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Zack, drei, vier Handgriffe, noch zwei Mal ordentlich mit den Füßen abdrücken und schwups ist man lässig wie Spiderman oben. So einfach wirkt es, wenn man den Profi-Kraxlern von unten zuschaut: wunderbar leicht. Doch als ich vor der mächtigen Wand stehe, mit dem Gurt um Hüfte und Beine, in Schuhen, die mir gefühlte sieben Nummern zu klein sind ("dadurch hat man besseren Halt"), sieht es plötzlich ganz anders aus. Nämlich unmöglich. Geradeauslaufen bekomme ich ganz gut hin, aber vertikal?
Die Muskeln zittern wie ein Presslufthammer
Gesichert werde ich durch ein Seil, das oben am Ziel in etwa acht Metern Höhe durch einen in die Wand eingelassenen Haken läuft. Ein Ende des Seils ist mit meinem Gurt verbunden, das andere hat Trainer Alejandro fest in der Hand. Beim Klettern ist man immer zu zweit. Einer kraxelt, einer sichert am Boden.
Ich trete mit dem rechten Fuß auf den lila Hartplastikbrocken, der an die Wand geschraubt ist, und halte mich mit den Händen an zwei Griffen fest. Ziehe mich langsam hoch, suche mit dem Fuß den nächsten Halt, drücke mich ab und gewinne an Höhe. Ha, wer sagt's denn? Es ist einfach! Dann klebe ich plötzlich wie ein Ypsilon mit weit gespreizten Armen etwa vier Meter über dem Boden am Kunstfelsen und kann partout keinen Halt für den nächsten Tritt finden. Meine Beine fangen vor Anstrengung an zu zittern, als hätte ich statt Gurt einen Presslufthammer umgeschnallt.
Die Hände schwitzen und verlieren allmählich ihren Griff
"Rechts, etwa auf Hüfthöhe", ruft der Trainer von unten. Auf Hüfthöhe? Wenn ich eine Schlangenfrau wäre, würde ich sicher nicht hier am Fels kleben, sondern mich gerade in irgendeinem chinesischen Zirkus zu einem Knäuel zusammenrollen. Wie bitte soll ich mich aus der Ypsilon-Haltung entgegen jeglicher Schwerkraft in ein verkrüppeltes K umformieren? Mir bleibt keine Wahl. Denn inzwischen zittern auch meine Arme, vor Anspannung und vor allem vor Angst zu fallen. Was, wenn das Seil reißt oder der Trainer unten pennt? Ich versuche das rechte Bein in die Höhe zu ziehen. Keine Chance. Zu hoch.
Meine Hände schwitzen und verlieren allmählich ihren Griff. Viel Zeit bleibt mir nicht mehr, also schwinge ich beherzt das Bein ein zweites Mal nach oben, verfehle den Plastikklumpen, rutsche ab und baumele den Bruchteil einer Panik-Sekunde später in der Luft. Am Seil. Sicher in der Hand meines Trainers. Mein Herz baumelt ebenfalls auf Höhe des Trainers, so weit runter ist es mir gerade gerutscht. Doch nur ganz kurz, denn jetzt weiß ich: Es kann nichts passieren. Abrutschen ist nicht schlimm. Man muss nur vertrauen. Dem Seil, dem Kletterpartner. Ich schaukele noch etwa eine Minute über dem Boden, um mich wieder zu beruhigen und das Adrenalin-Inferno zu zügeln – und will dann nur noch zurück. An diese Wand, will diesen Tritt schaffen, will nach oben. Versuche einen anderen Weg und schaffe es tatsächlich. Ich bin oben, meine Finger sind taub, meine Arme zittern, ich bin glücklich, bin kaputt – und noch lange nicht fertig.
Das Abseilen ist eine weitere Herausforderung. Wie heißt es so schön: What goes up, must come down. Aber wie? Ich soll mich mit meinem ganzen Gewicht in den Gurt setzen, meinen Griff lösen, loslassen. Hört sich einfach an, kostet aber ordentlich Überwindung. Niemand gibt gern die Kontrolle über sich ab, vor allem nicht in acht Metern Höhe an kleine Riemchen rund um den Hintern. Aber auch das meistere ich und lasse mich triumphierend abseilen. Sicher nicht zum letzten Mal.
Fazit
Klettern macht unglaublichen Spaß – aber erst, wenn man die Angst vorm Fallen überwunden und gelernt hat, dem sichernden Partner zu vertrauen. Dann stehen Endorphin-Kick und Adrenalin-Rausch nichts mehr im Wege. Es macht extrem glücklich, durch Konzentration, Kraft und den Kampf gegen viele, viele Schweinehunde endlich oben anzukommen.














auch wenn es oberlehrerinnenhaft wirkt, es gibt einen Unterschied beim Klettern zwischen Abseilen und Ablassen. Im Bericht geht es um das 'Ablassen', also die Kletterin wird vom Sicherungspartner am Seil langsam abgelassen. Beim selbständigen 'Abseilen' hat man alles alleine in der Hand und ist für sich selbst verantwortlich. Bevor der oder die Kletterin oben angekommen ist, sollte man sich vorher verständigt haben ob Ablassen oder Abseilen gemeint ist. Bei Toprope wird der Kletternde in der Regel abgelassen, da es schnell und einfach geht. Klettern ist durchaus ein Sport bei dem Mißverständnisse gefährlich sein können. Trotzdem oder gerade deswegen kann ich das Suchtpotenzial bestätigen.