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Gerade. Alles muss ganz gerade sein. Rücken, Beine, Arme. Der Kopf? Hoch damit! Und bitte schön locker aussehen dabei. Das hier ist nämlich Ballett und kein Kindergeburtstag.
Ich fange jedenfalls bereits an zu schwitzen, obwohl ich erst seit fünf Minuten an der Stange stehe. Neben mir wacht Nina Stuwe, die Ballettlehrerin, groß und grazil, im schwarzen Body und schwingenden Ballettrock. Ich, mit Sechsmonatsbauch und - ob schwanger oder nicht - immer zu kräftigen Oberschenkeln neigend, brauche neben ihr gar nicht erst zu versuchen, mich federleicht und zart zu fühlen. Aber darum geht es ja schließlich heute Abend auch nicht. Sondern um den Sport, den Tanz und die Frage: Kann man, wenn man das Alter von sechs Jahren überschritten hat, noch Ballett lernen?
Als Kind habe ich zwar schon Ballett getanzt, aber nur bis zum zehnten Lebensjahr. Dann gab mir die Lehrerin zu verstehen: Mit dem Spann und den Beinen - Mädchen, das wird nix. Also stieg ich aufs Pferd um. Trotzdem: Die Faszination für die Biegsamkeit des Körpers, das Überwinden der Schwerkraft, die Eleganz dieses Sports, all das blieb auch die letzten 20 Jahre in mir.
Der Unterricht der Hamburger Ballettschule Circle of Movements findet in einem kleinen Rahmen statt, heute sind wir nur zu dritt, Mona, Jutta und ich. Zwei andere Anfängerinnen haben abgesagt. Umso besser, dann blamiere ich mich nicht vor großem Publikum. Mit 51 Jahren ist Jutta die Älteste. Auch sie erfüllt sich mit dem Ballettunterricht einen alten Mädchentraum.
Wir fangen mit den"Exercises" an. So nennt man die Aufwärmübungen an der Stange. Es geht vor allem um die Beugung und Streckung der Beine und der Fußgelenke. Wir stehen seitlich zur Stange und üben aus den unterschiedlichen Fußpositionen heraus. Von der ersten in die zweite, von der vierten in die dritte. Dann geht es in die Knie, in die so genannten "Pliés". Während wir uns bemühen, die Beine möglichst weit seitlich zu beugen, korrigiert Nina unsere Haltung. Vor jeder nächsten Übung zeigt sie uns kurz die Abfolge der Schritte, die wir dann zu klassischer Musik und mit einem Bruchteil ihrer Eleganz nachmachen. Also, die anderen machen nach. Ich versuche zumindest Beine und Füße richtig zu halten und den Rücken zu strecken. Meine Arme angeln derweil in der Luft nach imaginären Kirschen.
"Kein Hohlkreuz. Mona, nicht so schnell." Der Ton im Kurs ist ruhig und streng. Er sagt: "Ballett ist eine ernste Sache. Konzentrier dich." Ein bisschen fühle ich mich wie mit sechs Jahren, als ich zum ersten Mal das Ballettstudio Weidenfels besuchte und mir eine alte Dame namens Frau Klemka die Grundlagen sportlicher Disziplin zu vermitteln versuchte. Als unschuldige Erstklässlerin war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar, dass alte Damen mit grau melierten Haaren furchterregender sein können als fremde Männer, die einen auf der Straße ansprechen.
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- gerda
- 02.01.10
- 19:03
tja, endlich mal les ich etwas über ballettanfänger im fortgeschrittenen alter und bin begiestert. ich selber habe mit weit über 40 mit ballett angefangen, weil die anderen ballettmütter einfach ein bisschen mehr über ballett erfahren wollten, als sie von ihren töchtern erfahren konnten. es fehlte noch eine person, ok, sagte ich mir, abgemeldet biste schnell wieder. Und von der ersten stunde an war ich fasziniert. nach fast 10 jahren ballettunterricht unterrichte ich nun selbst kindergruppen in kindertanz (auf der basis von ballett) und es ist für mich ein geliebtes hobby geworden. ich kann nur jeden ermutigen, sich auch in fortgeschrittenem alter für tanz, egal welche richtung, zu interessieren und zu lernen, es lohnt sich immer. ich würde mich freuen, mich mit anderen tanzbegeisterten auszutauschen und wünsche ein gesundes und zufriedenes jahr 2010
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