Weiblich, kinderlos und trotzdem glücklich - willkommen im Jahr 2017!

Jede fünfte Frau in Deutschland bleibt kinderlos - auch unsere Autorin. In ihrem Lebensentwurf kommen Kinder einfach nicht vor. Dafür will sie sich weder rechtfertigen müssen noch bemitleiden lassen.

Ich bin gereist, habe studiert, Jobs gemacht, für die es keine Kohle gab, und ich hatte mal was mit zwei Männern gleichzeitig. Also ja: ich habe mich ausgetobt. Na und? Kinder will ich trotzdem keine. Jetzt nicht und später auch nicht.

Kinderlose Frauen - bemitleidenswert?

In meinem Freundeskreis, meiner Familie, meiner Nachbarschaft – überall sind Kinder Thema. Vor allem von Frauen wird immer erwartet, dass sie sich Kinder wünschen, zumindest irgendwann. Wenn Frauen es doch mal irgendwie schaffen, kinderlos durchs Leben zu kommen, werden sie dafür bemitleidet, dass sie nicht den richtigen Mann gefunden haben.

Newsflash: Jede fünfte Frau in Deutschland bleibt mittlerweile kinderlos. Wer es genauer wissen möchte, schaut sich den Bericht "Kinderlosigkeit, Geburten und Familien" an. In der Auswertung des Statistischen Bundesamtes unseres jüngsten Zensus sind dem Thema "Kinderlosigkeit" zahlreiche Seiten, Tabellen und Schaubilder gewidmet.

Kinderlose Männer - nicht der Rede wert?

Der Witz: Kinderlosigkeit wird darin automatisch auf Frauen bezogen. Es gibt Quoten aufgeschlüsselt nach IHREM Ausbildungsgrad, IHREM Alter, nach dem Bundesland, in dem SIE wohnt, und und und. Aber um Kinderlosigkeit bei Männern zu thematisieren, reichten die 155 Seiten des Berichts offenbar nicht aus ...


Ist es wirklich ein so großes Thema, wenn eine Frau keine Kinder bekommt, dass das statistische Bundesamt dazu drölfzig Tabellen herausgibt? Und bei kinderlosen Männern wird nicht mal mit der Wimper gezuckt?

Noch kein Baby hat meine Muttergefühle geweckt

Für mich persönlich ist es selbstverständlich, keine Kinder zu haben oder zu wollen. Ich kann mich an keinen einzigen Moment erinnern, in dem ich auch nur unterschwellig einen Gedanken an das Leben mit einem Kind verschwendet hätte – von Planung ganz zu schweigen.

Ich habe schon ganz viele Babys live gesehen, und keines von ihnen hat in mir irgendwelche Muttergefühle geweckt. Meine beiden Schwestern haben jeweils mehrere Kinder, und wenn das irgendwas mit mir und meinem nicht vorhandenen Kinderwunsch gemacht hat, dann hat es mich darin eher bestätigt. Denn dadurch, dass meine Geschwister meinen Eltern ihre wohlverdienten Enkel geschenkt haben, hat sich bei mir das angenehme Gefühl eingestellt, aus dem Schneider zu sein.

Ich mag halt keine Kinder ...

Mir ist klar, dass wir alle einmal Kinder waren und dass, wenn alle so wären wie ich, die Menschheit aussterben würde. Aber es sind ja zum Glück nicht alle wie ich ...

Es gibt so viele Heldinnen und Helden, die Kinder bekommen und sie zu wundervollen Menschen großziehen. Ich habe die größte Hochachtung vor meinen Schwestern und allen Eltern, für die es selbstverständlich ist, Verantwortung für ein Leben außer ihrem eigenen zu tragen.

Doch immer wenn ich sehe, wie liebevoll sich meine Schwester um ihre Kinder kümmert, fühle ich halt irgendwie auch: Wahrscheinlich könnte ich das nicht so gut.  

Ich finde es ja schon nervig, wenn mir ein Kind auf seinem kleinen Fahrrad beim Joggen vor die Füße fährt. Oder, wenn ein Baby in der U-Bahn schreit und ich meine Musik nicht richtig hören kann. Und SORRY! - aber immer wenn ich das Geheule aus der Nachbarswohnung vernehme, bin ich unendlich froh, dass es in der Nachbarswohnung stattfindet und nicht bei mir.

Hasst mich ruhig, aber spart euch das Mitleid!

Bin ich deshalb eine egoistische Bitch? Mag sein. Aber was soll ich tun, wenn sich in mir einfach keine Muttergefühle regen? Ich werde bestimmt kein Leben in die Welt setzen, nur weil es von mir erwartet wird. Oder, weil ich Angst habe, einsam zu sterben. DAS wäre meiner Meinung nach wirklich egoistisch.

Und bin ich etwa bemitleidenswert, weil mir diese Gefühle abgehen? Das kann ich euch sagen: Nope! Mir fehlt nichts. Ich liebe die Menschen (selbst wenn einige AfD oder Trump wählen) und ich feiere das Leben.

Wenn ich nicht aus Versehen plötzlich sterbe, werde ich noch ganz viele inspirierende Leute treffen, fremde Länder bereisen, interessante Jobs machen und aufregende Dinge ausprobieren. DAS ist eben MEIN Leben.

Ich bewundere jede Mama und jeden Papa und glaube, dass sie glücklich sind. Nicht nur als Eltern, sondern als Menschen, die dem Lebensweg folgen, der sich für sie richtig anfühlt oder der sich eben irgendwie ergeben hat. Jeder Mensch ist auf seine Weise glücklich, und niemandem steht es zu, über den Lebensentwurf eines anderen Menschen zu urteilen.

Warum sollte ich mir einreden lassen, dass bei mir etwas falsch läuft, wenn ich keine Kinder möchte? Weil ich eine Frau bin? Nein, danke! Willkommen im Jahr 2017!

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