Das erste Mal sah ich sie an einem Sonntagnachmittag an der Hamburger Alster: ein Badminton-Netz, ein paar Männer und Frauen mit bunten Schlägern. Auf den ersten Blick wirkte es wie neue Variante von Tennis oder Federball. Aber wie sie es taten! Mit weichen, fließenden, eleganten Bewegungen schwangen sie ihre Rackets, konzentriert und sehr aufeinander bezogen. Nur für kurze Zeit glitt der Ball durch die Luft, um dann auf unbegreifliche Weise am Schläger kleben zu bleiben und in kreisförmigen Bahnen um die Mitspieler zu ziehen. Das kleine Spektakel machte neugierig, und ich wusste sofort: Das will ich auch.
Der neue Trendsport aus China heißt Taiji Bailong Ball. Tai-Chi hatte ich schon mal probiert. Es fühlte sich sehr gesund an - und sterbenslangweilig. Der Taijiball-Kurs beginnt dann leider genauso. Xiaofei Sui, unser Trainer, holt uns in einen Kreis, lässt uns Aufwärm-, Dehn- und Lockerungsübungen machen. Alles dreht sich hier um den Kreis. Wir nehmen einen halb mit Sand gefüllten Tennisball, lassen die Arme kreisen, lockern die Schultern, werfen und fangen. Dann kommt das Racket dazu und die Bewegungen, die uns Xiaofei mit einem Ziffernblatt erklärt: "Wir fangen den Ball auf elf Uhr!" Wir lernen die Zentrifugalkraft nutzen, während Schläger und Ball in großen Bögen um uns herum schwingen. Es dauert noch, bis wir uns die ersten Bälle gegenseitig zuspielen.
In China tun es schon zwei Millionen. Dort wurde das Spiel in den 90er Jahren von dem Sportprofessor Bai Rong erfunden. Xiaofei Sui, der als Sohn chinesischer Mediziner in Hamburg aufwuchs, lernte es im Gesundheitszentrum seiner Eltern kennen. Und war fasziniert: Ball und Schläger, so glaubt er, erleichtern uns Westlern den Zugang zur fernöstlichen Bewegungskunst. Weil wir immer etwas bewegen und im Wettbewerb stehen wollen.













