Traumfigur dank Power-Plate?

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Muss ich nicht, versichert mir Adrian Greiner, das sei alles eine Frage der Muskelanspannung und der richtigen Haltung, und die bringt er mir jetzt bei. Adrian Greiner arbeitet als Personal-Trainer, jeder neue Besitzer einer Power-Plate wird von einem Fitness-Coach eingewiesen, um Trainingsfehler zu vermeiden. Der Unterschied ist beachtlich: Jetzt merke ich zum ersten Mal, dass es hier um richtiges Muskeltraining geht. Adrian Greiner fragt mich nach meinem Trainingsziel - Bikinifigur, was sonst? - und stellt für die nächsten Wochen sieben Kraftübungen für mich zusammen, ergänzt durch vier "Massage"-Einheiten, mit denen das Gerät die Durchblutung ördert.

Obwohl jede Übung nur 30 Sekunden dauert und ich mit angespannten Muskeln in der vorgegebenen Stellung verharre, ohne mich groß zu bewegen, ist das Durchhalten überraschend anstrengend. Die Übungen im Stehen fallen mir zwar relativ leicht, zumal das Kopfbrummen deutlich nachlässt, wenn man die Beinmuskulatur ordentlich anspannt. Aber in Sit-up-Haltung mit dem Hintern auf einer vibrierenden Platte zu balancieren und mit leiernder Stimme einen knackigen Personal-Trainer auszufragen, erfordert ein Ausmaß an Bauchmuskeln und Selbstbewusstsein, das ich leider nicht habe.

Fitnessübungen sollte man als unfitter Mensch am besten ohne Zeugen machen. Was aber fast unmöglich ist, wenn man sie in der Küche eines Vier-Personen-Haushalts durchführen muss. Die Power-Plate erregt bei meinen Kindern gleichbleibende Begeisterung, sobald ich sie anschalte, sind sie da. Meine Tochter legt sich bei jedem Sit-up mit dem Ausruf "Helfen!" fürsorglich auf meinen Bauch, mein Sohn quetscht sich daneben und grölt Schüttelreime. Ich verschiebe meine Trainingseinheiten also auf abends, wenn sie schon im Bett sind.

Der Faktor Zeit war immer das entscheidende Handicap bei meinen Fitness- Ambitionen. Ich gehe gern laufen, das schaffe ich am Wochenende. An den anderen Tagen muss ich morgens die Kinder fertig machen, abends nach der Arbeit fehlte mir bislang die Kraft, mich zum Sport aufzuraffen. Außerdem fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit, das verbuche ich auch als Ausdauertraining, obwohl es bei meinem Tempo selbst Fußgängern unmöglich ist, mich nicht zu überholen. Die Frage, ob ich mit der Power-Plate auf Ausdauertraining nunmehr verzichten könne, hat mein Personal- Trainer leider verneint. Mal ganz abgesehen vom gesundheitlichen Nutzen, müsse man auf dem Weg zu einer Bikinifigur eben viel Fett verbrennen, und dafür brauche es auch zusätzliche Bewegung.

Zu meiner Überraschung kriege ich es hin. Obwohl es mich an manchen Abenden unglaublich viel Überwindung kostet, einen anstrengenden Arbeitstag plus anschließendem Abendessen mit überdrehten Kindern auf einem Fitness-Gerät ausklingen zu lassen. Ich schaffe es, weil es schnell vorbei ist. Die sieben Kraftübungen mache ich bald zweimal hintereinander, dann die Massage, das dauert maximal 20 Minuten, deutlich kürzer als laufen gehen. Ich muss mich nicht mal umziehen, um die Übungen zu machen, bequeme Kleidung ist völlig ausreichend, einmal stand ich sogar im Sommerkleid drauf, ging auch. Tatsächlich macht das Training auch deutlich mehr Spaß, als ich erwartet habe. Die Übungen sind anstrengend, aber nicht ermüdend, ich entwickle schnell eine Routine und merke, dass mir die Übungen von Mal zu Mal leichter fallen.

