Rohkost ist hip - und sorgt für eine klasse Figur

Rohkost ist wieder angesagt. Stylische Rohkost-Fans kommen vorwiegend aus Großstädten und essen Glasnudelsalat aus Kohlrabi oder ungebackenen Apfelkuchen. Figurprobleme kennen sie nicht...

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Es war an einem Silvesterabend. Nelly Reinle-Carayon saß an einem Tisch voller Speisen, die "stundenlang geschmort und totgekocht worden waren und deren Anblick mich wie ein Schlag ins Gesicht traf". Schluss damit! Gleich zu Jahresbeginn stieg sie auf ein Leben mit der kalten Küche um.

Schon länger fühlte sich die Pfälzerin nicht mehr wohl in ihrer Haut. Kilo um Kilo hatten sich angesammelt, doch strenges Diäten war nicht ihr Ding. "Ich war auf der Suche nach einer Methode zum Abnehmen und stieß im Internet auf Websites, die sich mit Rohkost beschäftigten. Ich war fasziniert: keine Kalorien zählen, Gemüse und Obst nach Belieben, köstliche Rezepte. Ich probierte es aus - und war begeistert. Mein Energielevel stieg so an, dass es für meine Umgebung schwer war mitzuhalten. Ich war fröhlich, ausgeglichen und vor allem mental unheimlich aktiv."

Heute betreibt Nelly Reinle- Carayon einen Online-Shop für Rohkostküche, bietet Seminare an, veranstaltet die zwei- bis dreimal im Jahr stattfindende Rohkostmesse "Rohvolution". Ihr Kochbuch "Rohköstlich" bekam schon den "Gourmand Award" für das beste deutsche Kochbuchdesign.

Rohkost heute - ein angesagter Lebensstil. Zumindest präsentieren sich die modernen Rohköstler als weltoffene, lebensfrohe und kraftvolle Vertreter einer unkomplizierten Ernährungsphilosophie. So wie Markus, Durian oder Alexander, überzeugte Rohköstler, die ihre gestählten Körper angeblich roh verzehrtem Apfel, roter Bete oder Mangold verdanken und die sich voller Stolz auf eigenen Webseiten präsentieren. Wer sich heute für ein Leben ohne Herd entscheidet, weilt jedenfalls unter vielen Gleichgesinnten. Es gibt inzwischen Blogs über Rohkost, reine Rohkost-Restaurants und Urlaubsangebote für Rohköstler. Und natürlich eine Fachzeitschrift, "Die Wurzel".

In Großstädten und drum herum treffen sich Rohköstler und alle, die es noch werden wollen, immer häufiger zu so genannten Rohpotlucks: Man verabredet sich mit anderen per Internet, und jeder bringt etwas zu essen mit - natürlich unbedingt roh!

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  • Text: Merle Wuttke
    Foto: plainpicture

    Ein Artikel aus BRIGITTE 06/11
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