch in den Industrienationen. Frauen sind vor allem deshalb betroffen, weil sie über die Monatsblutung zum Teil erhebliche Mengen des Spurenelements verlieren. Kommt dann auch noch nur selten Fleisch auf den Tisch, werden die Eisenspeicher nicht regelmäßig gefüllt.

"Wir haben in Hamburg 2800 Erstblutspender untersucht und bei 40 Prozent der jungen Frauen erschöpfte Eisenreserven gefunden", sagt Peter Nielsen. Er leitet Deutschlands einzige Eisen-Stoffwechsel-Ambulanz am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. "Jede zehnte Frau stand sogar an der Schwelle zur Blutarmut." Die riskiert, wer dauerhaft zu wenig Eisen zu sich nimmt. Typische Folgen: verminderte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, fehlende Konzentration, Blässe. Und starker Haarausfall, wie eine französische Studie kürzlich ergab.

Doch lange bevor diese Symptome auftauchen, wirkt sich der Eisenmangel im Körper aus. Denn das Metall ist praktisch an allen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Vor allem steckt es in dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der für den Sauerstofftransport in die Zellen verantwortlich ist. Der Hämoglobin-Wert, den Frauenärztin oder -arzt testen, gibt daher Auskunft über den Eisenhaushalt.

In seltenen Fällen kann eine innere Blutung Ursache für die Blutarmut sein. Häufiger ist jedoch eine starke Menstruation schuld. "Die meisten Frauen kommen mit Hypermenorrhoe", sagt Eisenambulanz-Leiter Nielsen. Mit einer deutschlandweit einzigartigen Methode kann er ermitteln, wie viel Eisen nach der Regel im Körper ist.

"Manche Frauen verlieren einen halben Liter Blut im Monat", so Nielsen. Schon bei einer normalen Blutung (50 Milliliter) gehen im Schnitt 15 bis 30 Milligramm Eisen verloren, bei manchen Frauen auch mehr. Um den Verlust auszugleichen, müssten die Betroffenen täglich diese Menge aus der Nahrung aufnehmen. Und das ist alles andere als einfach. Das Spurenelement steckt zwar in fast allem, was wir essen - in Brot, Gemüse, Fisch, Nüssen, Käse, Kräutern und Wurst -, gelangt daraus aber kaum in den Stoffwechsel.

Denn Eisen ist ein Schwermetall und giftig. Unser Körper schützt sich mit komplizierten Aufnahmehindernissen davor, dass zu viel davon in den Organismus gerät. Daher wird vorwiegend so genanntes zweiwertiges Eisen aufgenommen. Aber nur, wenn es frei und im Darm gelöst ist, was selten vorkommt. Eisen aus pflanzlicher Kost ist immer dreiwertig, schwer löslich und meist auch noch fest an bestimmte Kohlenhydrate gebunden. Nur Bruchteile davon gelangen ins Blut.

Sie interessieren sich für unsere Themen?
Kostenlosen Newsletter bestellen

Seite:

  1. 1
  2. 2
  • Text: Jutta von Campenhausen
    BRIGITTE Heft 04/08
    Teaserfoto: Fotolia.com