Heilfasten

Richtig fasten: Das müssen Sie wissen

Die zehn wichtigsten Antworten für alle, die richtig fasten wollen: Wie oft soll ich fasten und wie lange? Wie vereinbare ich das mit meinem Alltag? Und was geschieht in Körper und Seele, wenn ich faste?

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Foto: Getty Images

  • 1. Wie lange und wie oft darf ich fasten?
    Einmal im Jahr sieben Tage lang aufs Essen zu verzichten (plus Entlastungs- und Aufbautage) - das ist ein gutes Maß, vor allem für Anfängerinnen.

    Wer sich nach einer Woche Fasten leistungsfähig und gut fühlt, kann auch noch ein paar Tage dranhängen. Allerdings sollte man sich dann auch mehr Zeit für den Übergang in die normale Ernährung nehmen, empfohlen wird ein Aufbautag pro drei Fastentage.

    Wer mehr als einmal jährlich oder länger als zwei Wochen fasten möchte, sollte das nicht ohne ärztliche Beratung und Begleitung tun.
  • 2. Ist es sinnvoll, das Fasten mit einem normalen Alltag zu vereinbaren?
    Ob Sie fasten wollen, während die alltäglichen Anforderungen, zum Beispiel in Beruf und Familie, weitergehen, ist eine ganz individuelle Entscheidung. Das Fasten zu Hause hat sicher Vorteile: Es kostet weder Zeit noch Geld, und es bietet die Chance, die neuen Erfahrungen und Lebensgewohnheiten auch in der Zeit danach in den Alltag hinüberzuretten.

    Wer zum Fasten wegfährt, hat hingegen mehr Möglichkeiten, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren. Angebote dazu gibt es in Form von Fastenseminaren, Fastenreisen oder Fastenkliniken. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für solche Programme allerdings nur in wenigen Ausnahmefällen.

    Wer vor allem psychologische Unterstützung braucht, kann sich auch einer Fastengruppe anschließen. Sie treffen sich z. B. in Volkshochschulen, Kirchengemeinden oder Tagungshäusern.
  • 3. Verändert das Fasten meinen hormonellen Status, beeinflusst es meine Regelblutung?
    Ja, und die Auswirkungen können im Einzelfall recht unterschiedlich sein. Einige Frauen bekommen Migräne, bei manchen setzt die Regel außerplanmäßig ein oder fällt stärker aus. In einigen Fällen soll sogar der lang gehegte Kinderwunsch nach dem Fasten in Erfüllung gegangen sein.

    Manche Frauen in den Wechseljahren berichten, dass das Fasten ihnen gut gegen Hitzewallungen hilft. Wer die Pille nimmt, sollte die Einnahme während des Fastens fortsetzen, ohne sich allerdings auf diese Form der Verhütung zu verlassen.
  • 4. Darf ich während des Fastens weiterrauchen?
    In Fasten-Kliniken ist Rauchen grundsätzlich verboten. Aus gutem Grund, schließlich geht es vielen Fastenden um die Entgiftung.

    Wenn Sie es nicht schaffen, ganz aufzuhören, sollten Sie zumindest versuchen, Ihren Zigarettenkonsum einzuschränken. Dabei helfen zuckerfreie Kaugummis und Entspannungsübungen. Vielleicht ist das Fasten ja ein guter Einstieg in die Raucherentwöhnung?
  • 5. Verändert das Fasten meine geistige Leistungsfähigkeit?
    Manche Fastende berichten über geistige Höhenflüge. Doch kann es auch passieren, dass die Konzentration schwerer fällt und Denkprozesse langsamer ablaufen, wenn dem Gehirn weniger schnelle Energie zur Verfügung steht. Dagegen helfen Kohlenhydrate - erlaubt sind ein Teelöffel Honig oder ein Glas Saft.

    Bewegung sorgt ebenfalls für eine bessere Energiezufuhr. Wird das "diesige" Gefühl im Kopf zum Dauerzustand, sollten Sie mit dem Fastenleiter oder einem Arzt sprechen.
  • 6. Wie beeinflusst das Fasten meinen Schlaf?
    Viele Menschen kommen in dieser Zeit mit weniger Nachtruhe aus, andere aber wollen gerade jetzt "mehr, mehr und mehr" Schlaf. Beides sind keine Schlafstörungen, sondern normale Reaktionen des Körpers auf die Umstellungen im Stoffwechsel.
  • 7. Kann es auch zu Sehstörungen kommen?
    Die Entwässerung des Körpers beim Fasten erfasst auch die vordere und hintere Augenkammer. Der veränderte Brechungsindex des Auges kann dazu führen, dass man vorübergehend undeutlicher sieht, sich beim Lesen angestrengt fühlt und empfindlich auf Licht reagiert. Das ist an sich harmlos, die Sehkraft stellt sich in der Aufbauphase wieder ein.

    Aber Achtung: Nacht- und Dämmerungsfahrten sollten beim Fasten ebenso tabu sein wie lange Autobahnfahrten. Und sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, wenn das schlechtere Sehen Sie beunruhigt.
  • 8. Ich faste zu Hause, meine Familie aber nicht: Soll ich gemeinsame Mahlzeiten meiden?
    Kommt drauf an. Können Sie es ertragen, wenn alle am Tisch sitzen und fröhlich ihre Mahlzeit genießen? Das ist für viele Fastende noch schlimmer als das Zubereiten.

    Probieren Sie aus, wie es Ihnen damit ergeht, und melden Sie sich gegebenenfalls für die Mahlzeiten ab. Erklären Sie Ihrer Familie vor Beginn der Fastenkur, warum Sie fasten, bitten Sie um besondere Rücksichtnahme und Unterstützung.

    Falls Sie kleine Kinder haben, die öfter zum Essen überredet werden müssen: Überlegen Sie genau, ob nicht doch ein Fastenseminar an einem anderen Ort für Sie machbar ist. Es ist fast unmöglich zu erklären, wieso Sie jetzt mit dem Essen aufhören.
  • 9. Wie steige ich aus dem Fastenprogramm vorzeitig aus, wenn ich partout nicht durchhalte?
    Das geht am besten mit leichten, kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten, wie sie für den 1. Aufbautag vorgesehen sind. Besonders empfehlenswert: Obst, am besten gedünstet, oder Kartoffeln mit gegartem Gemüse. (Nur auf blähenden Kohl sollten Sie noch verzichten.) Zwischendurch ein Joghurt oder eine Scheibe Knäckebrot.
  • 10. Darf ich während des Fastens alternative Heilmethoden anwenden?
    Ob Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin oder Phytotherapie: In der Regel können alle alternativen Heilmethoden auch während einer Fastenkur angewendet werden.

    Aber Sie sollten in dieser Zeit keinesfalls Behandlungen auf eigene Faust ansetzen. Das gilt auch für die Selbstmedikation von ansonsten gebräuchlichen Arzneimitteln, etwa Kopfschmerztabletten.

    Sprechen Sie jede Form der Behandlung während des Fastens mit Ihrer Ärztin, dem Arzt oder alternativen Behandler genau ab.
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  • Text: Eva Meschede, Sandra Schulte
    Fachliche Beratung: Elisabeth Müller, Fastenleiterin; Dr. Andreas Buchinger, Leiter der Klinik Dr. Otto Buchinger in Bad Pyrmont; Dorothe Bertlich-Baumeister UGB
    Header-Foto:Getty Images