Traumfigur dank Power-Plate?

Was ist dran am Wundergerät "Power-Plate"? BRIGITTE- Redakteurin Christine Hohwieler, gestresste berufstätige Mutter, nimmt sogar Kopfbrummen und Zähneklappern in Kauf, um ihren Körper in Rekordzeit in Form zu bringen.

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Meine Fitness-Biografie ist eine Geschichte des Scheiterns. In den letzten fünf Jahren habe ich einen Vertrag in einem Sportstudio abgeschlossen, die Claudia- Schiffer-DVD "Perfectly Fit 1+2" erworben, mich beim Yoga angemeldet und zwei Hanteln im Wohnzimmer deponiert. Dabei blieb es. Ich habe einen Beruf, einen Ehemann, zwei Kinder und eine Waschmaschine mit Sieben-Kilo-Trommel. Ich habe keine Zeit, um fit und muskulös zu sein. Aber ich wäre es so gern, seit etwa 30 Jahren träume ich von einer Art Bikinifigur - wenn ich nicht langsam damit anfange, brauche ich noch eine Lesebrille, um meine eigene Cellulite erkennen zu können.

Jetzt habe ich eine so genannte "Power- Plate". Leihweise, für einen Selbstversuch. Kann ein wohlgeformtes Fitnessgerät eine mäßig formschöne 41-jährige glücklich machen? In nur zweimal zehn Minuten pro Woche? Einfach nur draufstellen und sich straff schütteln lassen?

Der Erstkontakt mit der Power-Plate erweist sich als problematisch. Als ich an einem Montagabend von der Arbeit nach Hause komme, steht das Model "My5" auf dem Parkettboden in meinem Schlafzimmer. Groß. Weiß. Respekt einflößend. Ich schalte es an. Die Power-Plate brummt und vibiriert. Das Bett vibriert mit. Meine zweijährige Tochter fängt an zu weinen. Mein siebenjähriger Sohn schreit "Attacke!". Ich fühle mich, als hätte ich ohne Wissen des Vermieters ein sehr großes Haustier - sagen wir: einen brunftigen Hirsch - in die Wohnung geschmuggelt.

Ich stürze ins Treppenhaus und klingele bei den Nachbarn unter uns. Auch bei ihnen brummt es, außerdem wackeln die Scheiben. Am nächsten Morgen rufe ich beim Hersteller an. "Kein Problem", meint ein freundlicher Mitarbeiter, "wenn das Gerät auf einer Judomatte steht, wird die Vibration nach unten gedämpft. Wenn das nicht reicht, muss eine zwei Zentimeter dicke Stahlplatte drunter." Beides besitze ich nicht, also muss mein Mann ran. Er schafft die Power-Plate vom Schlafzimmer in die Küche, die ist gefliest und wackelfest.

Überhaupt reagiert der Mann auf meinen neuesten Fitness-Versuch sehr offen. Claudia Schiffer hat er damals peinlich berührt unter einem Stapel DVDs verschwinden lassen. Die Power-Plate hat er am Tag ihrer Ankunft gleich ausprobiert. Kannte er aus "Deutschland - ein Sommermärchen", da war die Fußball-Nationalmannschaft beim Power-Plate-Training zu sehen, und was irgendwie mit Fußball zu tun hat, kann so übel nicht sein.

An diesem Abend steige ich das erste Mal auf das Gerät. Ich gehe leicht in die Knie und drücke den Knopf für Kraft. Die Power-Plate wackelt los, und mein erster Gedanke ist: Hirnschaden. Mein Körper fühlt sich gut an, die Vibrationen gehen durch alle Gliedmaßen, ein bisschen kribbelig, sehr ungewohnt, aber gar nicht unangenehm. Nur mein Kopf, dem kann das nicht gut tun: Meine Zähne klappern, ich muss sie zusammenbeißen, meine Stimmbänder schlingern, als ich "Dahahas kahahann nicht gehehehesund seieiein" murmele, und nach den 30 Sekunden, die pro Übung einprogrammiert sind, mache ich mir ernsthafte Sorgen um meinen Verstand.

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  • BRIGITTE Heft 19/07
    Text: Christine Hohwieler, Melanie Grimsehl, Michaela Rose
    Fotos: S. Scardovelli
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