Udo Pollmer: "Die meisten Menschen sind nicht zu dick"

Ernährungstipps sind ein rotes Tuch für den Buch-Autoren, Lebensmittelchemiker und Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V, Udo Pollmer. Im BRIGITTE.de-Interview erklärt er warum.

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BRIGITTE.de: Herr Pollmer, als der Morgenmagazin-Ernährungsexperte Hademar Bankhofer von der ARD gefeuert wurde, hat Sie das gefreut?

Pollmer: Nein, ich freue mich grundsätzlich nicht, wenn ein Kollege entlassen wird. Jetzt, nachdem er weg ist, hacken sie alle auf ihm herum. Das ist kein Zeichen von Anstand oder gar Mut. Gegenfrage: Sind die Ernährungsinfos in unseren Frauenzeitschriften besser?

BRIGITTE.de: Aber Sie wissen, worauf ich hinaus will: Herr Bankhofer hat am laufenden Band pauschale Ernährungs-Ratschläge gegeben, was Sie in Ihrem neuen Buch "Wer gesund isst, stirbt früher" strikt ablehnen?

Pollmer: An Ratschläge zur Gesundheit sind drei Anforderungen zu stellen. Erstens: Haben sie nachweislich einen Nettonutzen? Zweitens: Was sind die wichtigsten Nebenwirkungen? Und Drittens: Sind sie überhaupt praktikabel? Bis heute hat sich niemand um diese Fragen geschert. Insofern hat von den vielen Ratschlägern auch keiner das Recht auf anderen herumzuhacken. Wenn Ratschläge gegeben würden, deren Wirksamkeit sich nachweisen lässt, mach ich gerne mit. Aber wir haben nicht einen einzigen, den man guten Gewissens empfehlen kann - außer das Essen bekömmlich sein muss, weil unbekömmliches nicht gesund sein kann.

BRIGITTE.de: Dann irrt auch die Bundesregierung? Auch Sie gibt pauschale Ratschläge. Zum Beispiel die Aktion "5 am Tag". Im Rahmen dieser Aktion empfiehlt die Regierung, dass die Hälfte jeder Mahlzeit aus Obst und Gemüse bestehen sollte. Wie Studien belegten, wirkten sich die in Obst und Gemüse enthaltenen Inhaltsstoffe positiv auf die Gesundheit aus.

Pollmer: Na dann zeigen Sie mir mal die Studien. Je niedriger der Evidenzgrad, desto besser ist Obst und Gemüse, je besser das Studiendesign und die Auswertung desto enttäuschender das Ergebnis. Die Politik ist ja nicht dafür da, wissenschaftliche Erkenntnisse auf ihre Belastbarkeit zu prüfen. Die halten den Finger in die Luft und gucken, woher der Wind weht. Wenn die Regierung merkt, dass sie für die "5 a day"-Kampagne gelobt wird, dann wird die Kampagne unterstützt. Wenn nicht, dann sparen sie sich das Geld. Bei der "5 a day"-Kampagne ist sogar öffentlich erklärt worden, dass sie keine wissenschaftliche Basis hat.

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  • Fotos: BLV Buchverlag
    Interview: Britta Hesener
Letzte Kommentare
  • Sindaly
    am 19.10.11 um 14:09
    Ich finde die Themen, wie Herr Pollmer Dinge angeht, sehr interessant und auch richtig. Wenn dick sein so krank macht, wie kommt es dann, daß auf den Strassen mehr dicke Alte als dünne Alte rumlaufen. Und ein dicker Mensch sieht obendrein länger jünger aus, weil ein paar kilo mehr die Haut ausfüllt und nicht schlaff runterhängen lässt. Und nebenbei sollte ich nur wirklich gesund sein, wenn ich bei einer Grösse von 156 cm 48 Kilo wiege. Das ist pervers. Mitlerweile darf ich laut BMI schon bis 61 Kilo wiegen. Das hat sich geändert und das gilt bisher als gesund. Nun glaube ich, daß auch das nur eine These von den Versicherungen ist, weil die wenigsten das schaffen und somit kann man ja höhere Versicherungen von den "Dicken" verlangen. Zum Glück hört der Terror auch bald auf. Obendrein kenne ich auch Leute die so gut wie kein Obst und Gemüse essen und trotzdem gesund sind. Daher möchte ich mich bei Herrn Pollmer bedanken, daß er sich so stark für ein anderes Wissen und De
  • Nadine1978
    am 23.05.11 um 22:16
    @Hippokrates:

    Hier noch ein interessanter Link über Korrelationen:

    http://www.ratioblog.de/entry/forschung-stoerche-bringen-kinder

  • Nadine1978
    am 23.05.11 um 22:14
    @Hippokrates:
    Das mit dem angeblichen Zusammenhang von Fastfood und Dicksein / Dummheit ist Unsinn.

    Daß zwei Dinge, in diesem Fall Übergewicht und Aggressivität, gleichzeitig auftreten, heißt noch nicht, daß das eine die Folge des anderen ist.

    Es heißt ja auch, daß hoher Fernsehkonsum Lese- und Schreibschwierigkeiten verursache - aber vielleicht sehen die betroffenen Kinder nur deshalb viel fern, weil ihnen Lesen schwer fällt...

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