Drei Stunden Aerobic, ohne Pause - normalerweise ist man danach erledigt, sehnt sich nur noch nach einem heißen Bad und einem Bett. Nicht so Susanne, 30 Jahre alt. Die geht jetzt an die Kraftgeräte und stemmt Gewichte, eine Stunde lang. Oder sie stellt sich auf einen Stepper und trainiert mit der höchsten Schwierigkeitsstufe. Und dann fährt sie auch noch 30 Kilometer mit dem Rad. "Es gibt Tage, da bin ich einfach nur im Eimer", sagt sie. "Der Körper will zu Hause bleiben, der Kopf sagt: Nein! Mach weiter!" Ohne Training würde Susanne nämlich, wie sie einräumt, mittlerweile richtig "abdrehen".
Susanne ist süchtig, ihre Droge heißt Sport. Susanne ist kein Einzelfall, es gibt viele wie sie. In den amerikanischen Fitnessstudios haben sie längst einen Namen: "Permanent residents", ständige Bewohner, sagt man zu ihnen. Auch deutsche Studioleiter beobachten unter ihren Kunden solche Fitness-Maniacs, für die das Center zum zweiten Zuhause geworden ist. Die meisten sind Frauen. Noch gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen über die neue Zeitkrankheit Fitnesssucht. Experten meinen jedoch, dass die Zahl der Betroffenen wächst.
Fit und schlank gleich sexy, erfolgreich und glücklich?
Sport - eine Krankheit? Das klingt ungewohnt. Wird doch überall propagiert, dass Bewegung Spaß macht, gesund ist, Erfolgserlebnisse schenkt. Das stimmt ja auch. Und wer das Joggen anfängt oder sich in einem Fitnessstudio anmeldet, wird davon nicht gleich krank. Doch die Center sind zugleich eine ideale Arena für den Leistungs- und Körperkult unserer Zeit. Fit und schlank gleich sexy, erfolgreich und glücklich, wird uns suggeriert. Und so hängt bei immer mehr Frauen das Selbstwertgefühl vom Gewicht ab. Also auf zum Bodyshaping, Bodystyling, Bodybuilding, Body-Check!
Dieser ständige Kampf um den idealen Körper kann außer Kontrolle geraten, besonders bei Menschen, die anfällig sind für Essstörungen. Experten sprechen bereits von Sport-Bulimie und Sport-Anorexie (= Magersucht). "Die Kalorienanzeiger an den Fitnessgeräten verführen ganz schnell zu dem Gedanken: Klasse, jetzt habe ich mir gerade die Tafel Schokolade abgelaufen. Manchmal verselbständigt sich das Ganze, und man trainiert nur noch, um Kalorien zu verbrauchen", sagt Susanne. Bei der Sport-Bulimie wird jeder Fressanfall mit zusätzlichem Training "geahndet". Sport-Magersüchtige übertreiben es auch deshalb mit Aerobic und Laufen, weil sie glauben, weniger Gewicht bringe mehr Leistung (was nicht stimmt).











