Lauftraining: Vier Laufbiografien

Vier Frauen und ihre ganz persönliche Laufbiografie. Und die besten Tipps fürs Lauftraining von der Sportmedizinerin Christine Graf.

In diesem Artikel:

Die Gesundheitsorientierte

Melanie Brümmer, 35, Architektin

Ihr Einstieg
Ein lockerer Wechsel zwischen Laufen und Gehen, ganz nach Gefühl. Die Initialzündung: eine Thrombose in der Wade vor gut einem Jahr. Davor hatte Melanie fünf Jahre keinen Sport gemacht, jetzt war klar: Sie muss etwas ändern. Ihre Anfangsstrecke: 3,5 Kilometer. Einen Monat dauert es, bis sie die Distanz ohne Pause durchhält. "Das war der Durchbruch", sagt Melanie. "Ab da hat es richtig Spaß gemacht."

Sie läuft zweimal die Woche, steigert sich Schritt für Schritt, schafft nach drei Monaten die 8 Kilometer um die Außenalster in Hamburg. "Ich habe Luftsprünge gemacht, hätte die ganze Welt umarmen können. Und das Beste: Es war gar nicht so schwer, wie ich immer dachte.Das tolle Gefühl wollte ich danach nicht mehr loslassen."

Der größte Knackpunkt
Den ersten Monat durchzuhalten. "Ich habe es früher schon öfter mit Laufen versucht, fand es aber immer nur anstrengend, habe schnell wieder aufgegeben. Was mir nicht klar war: Bevor Laufen so richtig guttut und entspannt, muss ich eine Zeit lang die Zähne zusammenbeißen." Ihre Motivationshilfe diesmal: ein Nachbar, der gerade für einen Marathon trainiert, immer wieder klingelt und sie zum Laufen mitnimmt. Zudem hört sie mehr auf ihren Körper, schaltet konsequent einen Gang runter, wenn die Puste fehlt, läuft langsamer los, um kein Seitenstechen zu bekommen.

Das hat das Laufen verändert
Die Sorge um ihre Gesundheit ist inzwischen ganz weg. "Ich fühle mich mehr zu Hause in meinem Körper, und ich habe ganz nebenbei zwei, drei Kilo abgenommen, einen knackigeren Po bekommen ", sagt Melanie Brümmer. "Und: Beim Laufen kriege ich Abstand zum Alltag, kann mich sammeln. Das bringt mich privat und beruflich auf viele gute Ideen."

Das sagt die Expertin

Dranbleiben lohnt sich! Es dauert oft etwa vier bis sechs Wochen, bis man sich ans Laufen gewöhnt hat - dann fällt es plötzlich leichter. Ganz wichtig ist, langsam zu starten. Wer aus der Puste kommt, überfordert sich, statt eine solide Grundlagenausdauer zu schaffen - die aber ist die Basis für langfristigen Erfolg. Um das richtige Tempo zu finden, reicht es, bewusst auf seinen Körper zu hören: Sind Atmung und Herzschlag etwas beschleunigt, ist man im grünen Bereich. Kann man nicht mehr richtig sprechen, ist man zu schnell. Wer schon eine Weile dabei ist und sich steigern will, sollte ab und an das Tempo verschärfen, Zwischensprints und locker laufen im Wechsel.

Der Körper wird so leistungsfähiger. Was das Thema Laufpartner betrifft: Es ist tatsächlich nicht entscheidend, ob man das gleiche Leistungsniveau hat - auch ein Marathonläufer wie Melanies Nachbar muss hin und wieder locker trainieren. Was man jedoch für sich klären sollte: Frustriert mich das eher, wenn jemand besser ist - oder spornt es mich sogar an?

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  • Protokolle und Text: Tanja Reuschling
    Fotos: Max Missal
    Ein Artikel aus der BRIGITTE BALANCE 02/09
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