Erholen Sie sich richtig?

Wenn Sie Tag für Tag schlapper werden und selbst ein Urlaub die Akkus nicht mehr auffüllt, dann läuft was schief - in Ihrer Freizeit. Neue Erkenntnisse zeigen, wie Sie Ihre Zeit so verbringen, dass Sie wirklich auftanken. Plus: Großer Test - welcher Erholungstyp sind Sie?

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So sieht der Albtraum aus: eine weiße Villa auf Kreta, ein blau glitzernder Pool, bequeme gestreifte Polsterliegen. Im Haus kümmert sich Ana um alles. Sie putzt, sie kocht, sie wäscht. Sie legt die T-Shirts zusammen, sie macht für die Familie die Betten. Und das zwei Wochen lang am Stück. Erholsam? Ich hasse es. Es klingt so verdammt undankbar, dass ich Jahre brauchte, um es mir einzugestehen: Der vermeintliche Traumurlaub im Ferienhaus meiner Schwiegereltern macht mich kribbelig. Er unterfordert mich. Ich kann mich dort nicht entspannen. Nie. Keine Minute. Merkwürdig, eigentlich. Denn wenn ich mein Leben betrachte, das tägliche Gewürge zwischen Kindern und Karriere, das Gehetze zwischen Supermarkt und Schule, möchte man doch meinen, ein bisschen Ruhe täte mir gut, zur Abwechslung. Tut es aber nicht. Und, so seltsam es klingt, das ist auch kein Wunder.

Faul herumliegen klappt nicht

Jeder Alltag prägt, formt und verformt uns. Seine Last führt zu seelischen und körperlichen Fehlstellungen, macht uns müde, manchmal krank. Durch Erholung im Urlaub oder am Wochenende versucht unser Organismus, zu einem Status quo zurückzukehren, mit dem er sich wieder richtig wohl fühlt. "Base-Line" nennen Wissenschaftler diesen Zustand der Entspannung, des idealen, unverformten Ausgangspunktes, bevor Körper und Psyche in Stress gerieten.

Anspannung abzubauen, indem man faul auf der Liege lottert, klappt dabei in der Regel nicht. Im Gegenteil: Keine einzige wissenschaftliche Studie konnte bislang den Nachweis erbringen, "dass passives Nichtstun positive Gefühle fördert - es sei denn, Sie waren sportlich zuvor sehr aktiv", schreibt Erholungsexperte und Psychologe Christoph Eichhorn ("Gut erholen - besser leben. Das Praxisbuch für den Alltag", Klett-Cotta-Verlag, 2006).

Vollgas im Job, anschließend den Stress ausknipsen wie mit einem Lichtschalter: Das funktioniert also nicht. Dazu hängen die Fragen, ob und wie wir uns erholen, viel zu sehr davon ab, was wir in unserem Leben durch Erholung kompensieren müssen. So erklärt Prof. Dr. Michael Stark das Phänomen. Der Chefarzt der Fachabteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am DRK-Krankenhaus in Hamburg-Rissen rät deshalb zu typgerechter Erholung: "Wer in seinem Alltag hoher Fremdbestimmung unterliegt, sollte im Urlaub auf Kraftzuwachs und das Erreichen eigener Ziele achten."

Mithin wäre es für einen Menschen mit Hamsterrad-Feeling wie mich viel besser gewesen, eine neue Sportart zu lernen oder eine anstrengende Bergtour zu machen, anstatt mir von Ana die T-Shirts bügeln zu lassen. "Generell gilt", so Professor Stark, "dass Kontrasterlebnisse zum Alltag günstig sind für die Erholung." Menschen, die etwa tagtäglich eintönige Arbeiten verrichten, erholen sich am besten, wenn sie die Freizeit dazu nutzen, ihre "Wahrnehmungskanäle wieder zu öffnen", so Stark. Die sinnlichen Eindrücke eines Bazars, der Genuss einer exotischen Mahlzeit, der Duft von Lavendel in einem südfranzösischen Dörfchen wirken im Alltag lange nach, schärfen auch dort den Blick für Schönes.

15 Minuten Erholung jeden Tag muss sein

Das Allerwichtigste aber: Erholung darf sich keinesfalls auf nur zwei Wochen Auszeit pro Jahr begrenzen. Die Vorstellung, endlich im Urlaub aufzuatmen und bis dahin stur den anstrengenden Alltag durchzuziehen, hält Professorin Dr. Sabine Sonnentag von der Universität Konstanz für einen groben Fehler: "Erholung muss jeden Tag stattfinden, und wenn es nur eine Viertelstunde ist", so das Credo der Expertin. Warum? Ganz einfach: "Belastungswirkungen schaukeln sich meist langsam auf. Genauso ist auch Erholung ein Prozess, in dem sich Körper und Seele allmählich regenerieren."

Nur, wie funktioniert das? Darüber herrscht in der Forschung seltene Einigkeit. Erst mal müsse sich jeder Mensch darüber klar werden, was ihn im Alltag anstrengt und nach welchem Ausgleich er sich wirklich sehnt, so Professorin Sonnentag. Bergsteigen oder im Bistro sitzen? Laufen oder Lesen? Das Entscheidende ist, sich Zeit zu lassen, in den eigenen Körper hineinzuhören. Darüber hinaus kennen Wissenschaftler noch einige Faktoren, die Entspannung bringen:

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  • Text: Katharina Schicht
    BRIGITTE Balance