Wintersport
Skifahren - mit der richtigen Technik

Skifahren lernen ist dank der drehfreudigen Carving-Ski einfacher geworden. Mit ein paar Technik-Tricks vermeidet ihr häufige Fehler und fahrt eleganter und sicherer.

Foto: Everett Collection/shutterstock

Der erste Skiurlaub steht an - und damit auch die Aufgabe, Skifahren zu lernen. Damit diese Mission glückt, benötigt ihr diese Zutaten: eine gehörige Portion Mut, die passenden Carving-Ski und Stöcke sowie die richtige Skitechnik. Letztere lernt ihr am besten in einem Skikurs.

"Früher benötigten Anfänger mindestens eine Woche Skikurs für den Einstieg, heute reichen oft schon zwei, drei Tage", sagt Max Holzmann vom Deutschen Skilehrerverband. Früher, das war, als die Skifahrer noch mit langen, schmalen und untaillierten Brettern unterwegs waren. Ende der neunziger Jahre haben sich die deutlich kürzeren, breiteren und taillierten Carving-Ski durchgesetzt und inzwischen auch die noch breiteren und vorne und hinten noch stärker nach oben gebogenen Rocker-Ski.

Carving- und Rocker-Ski sind einfacher zu fahren, da sie sich in den Kurven leichter drehen. Das führt bei Anfängern allerdings oft dazu, dass sie ihr Können überschätzen. "Viele fahren zu schnell, ohne dass sie wirklich sicher bremsen und ausweichen können", sagt Max Holzmann über die Fahrtechnik einiger Skifahrer. Messungen haben ergeben, dass das Tempo auf den Pisten in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren deutlich zugenommen hat. Umso wichtiger ist die richtige Technik beim Skifahren.

