"So, und jetzt galoppieren wir. Monika, willst du auch?" Ich schlucke. Heute ist meine siebte Reitstunde und mir scheint der Boden weiter weg denn je. Ich reite auf Gina. Zum ersten Mal. Das Pferd und ich, wir kennen uns noch nicht. Ich vermute, Gina weiß, wie man galoppiert - ich nicht.
Typisch Anfänger! Die Zügel sind zu lang, die Absätze zu hoch.
Obwohl, eine grobe Vorstellung davon habe ich. Meine erste, nicht ganz freiwillige Einführung in die Kunst des Galoppierens hat mir Rico in meiner dritten Stunde gegeben. Ausgerechnet Rico, das Pferd, das ich schon mal 20 Minuten angetrieben habe, ohne das es sich auch nur einmal dazu bequemte, vom Schritt in den Trab zu fallen. Das Pferd, dem ich die Schmach verdanke, die Horst Stern (siehe Buchtipp) so formulierte: "Es gibt in der ganzen Reiterei keinen trostloseren Anblick als einen Anfänger, der sich vergeblich quält, ein Pferd in Gang zu bringen".
An der Longe und mit mir auf dem Rücken hatte Rico keine Lust zum Traben - soviel war klar. Nur: Mich wurde Rico so schnell nicht los. Dafür aber die Longe. Wir versuchten es ohne. Sichtlich befreit trabte das Pferd los.
Würdeloser Abgang
"Oberkörper zurück, Fersen tiefer!" Während ich versuchte, den Anweisungen der Reitlehrerin zu folgen, beschloss Rico, dass er vom Traben genug hatte und sprintete los. Zu meinem ersten Galopp. "Zügel anziehen!", hörte ich noch. Zügel anziehen? Unmöglich. Ich brauchte meine ganze Konzentration, um nicht vom Pferd zu fallen. Nach ein paar unendlich langen Sekunden hatte die Reitlehrerin Rico gestoppt. Wir standen. Das heißt, Rico stand, ich hing. Meine Füße waren aus den Steigbügeln gerutscht und ich rutschte langsam, Zentimeter für Zentimeter, dem Boden entgegen. Würdelos und ganz und gar unsportlich.
Da saß ich nun auf dem Boden der Tatsachen, in der Novemberkälte und dem Kunstlicht der Reithalle – und ziemlich weit entfernt von den schönen Bildern in meinem Kopf, dem federleichten Galopp über Sommerwiesen und Felder... "Und jetzt gleich wieder rauf aufs Pferd!" hörte ich noch die Stimme der Reitlehrerin.
Pferdeverliebt wie eine Zwölfjährige
Die Reiterin muss noch üben, das Pferd hat seine Sache gut gemacht. Gelobt wird mit Klopfen.
Trotz der Startschwierigkeiten: In den weiteren Stunden machte sich in meinem Gesicht immer häufiger ein seliges Grinsen breit. Zum Beispiel in den seltenen Momenten erfolgreichen Leichttrabens. Wenn Rico seine Kurven zog, und ich mich, angepasst an den Rhythmus seiner Beine, aus dem Sattel drückte und wieder hinsetzte und alles auf einmal richtig harmonisch schien. Dass Rico weniger auf meinen Schenkeldruck und vielmehr auf das Schnalzen der Reitlehrerin hörte, war mir egal.
Trotz der Wadenkrämpfe und der aufgeriebenen Kniekehlen durch die Reitstiefel (O-Ton einer erfahrenen Reiterin: "Das ist normal bei neuen Stiefeln"), und trotz meiner festen Überzeugung, dass meine Füße niemals festen Halt in den Steigbügeln finden werden, verhalte ich mich inzwischen wie eine pferdeverliebte Zwölfjährige: In meiner Wohnung hängt tatsächlich neuerdings ein Pferdekalender, auf dem Markt kaufe ich als erstes Möhren für die Pferde (ein bisschen Bestechung kann schließlich nicht schaden), und meine Freizeit würde ich am liebsten nur noch im Stall verbringen.
Kneifen gilt nicht
Zurück zu Gina und meinem ersten offiziellen Galoppversuch. Meine beiden Mitreiter hatten ihre Galopprunden bereits hinter sich. "Und?" fragt die Reitlehrerin und blickt mich aufmunternd an. Kneifen wäre blöd, vor den anderen und vor ihr, die gerade mal 16 ist und das Geschehen locker im Griff hat. Ich schlucke. "Was muss ich tun?"
"Erst traben, dann das äußere Bein nach hinten anwinkeln und das Pferd antreiben", kommt ihre Antwort. Aber das Pferd weiß auch so, was zu tun ist. Noch ehe ich irgendein Bein irgendwohin anwinkeln kann, galoppiert Gina los. Ich spüre die Kraft und die Energie, die in ihr steckt. Wenige Sekunden nur, dann hält sie an. Ich bleibe im Sattel und bin glücklich. Alles andere kommt später.















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am um
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Julia
am 04.02.13 um 15:18
@Monika Krämer:
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Sabine
am 30.12.12 um 18:20
"Alles Glück de Erde liegt auf dem Rücken der Pferde", ist mir mi 33 Jahren bewußt geworden.
