Mindesthaltbarkeitsdatum
Lebensmittel: Was wirklich weg muss

Wir werfen zu viele Lebensmittel weg, die noch gut sind. Die Sendung "Der große Haushalts-Check mit Yvonne Willicks" in der ARD geht der Frage nach, ob Hersteller das Mindesthaltbarkeitsdatum aus Eigeninteresse manipulieren.

Foto: Blend Images/Corbis

Über dieses Thema kann man gar nicht genug aufklären: Im Durchschnitt wirft jeder von uns jedes Jahr 82 Kilogramm Lebensmittel weg, die noch gut sind. Vor allem aus Unkenntnis, weil das MHD, das Mindesthaltbarkeitsdatum, als Verfallsdatum aufgefasst wird. Die TV-Sendung "Der große Haushalts-Check mit Yvonne Willicks" (Sendung vom 27.10.14; Video) will aufklären und hakt auch bei der Lebensmittelindustrie nach. Anlass gibt eine Studie der Fachhochschule Münster, deren Ergebnisse nahelegen, dass die Industrie das MHD durchaus auch zur Manipulation der Verbraucher nutzt.

Warum nur werfen wir so viel weg, was noch gut ist? Ein Grund: Wir wissen mit den Resten nichts anzufangen. Der zweite: Viele Menschen verstehen das Mindesthaltbarkeitsdatum als Verfallsdatum. Doch das MHD besagt, dass bis zu diesem Tag bestimmte Eigenschaften garantiert sind, die knallgrüne Farbe des Gemüses zum Beispiel. Den Aufdruck bringen die Hersteller selbst an, nicht etwa eine Behörde.

Inzwischen haben mehrere EU-Staaten dieser Verschwendung den Kampf angesagt. Sie wollen die Liste der Lebensmittel, für die kein Mindesthaltbarkeitsdatum erforderlich ist, erweitern. Im Gespräch sind Nudeln, Reis, Tee, Kaffee sowie Hartkäse. Bereits heute dürfen ein Dutzend Lebensmittel ohne Mindesthaltbarkeitsdatum verkauft werden, darunter unbehandeltes frisches Obst und Gemüse, Wein, nicht alkoholische Erfrischungsgetränke, Essig, Salz und Zucker.

Was ist schon verdorben, was kann man noch essen? Wie lange sind Lebensmittel haltbar? Ein Überblick.

  • Das ist bedenkenlos genießbar
    "Arttypischer" Schimmel auf einem Lebensmittel wie Camembert. Dieser Schimmelpilz sorgt für die Reifung. Bei längerer Lagerung wandert der weiche Flaum auf die Schnittflächen - macht nichts, der Käse ist noch haltbar. Aufgewärmte Pilz- und Spinatgerichte. Zumindest, wenn sie rasch heruntergekühlt (möglichst im kalten Wasserbad) und genauso fix erhitzt wurden, sind diese Lebensmittel eine Weile haltbar. Dann haben Bakterien keine Chance. Die bilden sich, wenn man Pilze und Spinat länger warm hält oder bei Raumtemperatur stehen lässt. Pilze verderben dann sehr schnell. Reste höchstens einen Tag aufbewahren. Kefir, Buttermilch oder Joghurt, bei denen sich die Deckelfolie wölbt. Ein gutes Zeichen, denn hier sind Milchsäurebakterien am Werk, und die sind gesund. Die Lebensmittel sind also okay.
  • Erstmal kontrollieren, ob diese Lebensmittel noch haltbar sind
    Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen: aufmachen und nachsehen, ob's noch gut ist. Viele Lebensmittel sind deutlich länger haltbar, als der Aufdruck angibt. Der Deckel von lose gekauften Feinkostsalaten wölbt sich: Meist gären da Zutaten wie Zwiebeln oder dicke Bohnen, man merkt das am Prickeln auf der Zunge. Das ist ungefährlich, die Lebensmittel sind noch haltbar - schmecken aber nicht mehr. Tipp: Nach dem Kauf den Deckel der Plastiktöpfe nur locker aufsetzen - und den Salat zügig verbrauchen.
  • Schimmel großzügig entfernen
    Schimmel auf luftgetrockneten Würsten und Schinken: äußere Schicht abschneiden. Schimmel auf Hartkäse (Emmentaler): die Stelle und ein ordentliches Stück mehr abschneiden.
  • Nicht mehr haltbar, komplett wegwerfen
    Schimmelstelle auf Brot: Brot komplett wegwerfen. Denn der Schimmelpilz bildet feine, fadenförmige Zellfäden, Hyphen genannt, die wir mit bloßem Auge nicht sehen können, und die die Lebensmittel im Inneren durchziehen. Die Zellfäden können Gifte, Aflatoxine, bilden. Nehmen wir sie über die Nahrung auf, kann das zu Leberschäden führen, zudem wirken sie sehr stark krebsfördernd. Schimmelige wasserhaltige Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Kompott, Saft, Suppen, Soßen, Konfitüren und Fruchtaufstriche, Frischkäse, Schnittkäse (z.B. Gouda) und Wurst: ab in den Müll! Die Schimmelpilzgifte verteilen sich über die Flüssigkeit unsichtbar im gesamten Lebensmittel; da hilft auch Erhitzen nicht. Getreide, Nüsse (auch wenn "nur" die Schale betroffen ist), Kerne und Samen, die mit Schimmel befallen sind: Auch hier bilden sich die gefährlichen Schimmelpilzgifte. Abgepacktes Hackfleisch und frisches Geflügelfleisch wegwerfen, wenn das angegebene Verbrauchsdatum abgelaufen ist. Gefahr von Salmonellen und EHEC-Bakterien. Beim Kauf immer auf das Datum achten. Konserven, deren Deckel sich nach außen wölbt: weg damit. Vermutlich steckt das Bakterium Clostridium botulinum dahinter, es produziert ein extrem gefährliches Botulinustoxin. Der Erreger lebt in der Erde, und wenn Gemüse und Früchte vor dem Einmachen nicht gründlich sauber gemacht und sterilisiert werden, vermehrt er sich in den Konserven weiter (vor allem auch in selbst Eingemachtem). Lebensgefährlich!
  • Erhitzen gegen Salmonellen
    Die wichtigste Lebensmittelinfektion bei uns ist die Salmonellose, die meist als Durchfallerkrankung verläuft. Für Kinder und alte Menschen kann sie tödlich sein. Salmonellen kommen überwiegend in rohen tierischen Lebensmitteln wie Geflügel, Hackfleisch und Eiern vor. Bei Zimmertemperatur vermehren sich die Bakterien sehr schnell. Erhitzen (mindestens zehn Minuten bei 70 Grad) tötet sie zuverlässig ab, tiefgefrieren jedoch nicht. Der Erreger vermehrt sich in rohen oder nur teilweise gegarten Lebensmitteln. Aber auch gut erhitzte Speisen können nachträglich von Salmonellen befallen werden.
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