Mindesthaltbarkeitsdatum
Lebensmittel: Was wirklich weg muss - und was nicht

Wir werfen viel zu viele Lebensmittel weg, die noch gut sind. Laut einer neuen Studie des "WWF" werfen wir in Deutschland 313 Kilo Lebensmittel weg - pro Sekunde.

Foto: Blend Images/Corbis

Im Schnitt werfen wir jede Sekunde 313 Kilogramm genießbare Nahrungsmittel weg

Dass wir viel zu viele Lebensmittel wegschmeißen, wissen wir längst. Doch der "WWF" hat jetzt das unglaubliche Ausmaß der Verschwendung für die Studie "Das große Wegschmeißen" ermittelt. "Im Schnitt werfen wir in Deutschland jede Sekunde 313 Kilogramm genießbare Nahrungsmittel weg, während weltweit fast eine Milliarde Menschen Hunger leidet", fasst Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland die Ergebnisse der Studie zusammen.

Ein Teil des Problems sind wir selbst: Knapp 40 Prozent des Mülls falle in Deutschland in Privathaushalten an, heißt es. Oft aus Unkenntnis: Wir fassen das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) als Verfallsdatum auf.

Die Industrie hat ein Interesse daran, dass wir Lebensmittel wegwerfen

Das MHD besagt lediglich, dass bis zu diesem Tag bestimmte Eigenschaften eines Lebensmittels garantiert sind, die knallgrüne Farbe des Gemüses zum Beispiel. Den Aufdruck bringen die Hersteller selbst an, nicht etwa eine Behörde. Und die Industrie hat ein Interesse daran, dass wir Lebensmittel wegwerfen - und neue kaufen. Eine Studie der Fachhochschule Münster kam zu dem Ergebnis, dass die Industrie das MHD auch zur Manipulation der Verbraucher nutzt.

Inzwischen haben mehrere EU-Staaten dieser Verschwendung den Kampf angesagt. Sie wollen die Liste der Lebensmittel, für die kein Mindesthaltbarkeitsdatum erforderlich ist, erweitern. Im Gespräch sind Nudeln, Reis, Tee, Kaffee und Hartkäse. Bereits heute dürfen ein Dutzend Lebensmittel ohne Mindesthaltbarkeitsdatum verkauft werden, darunter Obst und Gemüse, Wein, nicht alkoholische Erfrischungsgetränke, Essig, Salz und Zucker.

Wegwerfen? Das ist bedenkenlos genießbar

"Arttypischer" Schimmel auf einem Lebensmittel wie Camembert. Dieser Schimmelpilz sorgt für die Reifung. Bei längerer Lagerung wandert der weiche Flaum auf die Schnittflächen - macht nichts, der Käse ist noch gut.

Aufgewärmte Pilz- und Spinatgerichte. Zumindest, wenn sie rasch heruntergekühlt (möglichst im kalten Wasserbad) und genauso fix erhitzt wurden, sind diese Lebensmittel eine Weile haltbar. Bakterien bilden sich, wenn man Pilze und Spinat länger warm hält oder bei Raumtemperatur stehen lässt. Pilze verderben dann sehr schnell. Reste höchstens einen Tag aufbewahren.

Kefir, Buttermilch oder Joghurt, bei denen sich die Deckelfolie wölbt. Ein gutes Zeichen, denn hier sind Milchsäurebakterien am Werk, und die sind gesund. Die Lebensmittel sind also okay.

Hier solltet ihr erstmal kontrollieren

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen: aufmachen und nachsehen, ob's noch gut ist. Viele Lebensmittel sind deutlich länger haltbar, als der Aufdruck angibt.

Der Deckel von lose gekauften Feinkostsalaten wölbt sich: Meist gären da Zutaten wie Zwiebeln oder dicke Bohnen, man merkt das am Prickeln auf der Zunge. Das ist ungefährlich, die Lebensmittel sind noch haltbar - schmecken aber nicht mehr. Tipp: Nach dem Kauf den Deckel der Plastiktöpfe nur locker aufsetzen - und den Salat zügig verbrauchen.

Diesen Schimmel könnt ihr problemlos entfernen

Schimmel auf luftgetrockneten Würsten und Schinken: äußere Schicht großzügig abschneiden.

Schimmel auf Hartkäse (Emmentaler): die Stelle und ein ordentliches Stück mehr abschneiden.

Das muss weg!

Schimmelstelle auf Brot: Brot komplett wegwerfen. Denn der Schimmelpilz bildet feine Zellfäden, die wir mit bloßem Auge nicht sehen können, und die die Lebensmittel im Inneren durchziehen. Die Zellfäden können Gifte bilden. Nehmen wir sie über die Nahrung auf, kann das zu Leberschäden führen, zudem wirken sie sehr stark krebsfördernd.

Schimmelige wasserhaltige Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Kompott, Saft, Suppen, Soßen, Konfitüren und Fruchtaufstriche, Frischkäse, Schnittkäse (z.B. Gouda) und Wurst: ab in den Müll! Die Schimmelpilzgifte verteilen sich über die Flüssigkeit unsichtbar im gesamten Lebensmittel; da hilft auch Erhitzen nicht.

Getreide, Nüsse (auch wenn "nur" die Schale betroffen ist), Kerne und Samen, die mit Schimmel befallen sind: Auch hier bilden sich die gefährlichen Schimmelpilzgifte.

Abgepacktes Hackfleisch und frisches Geflügelfleisch wegwerfen, wenn das angegebene Verbrauchsdatum abgelaufen ist. Gefahr von Salmonellen und EHEC-Bakterien. Beim Kauf immer aufs Datum achten.

Konserven, deren Deckel sich wölbt: weg damit. Vermutlich steckt das Bakterium Clostridium botulinum dahinter, es produziert ein extrem gefährliches Botulinustoxin. Der Erreger lebt in der Erde, und wenn Gemüse und Früchte vor dem Einmachen nicht gründlich sauber gemacht und sterilisiert werden, vermehrt er sich in den Konserven weiter (vor allem auch in selbst Eingemachtem). Lebensgefährlich!

Sie interessieren sich für unsere Themen? Kostenlosen Newsletter bestellen

Unsere Empfehlungen