Aber wirklich entscheidend ist, wie ich mich hinterher fühle: sauwohl. Mal abgesehen von dem Muskelkater, den ich nach den ersten Übungseinheiten hatte, verspüre ich mit dem Training ein völlig neues Körpergefühl. Aufrechter. Kraftvoller. Beweglicher. Nichts, was mir vorher wirklich gefehlt hätte, aber seit es da ist, kann ich nur sagen: So ist es viel besser. Seit ich auf dem Gerät stehe, habe ich keine Rückenschmerzen mehr. Auch kein Problem, an dem ich vorher massiv gelitten hätte, aber mit einem zweijährigen Kind, das sich gern vom Kindergarten heimtragen lässt, hat man eben gelegentlich Rückenschmerzen. Irgendwann ist mir dann aufgefallen, dass sie weg sind. Super. Weg ist auch mein schlechtes Gewissen, das ständige Gefühl, nicht genug für mich zu tun, für meine Gesundheit, gegen den drohenden altersbedingten Muskelabbau und für meine Figur.

Meine Figur. Ja, auch die hat sich verändert. Ich stand kürzlich im Trägershirt bei einer Freundin am Bügelbrett, sie hatte sich den Arm gebrochen, und wie ich so vor mich hin bügele, kommt sie ins Wohnzimmer und sagt: "Wahnsinn, deine Oberarme, die sind ja total durchtrainiert." Stimmt, ich stehe selbst ständig vorm Spiegel und staune. Auch über meinen Bauch, der nach zwei Schwangerschaften eine muskelfreie Zone war und der jetzt wieder Konturen unter der Haut entwickelt hat. An meinen Oberschenkeln und am Po dagegen kann ich noch keinen nennenswerten Erfolg erkennen, aber vermutlich gibt es einen, nur dass der noch durch ausreichend Speck vor selbstverliebten Blicken geschützt ist.

Die Power-Plate hat auch Nachteile. Da wäre zum einen der Anschaffungspreis. Das Model "My5" kostet knapp 5000 Euro. Würde ich, wenn ich sie übrig hätte, so viel Geld für meine Eitelkeit ausgeben? Und natürlich stellt sich mir als Großstadtbewohnerin ohne Hobbykeller auch die Frage, ob ich meine Küche auf Dauer mit einem großen, brummenden Mitbewohner teilen möchte. Irgendwann in den nächsten Tagen werde ich mir wohl mal einen Bikini anziehen und dann ganz in Ruhe darüber nachdenken.

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  • BRIGITTE Heft 19/07
    Text: Christine Hohwieler, Melanie Grimsehl, Michaela Rose
    Fotos: S. Scardovelli
Letzte Kommentare
  • BRIGITTE.de-Team
    am 22.12.11 um 11:51
    Liebe susana,

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  • susana
    am 21.12.11 um 18:25
    Liebe Brigitte Leserinen,

    es ist sehr schade, dass man NUR die positiven Beiträge veröfentlich und der Rest gelöscht wird!!!

  • Lindi
    am 13.12.11 um 15:50
    Ich gehe jetzt seit 2 Monaten 2 x pro Woche auf die Power Plate. Habe mit Bandscheibenvorfall, Knie- und Schulter-OP meine Probleme. Ich wollte die PP zum Muskelaufbau nutzen. Habe in der Zeit zwar nicht abgenommen, die PP tut meinem Körper aber irre gut und meine Körperhaltung ist ganz anders geworden - viel straffer. Ich fühle mich auf jeden Fall gut, habe auch keinerlei Schmerzen, da der immer anwesende Trainer die richtigen Übungen für mich raussucht und die Ausführung beobachtet. Ich schwanke jetzt noch, ob ich Mitglied werde oder wieder in mein Sportstudio gehen soll. Mal sehen.
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