Genmais vor der Haustür

Das Projekt "Gentechnikfreie Regionen in Deutschland" setzt ein Signal gegen Genmais. Brigitte.de hat mit Koordinatorin Annemarie Volling über ihre Abneigung gegen gentechnisch veränderte Pflanzen gesprochen.

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Brigitte.de: Was haben Sie gegen Gentechnik?

Annemarie Volling: Gentechnik bringt aus unserer Sicht keinen Nutzen. Eine gentechnische Veränderung ist ein Eingriff in den Stoffwechselprozess einer Pflanze mit unabsehbaren Risiken für die menschliche Gesundheit. Es gibt bislang keine Langzeitstudien über die Auswirkungen. Das Problem: Gentechnisch veränderte Organismen, die einmal in die Natur entlassen sind, sind nicht mehr rückholbar. Dass der Pestizideinsatz durch Gentechnik zurückgeht, ist ein falsches Argument der Gentechnik-Industrie. Das gilt für die ersten drei Jahre des Anbaus, danach werden wieder mehr Pestizide benötigt.

Brigitte.de: Gentechnik ist kein neues Thema. Warum wird jetzt verstärkt protestiert?

Annemarie Volling: Bislang wurden gentechnisch veränderte Pflanzen in Deutschland nur zur Probe angebaut. Mittlerweile sind fünf Varianten des Genmaises MON 810 bei uns zugelassen. In diesem Jahr wird erstmals offiziell Gen-Mais in Deutschland angebaut, die Aussaat steht kurz bevor.

Unser Problem ist auch, dass sich das politische Umfeld geändert hat: Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer hat gesagt, er wolle die Tür öffnen für Gentechnik. Die strengen Haftungsregeln, die die Nachbarfelder vor Auskreuzungen schützen sollen, sollen gelockert werden. Die Frage ist, wer dann für mögliche Schäden haftet. Und wer kann garantieren, dass gentechnikfreie Landwirtschaft in Zukunft überhaupt möglich ist? Noch wird nach den alten gesetzlichen Regelungen angebaut.

Brigitte.de: Wie viel Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Produkten haben wir in unseren Supermärkten?

Annemarie Volling: Seit April 2004 gibt es eine Kennzeichnungspflicht. In der Zutatenliste von Lebensmitteln muss angegeben werden, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen verwendet wurden, was zum Beispiel bei Sojalecitin in Schokolade der Fall sein könnte. Die meisten Verbraucher lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab, die Unternehmen haben entsprechend darauf reagiert. Bislang sind im Supermarkt kaum pflanzliche Produkte zu finden, die gentechnisch verändert sind. Der Unilever-Konzern hat daher beispielsweise bereits Ende der 90er Jahre bei Produkten wie Margarine das problematische Soja durch Raps ersetzt.

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  • Interview: Monika Herbst
    Fotos: Pixelquelle (1), privat (1)
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