Boah, ist das schnell. Dabei habe ich den kleinen Ball doch kaum berührt! Trotzdem rast er mit einem Affenzahn an meinem Mitspieler vorbei, prallt an der gegenüberliegenden Wand ab und fällt mit einem traurigen "Plopp" zu Boden. Hatte ich vorher nicht noch laut getönt, dass dieser Sport für mich als langjährige Badminton-Spielerin kein Problem sein würde? Im Moment sieht es ganz anders aus.
Es ist Freitagabend und ich bin zu Gast bei Elbspeeders e.V., dem ersten Hamburger Speedminton-Club. Der Verein ist jung, genau wie die Sportart, die vor rund sieben Jahren in Berlin erfunden wurde. Ursprünglich war Speedminton mit seinen windstabilen Bällen als Funsport für Strand und Straße gedacht. Aber da die Spieler im Winter ungern auf ihr Hobby verzichten, treffen sie sich inzwischen auch "indoor". Selbst hier, im miefigen Turnhallen-Ambiente, merkt man dem Sport seine hippe Kreuzberger Herkunft an. Ein zorniger Piranha ziert das Vereinslogo am Eingang, die Ausrüstung leuchtet in schrillen Farben, die Bälle nennt man hier "Speeders" und die Schläger "Speedrackets". Und natürlich wird nicht einfach gespielt, sondern "gespeedet".
Ganz klar, Geschwindigkeit ist hier Programm.
Das gilt auch schon fürs Einspielen. Paarweise haben wir uns in der Turnhalle verteilt, und um mich herum zischen die Bälle so schnell, dass ich nur noch neonfarbene Streifen sehe. Auch mein Gegenüber, Hans-Joachim, legt los, als gelte es einen Weltrekord zu brechen. Nachdem ich den Ball ein weiteres Mal ins Nirvana der Halle befördert habe, versuche ich, mich besser zu konzentrieren. Flache, kurze Schläge, hatte Elbspeederin Kerstin Klante zuvor erklärt. Bloß nicht zu weit ausholen. Das kenne ich. "Drive" nennt man diese Schlagtechnik beim Badminton. Na, geht doch gleich viel besser! Nach wenigen Minuten habe ich den Speeder endlich unter Kontrolle, und kann Hans-Joachim auf seine Schläge entsprechend antworten. Zack, nimm den. Und den! Hans-Joachim hechtet - doch der Ball landet vor seinen Füßen. Respektvoll hebt er den Daumen.
Als Kerstin Klante in der Pause auf mich zukommt, strahle ich sie an. "Ja, das ist das Schöne am Speedminton - man kommt sehr schnell rein ins Spiel, egal, ob man vorher Badminton, Tennis, Squash oder gar nichts gespielt hat", sagt sie. Hans-Joachim nickt. Er war früher Tennisspieler und hatte 20 Jahre lang keinen Schläger in der Hand. Heute "speedet" der 47-Jährige erst zum zweiten Mal - und ist schon abhängig.
Nun wird es spannend. Mit leuchtenden Bändern markieren die Elbspeeders die Felder auf dem Hallenboden. Anders als beim Tennis oder Badminton spielt man nicht über ein Netz, sondern steht sich in zwei Quadraten gegenüber, die 12,8 Meter voneinander entfernt sind. 12,8 Meter - wie viel das wirklich ist, merke ich, als ich mich in einem der Felder platziere. Hat jemand mal ein Fernglas? Genauso gut könnte ich versuchen, vom Hamburger Fernsehturm aus eine Briefmarke zu treffen.
Die nächsten Minuten verbringe ich vor allem damit, Speeder aufzusammeln und mich bei meinen Feldnachbarn für die Querschläger zu entschuldigen. Meine Bälle landen überall, nur nicht im gegnerischen Quadrat. "Versuch mal, das linke Bein nach vorne zu nehmen, wenn du die Vorhand schlägst", ruft Kerstin mir zu. Das fühlt sich merkwürdig an - aber hey, die Frau ist nach Turniersiegen die beste Speedminton-Spielerin Europas, sie wird's schon wissen. Und tatsächlich: Indem ich nicht frontal, sondern seitlich zum Ball stehe, kann ich seine Richtung besser kontrollieren. Endlich kommen ein paar längere Ballwechsel zustande.
Gnadenlos scheucht mich Kerstin durch mein Feld. Ich fange an zu schwitzen. 30,25 Quadratmeter können verdammt weitläufig sein. Doch ab und zu gelingt es mir, den Ball so zu spielen, dass sich auch meine Gegnerin lang machen muss. "Sehr schön", lobt Kerstin. Ich bin ganz euphorisch. Das schnelle, flache Spiel fordert Wendigkeit und gute Reflexe. Genau richtig für einen Zwerg wie mich, den die langen, hohen Bälle beim Badminton regelmäßig zur Verzweiflung bringen.
Gerade, als ich Kerstin übermutig zu einem Match herausfordern will, rufen die anderen zum Aufräumen auf. Was, schon vorbei? Auch die Zeit scheint beim Speedminton schneller zu vergehen als sonst. Macht nichts. Ich komme bestimmt wieder.












