Udo Pollmer: "Die meisten Menschen sind nicht zu dick"

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BRIGITTE.de: Kann man, Ihrer Meinung nach, dann überhaupt sein Gewicht beeinflussen?

Pollmer: Es gibt Fragen die klingen einfach, erfordern aber fundiertes physiologisches Fachwissen. Es gibt viele Faktoren, die sich auf das Gewicht auswirken: Zum Beispiel gibt es eine Reihe von Infektionskrankheiten, Viren oder hormonelle Störungen. Nehmen Sie den Adenovirus 36. Er verursacht einen harmlosen Schnupfen und dann können Sie in der Folgezeit verdammt fett werden. Bei den richtig fetten Amis findet man in der Tat hohe Antikörperspiegel gegen diesen Virus. Wenn Sie bestimmte Medikamente einnehmen wie Cortison, dann können Sie Fettsucht am Bauch entwickeln. Da der Mensch bei starken psychischen Belastungen ebenfalls Cortison (Cortisol) produziert, nehmen viele Menschen unter Stress und Ärger am Bauch zu. Aber nicht wegen der Kalorien

BRIGITTE.de: Was würden Sie dicken Menschen raten, die abnehmen wollen?

Pollmer: Das Gleiche, das Sie großen Menschen raten würden, die kürzer werden wollen.

BRIGITTE.de: Nichts?

Pollmer: Doch natürlich. Aber das ist bei jedem Menschen etwas anderes. Und bedenken Sie bitte: Die meisten Menschen, die abnehmen wollen sind ja gar nicht "zu dick" sondern völlig normal. Schauen Sie sich doch einmal die aktuellen Untersuchungen an, die das Robert-Koch-Institut vorgelegt hat: Die Angst vor dem Übergewicht beeinträchtigt die Lebensqualität von Jugendlichen stärker als eine tatsächliche Fettleibigkeit. Bei vielen Frauen ist das doch das Gleiche!

BRIGITTE.de: Was mir im Laufe dieses Gesprächs und bei der Lektüre Ihres Buches immer wieder auffiel, ist, dass Sie offenbar von der schieren Lust an der Provokation angetrieben werden.

Pollmer: Ich habe Freude daran, Dinge beim Namen zu nennen. Es soll ja auch den Lesern Freude machen. Aber die Grundlage ist die Wissenschaft. Nicht umsonst finden Sie in fast allen meinen Buchveröffentlichungen ausführliche Quellenangaben. Damit es jeder nachprüfen kann. Maßstab bei der Auswahl und Deutung der Studien ist die evidenzbasierte Medizin. Aber ich bin kein Wiederkäuer sattsam bekannter Vorurteile, kein Berater, der Wege in die üblichen Sackgassen weist. Im Gegenteil: Ich mache Fenster auf und dann kann einer rausgucken und sagen "Oh, das habe ich so noch nie gesehen". Oder er macht es sofort wieder zu, und beginnt den Tag lieber mit Gesundheitssendungen im Fernsehen.

Udo Pollmer & Monika Niehaus
"Wer gesund isst, stirbt früher"
BLV Buchverlag
12,95 Euro

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  • Artikel vom 10.08.2008
  • Fotos: BLV Buchverlag
    Interview: Britta Hesener
Letzte Kommentare
  • Sindaly
    am 19.10.11 um 14:09
    Ich finde die Themen, wie Herr Pollmer Dinge angeht, sehr interessant und auch richtig. Wenn dick sein so krank macht, wie kommt es dann, daß auf den Strassen mehr dicke Alte als dünne Alte rumlaufen. Und ein dicker Mensch sieht obendrein länger jünger aus, weil ein paar kilo mehr die Haut ausfüllt und nicht schlaff runterhängen lässt. Und nebenbei sollte ich nur wirklich gesund sein, wenn ich bei einer Grösse von 156 cm 48 Kilo wiege. Das ist pervers. Mitlerweile darf ich laut BMI schon bis 61 Kilo wiegen. Das hat sich geändert und das gilt bisher als gesund. Nun glaube ich, daß auch das nur eine These von den Versicherungen ist, weil die wenigsten das schaffen und somit kann man ja höhere Versicherungen von den "Dicken" verlangen. Zum Glück hört der Terror auch bald auf. Obendrein kenne ich auch Leute die so gut wie kein Obst und Gemüse essen und trotzdem gesund sind. Daher möchte ich mich bei Herrn Pollmer bedanken, daß er sich so stark für ein anderes Wissen und De
  • Nadine1978
    am 23.05.11 um 22:16
    @Hippokrates:

    Hier noch ein interessanter Link über Korrelationen:

    http://www.ratioblog.de/entry/forschung-stoerche-bringen-kinder

  • Nadine1978
    am 23.05.11 um 22:14
    @Hippokrates:
    Das mit dem angeblichen Zusammenhang von Fastfood und Dicksein / Dummheit ist Unsinn.

    Daß zwei Dinge, in diesem Fall Übergewicht und Aggressivität, gleichzeitig auftreten, heißt noch nicht, daß das eine die Folge des anderen ist.

    Es heißt ja auch, daß hoher Fernsehkonsum Lese- und Schreibschwierigkeiten verursache - aber vielleicht sehen die betroffenen Kinder nur deshalb viel fern, weil ihnen Lesen schwer fällt...

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