Auch die Lust auf Sex wird abgestrampelt
Dr. Frauke Hofert, sportmedizinische Betreuerin im "Gym Sport Club Hamburg", sieht nicht weg, wenn ihr auffällt, dass eine Frau sich immer wieder überanstrengt oder deutlich zuwenig Körperfett hat. "Trainingsberatung und Body-Check im Studio sind wichtig. Aber wir müssen auch darauf achten, dass Sportlerinnen nicht die Kontrolle verlieren und in die Magersucht abrutschen. Denn die Betroffenen selbst können diese Grenze oft nicht wahrnehmen."
Die Ärztin zieht solche Frauen behutsam ins Gespräch und informiert sie über die Risiken von zuviel Sport. Sie sagt ihnen, dass sie auf Dauer nicht nur Fett verlieren, sondern auch Muskeln. Dass sie sich bald nicht mehr leistungsfähig, sondern schlapp fühlen werden. Dass sie Pickel und Falten bekommen können und dass man sich auch die Lust auf Sex geradezu "abstrampeln" kann.
Den Leistungswillen aufs Abnehmen übertragen
So ein Gespräch zur richtigen Zeit hätte vielleicht auch Sandra geholfen. Bis zu ihrem 25. Lebensjahr war sie Hochleistungssportlerin im Alpin-Ski. Sie trainierte Tag für Tag bis zur Erschöpfung, lief mit Gipsarm, mit einem kaputten Meniskus, mit Schnupfen oder Bänderzerrungen. Bis eine Hüftoperation ihre Sportkarriere beendete. Das war die Wende. Innerhalb von sechs Monaten hatte sie eine ausgeprägte Magersucht: "Ich übertrug meinen krankhaften Leistungswillen ganz einfach auf das Abnehmen." Heute lebt Sandra in einer therapeutischen Wohngruppe. Fitnesstraining ist für sie zur Zeit verboten. Als angehende Ärztin kennt sie die Hintergründe ihrer Krankheit sehr genau und hat den festen Willen, gesund zu werden. Doch wenn sie mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, versucht sie immer noch, jeden Tag eine Sekunde schneller zu sein. Dabei wünscht sie sich nichts sehnlicher, als den Zwang zu überwinden: "Irgendwann möchte ich fähig sein, beim Radfahren die Vögel zu hören. Irgendwann möchte ich einfach nur den ruhigen Rhythmus des Tretens genießen können. Ohne den schwersten Gang einlegen zu müssen."
Anlaufstellen, die weiterhelfen
Regionale Beratungsstellen, z.B. für Essgestörte (Telefonbuch).













