Foto: k-sus/photocase.com
Sie heißen Gina oder Rico und sie sind unsere Freunde - ähnlich wie unsere Katze oder unser Hund. Freunde isst man nicht. In Deutschland ist es daher eher unüblich, Pferdefleisch zu essen – obwohl es gesund ist. Es ist kalorienarm und enthält viel Eisen. Aber wir essen ja auch keine Hunde. Deshalb finden wir es überhaupt nicht lustig, dass uns jemand Pferdefleisch in die Tiefkühl-Lasagne gemischt hat, wie bei den Eigenmarken Tip (Real) sowie Gut und Günstig (Edeka) geschehen.
Unser Fleisch sollen Hühner, Schweine oder Rinder liefern. Als Nutztiere ist das ihr Job. Die Massentierhaltung ist kein schönes Geschäft. Deshalb bleiben die Türen von Hühnerfarmen für Außenstehende in der Regel verschlossen. Den Anblick der zerrupften, gequälten Tiere und den Gestank will man den Verbrauchern nicht zumuten. Auch Schweine, die eng aneinander gepfercht über glatte Spaltböden rutschen, hält man lieber versteckt. Doch immer wieder gelangen solche Bilder an die Öffentlichkeit. Wir wissen also alle, wie das Fleisch, das wir essen, produziert wird - und verdrängen es erfolgreich.
Nun wurde Pferdefleisch in unser Essen gemischt, und der Aufschrei ist groß. Klar, das ist Betrug und es ist keineswegs in Ordnung. Aber ebenso wenig in Ordnung ist es, wenn im Billigst-Angebot das Fleisch von unglücklichen, gequälten Tieren steckt. Nur: Das will niemand wirklich wissen, wenn er sich seine Tiefkühl-Lasagne in die Mikrowelle schiebt.
Es sollte für uns nicht entscheidend sein, ob wir Rinder- oder Pferdefleisch essen, sondern wie wir mit unseren Tieren umgehen. Wir haben ja die Alternativen: Wir können Fleisch in Bio-Qualität oder von artgerecht gehaltenen Tieren kaufen (z.B. Neuland), wir können auf hochwertige Bio-Fertiggerichte umsteigen – oder ganz auf Fleisch verzichten. Wir haben nicht das Recht, unsere Nutztiere anders zu behandeln als Gina oder Rico!
Info: Die Albert-Schweitzer-Stiftung plant übrigens zu diesem Thema eine kreative Kampagne mit LKW-Planen, die zum Umdenken anregen sollen.












-
am um
-
Antonietta
am 26.02.13 um 19:16
Jährlich findet in Skaryszew in Polen der größte und grausamste Pferdemarkt Europas statt. Ca 2.000 Pferde werden dort regelrecht verscherbelt, danach quer durch Europa nach Italien, Frankreich und andere Länder gekarrt, wo sie auf der Schlachtbank landen. Furchtbare Bedingungen herrschen auf dem Markt und bei den Transporten: Unvorstellbar! Blutlachen auf dem Boden, Tiere stehen mit offenen Brüchen im Schlamm, kein Tierarzt vor Ort, keine Kennzeichnung der Tiere, rein gar nichts. Nur das Schreien und Wiehern der Pferde und die blanke Angst in ihren Augen. Kein einziger Experte der EU, keine Kontrolle, alles illegal. Ein LKW verunfallte nach dem Markt (viele sind stark angetrunken) dabei starben einige Pferde, diejenigen, die verletzt überlebt haben, werden weiter nach Italien transportiert. Welche Greueltat gegenüber den hochsensiblen Tieren!
-
diana
am 25.02.13 um 17:23
respekt! endlich sprichts mal jemand aus!
-
V-Power
am 25.02.13 um 16:35
Endlich mal ein Artikel, in dem es nicht nur um die "armen, getäuschten Verbraucher" geht. Endlich wird auch mal die Qual, die die Tiere tagtäglich wegen der menschlichen Gier ertragen müssen, erwähnt!! Super Artikel!!
-
Karol
am 20.02.13 um 07:59
Endlich Worte die über den wirklichen Skandal berichten, über die ,die wirklich den Preis für den Fleischwahn unserer Gesellschaft bezahlen.Wir schlucken mit unserem Essen so viel Kram der nicht hineingehört , das Geschrei um Pferdefleisch ist lächerlich.Fragt lieber danach was den Tieren angetan wird bevor sie auf dem Teller liegen.
-
dododee
am 18.02.13 um 09:15
ich frag mich, warum in den deutschen Medien fast nie der Fakt auftaucht, dass es nicht rein um Pferdefleisch geht, sondern Fleisch, dass nicht zum Verzehr geeignet war - nämlich aufgrund von Medikamentenrückständen...