Die häufigsten Fehler und die richtige Technik beim Skifahren

  • Da hakt's: Die Kanten werden nicht oder zu wenig eingesetzt.
    So läuft's: Die Carving-Technologie hat einen Haken: Die modernen Carving-Ski sind so drehfreudig, dass eine leichte Oberkörperrotation oft ausreicht, um eine Kurve zu fahren. Doch das ist nicht Sinn der Sache: Ein guter Skifahrer kantet beim Kurvenfahren. Dafür Sprung-, Knie- und Hüftgelenk nach innen zur Kurvenmitte kippen. Durch den Einsatz der Skikanten steuert man die Ski aktiv und behält Tempo und Richtung im Griff. Eine Fahrtechnik, die insbesondere auf Eisflächen, weniger im Tiefschnee, wichtig ist.
  • Da hakt's: Oberkörper und/oder Arme rotieren in der Kurve.
    So läuft's: Wer die Kraft zum Drehen aus dem Oberkörper oder aus den Armen holt, belastet Hüfte und Wirbelsäule unnötig. Ziel ist es, den Oberkörper ruhig, gerade und stabil talwärts gerichtet zu halten. So als würde man ein Tablett vor sich hertragen, von dem nichts runterfallen soll. Nur die Beine bewegen sich (Fuß- und Kniegelenk) beim Skifahren, die Arme nutzt ihr lediglich zum Einsatz der Stöcke. Ihr fahrt damit ökonomischer und stabiler. Generell gilt: Die Gelenke, die den Carving-Ski am nächsten sind, arbeiten am effektivsten. Wenn Skifahrer diesen Grundsatz der Fahrtechnik beachten, erzielen sie mit minimalem Einsatz maximalen Nutzen - und haben am Abend noch Energie für einen Einkehrschwung in der Schnee-Bar.
  • Da hakt's: Der Außenski rutscht in der Kurvenausfahrt weg.
    So läuft's: Der Außenski rutscht vor allem auf harten und eisigen Pisten gerne nach außen weg. Das hilft: Statt beide Beine beim Skifahren gleich zu belasten, in der Kurvenausfahrt den Außenski stärker belasten und aktiv innen kanten. Dann habt ihr alles wieder im Griff.
  • Da hakt's: Ihr habt Rücklage nach der Kurve.
    So läuft's: Wer sich nach einer Kurve in der Rücklage wiederfindet, hat ein Problem: Er verliert die Kontrolle über die Carving-Ski. Das hilft: Bei der Kurveneinfahrt geht es in der Falllinie den Berg hinunter. Um das auszugleichen, muss der Skifahrer den Körper aktiv nach vorne bewegen. Ziel: immer mittig über dem Ski bleiben. So lange ihr den Druck des Schuhs am Schienbein spürt, ist die Skitechnik richtig.
  • Da hakt's: Der Beinabstand stimmt nicht.
    So läuft's: Die Beine sollen maximal hüftbreit geöffnet sein. Optimal ist die Beinstellung, wenn zwischen die beiden Ski eine Hand passt. Skifahrer neigen anfänglich dazu, die Beine zu weit zu öffnen. Wer Skifahren noch nach der alten Technik gelernt hat, hält die Beine dagegen oft zu eng zusammen ("Wedeln"). Beide Haltungen verhindern eine optimale Gewichtsverteilung und erschweren das Kanten. Ein neuer Skikurs im nächsten Skiurlaub könnte euch zeigen, wie die optimale Fahrtechnik aussieht.
  • Da hakt's: Falsche Beinbelastung im Tiefschnee.
    So läuft's: Mit dem richtigen Material (breiteren All-Mountain- oder Freeride-Skiern) ist Tiefschnee-Fahren richtig einfach. Die breiteren Ski werden vom Schnee nach oben gedrückt, sie "schwimmen auf", das erleichtert das Drehen. Trotzdem gibt es im Tiefschnee eine Besonderheit beim Skifahren: Die Beine werden in der Kurve möglichst gleichmäßig belastet. Der Körperschwerpunkt liegt etwas weiter hinten. Aber Vorsicht: Die Betonung liegt auf etwas. Der Körperschwerpunkt bleibt dabei nahezu in der Mitte. Wird er zu weit nach hinten verlagert, sinken die Ski hinten zu stark ein. Kurvenfahren und Drehen wird dadurch schwerer und anstrengender.
  • Da hakt's: Zu wenig Beinbewegung in der Buckelpiste.
    So läuft's: In der Buckelpiste muss man beim Kurvenfahren umdenken. Auf der normalen Piste strecken wir die Beine zum Kurvenwechsel. In der Buckelpiste beugen wir dagegen die Beine und drehen gleichzeitig, wenn wir auf einen Buckel fahren. Dieses Anziehen der Beine muss deutlich ausgeführt werden, um den Buckel auszugleichen. Vor allem, wenn die Buckel auf einer vielbefahrenen Piste im Laufe des Tages immer höher und damit schwieriger zu fahren sind.
  • Da hakt's: Die Skiausrüstung ist nicht in Schuss.
    So läuft's: Der Trend geht zur Leihausrüstung und damit fährt man in der Regel gut. Bei eigenem Material gilt laut Skifahrer Max Holzmann: "Spätestens nach einer Woche Skifahren sollte man Belag und Kanten neu präparieren lassen." Die Bindung sollte zudem immer auf das aktuelle Körpergewicht eingestellt sein. Im Sportgeschäft oder im Skikurs kann der Skifahrer sein Material checken lassen.
  • Da hakt's: Untrainiert auf die Piste.
    So läuft's: Fürs Skifahren benötigt man Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Ideal zur Vorbereitung sind Nordic Walking oder Jogging, kombiniert mit Skigymnastik. Je besser trainiert ihr in den Skiurlaub startet, desto lässiger fahrt ihr die Pisten runter. Und keine Angst vor aufwändigem Training: Nur zehn Minuten Skigymnastik am Tag bringen schon viel. Wenn es mit dem Training trotzdem nicht geklappt hat: Lasst es im Skiurlaub langsam angehen, beginnt mit einfachen Abfahrten und plant über den Tag mehrere Pausen ein.
  • Da hakt's: Ausschlafen und den Tag gemächlich beginnen.
    So läuft's: Ihr könnt gerne die Erste beim Après-Ski sein - so lange ihr auch die Erste am Lift seid. Nach Betriebsbeginn sind die Pisten perfekt präpariert. Es gibt keine Eisplatten. Diese perfekten Bedingungen solltet ihr nutzen.
  • Buchtipp zum Weiterlesen
    Hier findet ihr die wichtigsten Tipps zur richtigen Technik beim Skifahren für vier Könnensstufen, vom Einsteiger bis zum Experten: "Skifahren einfach. Der DSLV-Lehrplan." BLV-Verlag, ca. 25 Euro.
  • Text: Monika Herbst

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