Udo Pollmer: "Die meisten Menschen sind nicht zu dick"

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BRIGITTE.de: Eine Kampagne der Bundesregierung hat keine wissenschaftliche Basis?

Pollmer: Wissen Sie, es ist ja nicht so, dass nur Kritiker wie ich despektierliche Meinungen verbreiten. Die gleichen Meinungen verbreitet gelegentlich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Im "DGE Info" steht zum Beispiel unter der Überschrift: "5 am Tag Kampagne: Wissenschaftliche Begründung": "Einen unmittelbaren Nachweis, dass eine Intervention mit Gemüse und Obst das Risiko für Krebs oder auch andere chronische Erkrankungen senkt, gibt es derzeitig nicht." Dann der nächste Satz: "Ebenso fehlen beobachtende epidemiologische Daten, die belegen, dass eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten im Sinne einer Erhöhung des Obst- und Gemüseverzehrs im Erwachsenenalter das Erkrankungsrisiko für Krebs und andere chronische Erkrankungen zu senken vermag." Wir haben also weder Beweise noch Hinweise.

BRIGITTE.de: Aber sinnlos kann eine Kampagne, die rät mehr Obst und Gemüse zu essen, sich also gesünder zu ernähren, doch nicht sein?

Pollmer: Naja, das sehen die Fachleute anders. Ich habe hier eine weitere Ausgabe des "DGE Info". Darin lesen wir vom wissenschaftlichen Leiter der DGE: "Es gibt keine Studien, die eine dauerhafte positive Änderung des Ernährungsverhaltens und eine Steigerung des Obst- und Gemüseverzehrs durch Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und der Verhaltensprävention belegen." Stimmt: bis heute fehlen Belege für den Nutzen der Ernährungsberatung. Dann der nächste Satz: "Die langjährige '5 a day'-Kampagne in den USA hat dort zu keinem nennenswerten Zuwachs des Obst- und Gemüsekonsums geführt."

BRIGITTE.de: Die Ernährungsberatung ist in Ihren Augen also nutzlos?

Pollmer: Der ehemalige Präsident der DGE, Professor Volker Pudel sagte zum 40-jährigen Jubiläum der Gesellschaft sehr treffend: Ihm käme es so vor, als hätten 40 Jahre Ernährungsaufklärung vor allem eins bewirkt - die Menschen essen, was sie immer gegessen haben, aber jetzt mit schlechtem Gewissen. Vernünftige Menschen folgern daraus, dass die Branche erst einmal üben sollte. Aber die sieht das anders: Sie wollen noch mehr Aufklärung.

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  • Fotos: BLV Buchverlag
    Interview: Britta Hesener
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  • Sindaly
    am 19.10.11 um 14:09
    Ich finde die Themen, wie Herr Pollmer Dinge angeht, sehr interessant und auch richtig. Wenn dick sein so krank macht, wie kommt es dann, daß auf den Strassen mehr dicke Alte als dünne Alte rumlaufen. Und ein dicker Mensch sieht obendrein länger jünger aus, weil ein paar kilo mehr die Haut ausfüllt und nicht schlaff runterhängen lässt. Und nebenbei sollte ich nur wirklich gesund sein, wenn ich bei einer Grösse von 156 cm 48 Kilo wiege. Das ist pervers. Mitlerweile darf ich laut BMI schon bis 61 Kilo wiegen. Das hat sich geändert und das gilt bisher als gesund. Nun glaube ich, daß auch das nur eine These von den Versicherungen ist, weil die wenigsten das schaffen und somit kann man ja höhere Versicherungen von den "Dicken" verlangen. Zum Glück hört der Terror auch bald auf. Obendrein kenne ich auch Leute die so gut wie kein Obst und Gemüse essen und trotzdem gesund sind. Daher möchte ich mich bei Herrn Pollmer bedanken, daß er sich so stark für ein anderes Wissen und De
  • Nadine1978
    am 23.05.11 um 22:16
    @Hippokrates:

    Hier noch ein interessanter Link über Korrelationen:

    http://www.ratioblog.de/entry/forschung-stoerche-bringen-kinder

  • Nadine1978
    am 23.05.11 um 22:14
    @Hippokrates:
    Das mit dem angeblichen Zusammenhang von Fastfood und Dicksein / Dummheit ist Unsinn.

    Daß zwei Dinge, in diesem Fall Übergewicht und Aggressivität, gleichzeitig auftreten, heißt noch nicht, daß das eine die Folge des anderen ist.

    Es heißt ja auch, daß hoher Fernsehkonsum Lese- und Schreibschwierigkeiten verursache - aber vielleicht sehen die betroffenen Kinder nur deshalb viel fern, weil ihnen Lesen schwer fällt...

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