-
Nina
am 17.02.13 um 19:24
Mich erstaunt immer wieder der "Einwand": "Ja, die Besserverdiener der Mittelschicht können sich Bio-Fleisch leisten, was aber sollen die tun, die sich soetwas nicht leisten können?". Ich möchte niemandem zu nahe treten oder abgeschmackte Klischées à la "Geld für Zigaretten, Alkohol, "Sky", überteuerte "Softdrinks" und Sonnenstudio ist aber schon vorhanden?!" bedienen, aber nur mal als Denkanstoß: Schon mal über die Prioritäten nachgedacht? Fleisch ist kein Grundnahrungsmittel, weder konventionell, noch "bio"!
-
cosima
am 17.02.13 um 10:36
Also ich verstehe diesen Aufschrei in den Medien auch nicht wirklich. Okay, Pferdefleisch als Rindfleisch zu verkaufen ist Betrug, soviel ist klar. Aber sonst? Wo ist denn der Unterschied ob man ein Lamm oder Kalb schlachtet und isst, oder ein Pferd? Doch nur im Kopf, weil das eine ein "Haustier" ist. In dem Buch "Fleischlos glücklich", das ich nur jedem empfehlen kann, der sich mal wirklich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen möchte, gibt es den Begriff "Carnismus", der diese schizophrene Differenzierung zwischen dem Tier an sich und dem Stück Fleisch auf dem Teller beschreibt. Ich esse seit ein paar Jahren kein Fleisch mehr, weil mich die Zustände in der Massentierhaltung entsetzen. Ich vermisse nichts, ärgere mich nur häufig über mangelnde, bzw. fantasielose Angebote in Restaurants oder Kantinen. Es wäre schön, wenn dieser erneute Fleischskandal doch den einen oder anderen zum Umdenken bewegen würde. Der Verbraucher entscheidet letztlich was er kaufen möchte und was
-
Elfriede
am 16.02.13 um 20:13
So, jetzt soll also wieder "Bio" die Lösung des Problems sein. Aber wenn ich mir die Tiefkühl-Lasagne in Bio-Qualität kaufe - woher weiß ich dann, dass auch wirklich Bio drin ist? Wenn Pferd als Rind deklariert werden kann, ist es doch wohl ein leichtes, ein konventionelles Rind als Bio-Rind zu verkaufen. An mir ist der Skandal vorbeigegangen, weil ich zum Glück überhaupt sehr wenig Fleisch esse. Ich mag mir jetzt aber auch kein schlechtes Gewissen einreden lassen, weil ich einmal im Jahr gern ein gutes Steak esse und mir als früheres Pferdemädchen eben nicht vorstellen kann, dafür Pferdefleisch zu kaufen.
-
Picknicker
am 16.02.13 um 19:52
@Lieschen, das ist ja eine tolle Rechnung, aber einerseits auf Qualität und Herkunft zu achten, andererseits den Großteil der Zutaten bei der Preisfindung vernachlässigen - das geht nicht auf...
-
Lise
am 16.02.13 um 18:50
Es muß doch nicht immer Bio-Fleisch sein. Wenn jeder Verbraucher weniger Fleisch essen würde, dafür aber in das gute Fleischerfachgeschäft des Vertrauens ginge um einzukaufen wäre schon viel gewonnen. Mein Mann und ich haben 28 Jahre eine keine Metzgerei geführt. Mein Mann ist Meister und hat seine Produkte nach alter handwerklicher Art hergestellt. Aber dann wurden uns nach und nach 4 Supermärkte und Discounter vor die Nase gesetzt. Jeder hat in seinen Prospekten billiges Fleisch und Fleischprodukte angeboten und was war das Ende vom Lied? Wir haben gekämpft und kamen nicht dagegen an. Und nun wird gejammert über die Fleischskandale. So ist es schon vielen kleinen Metzgereien gegangen. In unserer Innung gibt es gerade noch 5 Fachgeschäfte. Handwerk hat immer noch goldenen Boden.
mehr (22)Natürlich sollte wo Rind drauf steht auch Rind drin sein. Das andere wäre Verbrauchertäuschung. Als "Strafbestand" ist aber die Gesundheitsgefährdung durch pharmakologisch verseuchtes Fleisch doch höher zu bewerten. Aber der kleinere Aufreger??? Hmmm.
Komplett gerechnet kommt man auf einen Kilopreis von 3,75.
Und wenn man das mal umdreht, kosten selbst bei 10€/kg für Bio, die 30g Fleisch in der Lasagne 30 cent.
Bleiben 1,20€ für die Zutaten, die wohl auch nicht die Welt kosten. Das ist wohl trotzdem noch knapp kalkuliert, rechtfertigt aber immer noch keinen Betrug.