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Alexander Fromm
am 24.06.12 um 23:31
Also für mich ging es ja hier darum das Reiten nur was für kleine Mädchen sei. Da muss ich mal intervenieren! Ich bin männlich und habe erst mit 42 Jahren mit dem Reiten begonnen. Das ist jetzt 4 Jahre her. Selbst heute bin ich noch begeisterter Reiter und Zwei bis Dreimal in der Woche sitze ich auf dem Pferd. Also wer im Alter noch Reiten lernen möchte, dem kann ich nur empfehlen tut es. ;)
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Monika Krämer
am 24.05.12 um 00:58
So einen Anfängerunterricht, wie hier beschrieben, sollte es eigentlich nicht mehr geben. Das ist unverantwortlich und fahrlässig (auch wenn nichts passiert ist). Guter Einsteigerunterricht für Erwachsene ist ein Spezialgebiet, den nur wenige Reitschulen anbieten können. Longenunterricht ist effizient für Fortgeschrittene, für Anfänger lehnt sie z.B. der Sportwissenschaftler Eckart Meyners ab. Einfacher ist der Einstieg in einer doppelt eingezäunten kleinen Ovalbahn. Auf speziell geschulten Einsteigerpferden können auch Anfänger schon früh unter Aufsicht ins Gelände. Der beste Einstieg: Ein Kompaktkurs von 7-9 Tagen an einer guten Basisreitschule und erst anschließend eine Reitschule vor Ort suchen. Was ein moderner Basisunterricht bringt, s. z.B. BB-Methode der Reitschule Reken, es gibt inzwischen mehrere Schulen, die ähnlich ausbilden. Horst Stern ist ein wunderbarer Kult-Autor, aber didaktisch längst überholt. Sorry, der Artikel war schlampig recherchiert, auch 2007.
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Maribelle
am 25.01.12 um 13:44
Ich habe kürzlich wieder mit dem Reiten angefangen, nach 18 Jahren Pause, und habe heute abend wieder eine Reitstunde. Es ist wirklich ungewohnt und der Muskelkater vorprogrammiert. Aber es macht auch soviel Spaß und ich bin glücklich den Schritt gewagt zu haben.
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Hartmut Luther
am 30.07.11 um 13:30
Es gibt auch alternative Reitschulen die nicht nur englisch oder western ausbilden sondern für gehobenes Freizeitreiten . So z.B. Soft Horse Riding bei Bamberg, Nürnberg. Hier wird stressfrei und ohne Wadenkrampf ausgebildet. Ein lockeres System was auf der Freizeitreiter Akademie nach Claus Penquitt beruht. Entspanntes schönes Reiten, für Erwachsene und Jugendliche. MFG
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flower
am 20.07.11 um 15:27
man braucht nicht unbedingt stiefel für 200-300€, es gibt auch schon gute ab 60€. Außerdem gibt es auch sog. minichaps, eine art reitgamaschen, die man zusammen mit stiefeletten anzieht. Das ist häufig auch noch etwas günstiger. als anfänger braucht man keine reithose mit volllederbesatz oder eine die gar komplett aus leder ist. es gibt auch welche aus stoff mit stoff- oder kunstlederbesatz, die gibt's dann so ab 30€. für den anfang reicht das allemal!!! und mit etwas glück gibt es alles noch etwas günstiger
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Beautyhorses
am 22.04.09 um 20:42
Anmerkung:
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Suselsu
am 13.02.09 um 00:22
Drei Anmerkungen:
mehr (9)Ihrem Kommentar kann ich nur zustimmen! Mir lief es beim Lesen des Textes von Frau Herbst doch etwas eiskalt den Rücken runter... So lernt man höchstens "irgendwie oben bleiben", aber nicht Reiten. Horst Stern würde ich heute auch niemandem mehr empfehlen. Und wer hat Frau Herbst bloß direkt zum Kauf von Lederreitstiefeln geraten?!
Die Reiterei ist nicht nur was für kleine Mädchen oder erwachsene Frauen sondern auch was für Starke Typen wie mich. Ich (m,40), schätze die kommunikation mit Pferden und Pferde lehren mich was es bedeutet, sich gleichzeitig, gegenseitig zu lieben und zu respektieren.
Beim Westernreiten kann auch mit zwei Händen am Zügel geritten werden, es gibt verschiedene Arten des Westernreitens bei denen entweder mit beiden Händen oder einhändig geritten wird. Die Aussage, dass Westernpferde im Schritt und im Trab langsamer als andere Pferde laufen ist schlichtweg falsch. Jedes Pferd ist (in gesundem Zustand) in der Lage, die Gangarten zu verstärken, die Rasse oder Reitweise spielt dabei überhaupt keine Rolle (es gibt doch auch in Afrika gute Fußballspieler, oder?).
Außerdem ist es uwahrscheinlich, dass sich ein Reitanfänger gleich Reitausrüstung für 200 Euro kauft, es gibt durchaus preiswertere, qualitativ sehr hochwertige Reithosen, -stiefel, -helme, -handschuhe, etc.
Reithosen gibt es ab 10 Euro (allerdings nur mit Knielederbesatz, für Anfänger aber nicht relevant), Gummireitstiefel ab 15 Euro.
Umschauen und abwarten lohnt sich, schließlich hält man die ersten Reitstunden auch mit Fahrradhelm und Gummistiefeln aus ;)
MfG