Ayurveda in Indien: Wellness pur? Fehlanzeige!
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Die nächsten sieben Tage sieht mein Tag so aus:
6 Uhr: Tee ans Bett, zur Anregung des Stuhlganges. Pflanzensud. Kleiner Morgenspaziergang.
7 Uhr: Yoga.
8 Uhr: Frühstück, süße Fladen mit Bananen, aber auch Gemüsemasalas. Am Sonntag Toast mit Marmelade! Hinterher Tabletten und Sirup.
9 Uhr: Konsultation durch zwei Ärzte.
10 Uhr: Kräuterbeutelmassage (Ilakizhi): Leinenbeutel mit Kräuter in Öl gekocht werden fast siedend auf die Haut getupft. Gerade wenn der Schmerz einsetzen will, sind die Beutel wieder weg von der Haut. Dauert eineinhalb Stunden und heizt den Körper ziemlich auf. Gegen Gelenkbeschwerden und entzündliche Prozesse. Hinterher Medizin.
11.30 Uhr: Regeneration.
12 Uhr: Mittagessen mit keralesischer Hausmannskost, vegetarisch. Hinterher Medizin.
14 Uhr: Stirnguss mit Öl (Siro Dhara): 50 bis 70 Minuten lang läuft warmes Öl aus einem Gefäß in dünnem Strahl über die Stirn. Das Gefäß wird dabei hin und her bewegt - als streiche ein warmer Finger sehr sanft über die Stirn. Sehr hilfreich, wenn das Hirn jenseits der Vierzig nach viel Stress nicht mehr so richtig funktionieren will. Hinterher Medizin.
15 Uhr: Regeneration.
16: Spirituelle Fußmassage - wenn mein Yogalehrer Lust hat: Das ist nämlich sein Privatservice.
17 Uhr: Yoga.
18 Uhr: Abendessen, hinterher Medizin.
20 Uhr: Massagen für Nacken, Rücken und Knie wegen einiger hartnäckiger Probleme.
22 Uhr: Letzte Medizin und ab ins Bett.
Eine Fülle von Verhaltensempfehlungen soll außerdem helfen, sich wirklich auf den Geist des Ayurveda einzulassen. Wir Patienten sollen am Tag nicht schlafen, auch nicht während der Ruhezeiten nach den Behandlungen. Wir sollen nicht mehr als 15 Minuten am Stück lesen oder fernsehen (nach Möglichkeit gar nicht), nicht in die Sonne gehen und uns nicht körperlich anstrengen, aber auch nicht länger als 15 Minuten sitzen. Sex während der Kur und der nachfolgenden Regenerationszeit ist tabu, möglichst drei Monate lang. Aufgestanden wird vor 6 Uhr und zu Bett geht es vor 22 Uhr. Und, ganz wichtig: an schöne Dinge denken und unangenehme Gedanken fernhalten.
Zeit, mit den anderen Kurgästen zu reden, bleibt kaum. Aber nach 17 Tagen Kur habe ich mich deutlich erholt, Knie- und andere Gelenk- und Muskelschmerzen sind weg oder fühlbar gelindert. Die leichte, aber ballaststoffreiche vegetarische Kost, nicht etwa scharf, sondern eher mild gewürzt, hat die Verdauung reguliert. Ich bekomme noch ein paar Medikamente mit, die mir gegen den Heuschnupfen helfen sollen. Und die Empfehlung, mir täglich ein paar Tropfen Sesamöl in die Nase zu träufeln. Das erweist sich als Geheimtipp für alle möglichen Atemwegsbeschwerden, aber auch bei Brummkopf und Verspannungen, vorbeugend wie lindernd.













