Sarah Kuttner: "Trash macht mir die Birne frei!"

Wer noch nie Trash geglotzt hat, der werfe den ersten Stein. Und wer Binge Watching gefährdet ist, den könnte der neue Podcast mit Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier ganz schön triggern ...

Am 4. Oktober geht's wieder los: Dann startet exklusiv auf Deezer die zweite Staffel des Podcasts "Das kleine Fernsehballet" mit und Stefan Niggemeier. Darin amateur-kritisieren die beiden einmal pro Woche vom heißesten Shice bis zum lowesten Trash alles, was TV, Netflix und Co. zu bieten haben. Wir haben mit den beiden gesprochen. 

F Mag: Wieso funktionieren gute Serien, die z.B. bei Netflix erfolgreich sind, nicht im Fernsehen?

Stefan: Vielleicht hat es das Fernsehen den Leuten ein bisschen abtrainiert. Man erwartet nicht mehr, dass anspruchsvolle Serien im Fernsehen laufen.

Ich glaube, Binge Watching ist die neue Form.

Sarah: Ich will nicht, dass mir ein Sender vorgibt, wann ich was gucke. Manche Sachen kann ich nicht um 20.15 Uhr gucken und dann erst wieder in einer Woche.

Manchmal bin ich eben erst nachts um halb zwölf in der geistigen Verfassung, bestimmte Serien zu sehen. Ich glaube, dass Binge Watching die neue Form ist.

Und dafür braucht es das Internet - damit jeder selbst entscheiden kann, wann er in der Stimmung ist, die Zeit dafür hat und so weiter.

Seid ihr beide Binge Watcher?

Stefan: Ja, manchmal auch widerwillig, aber es gibt ja genug Serien, die diesen Sog ausüben, dass man nicht mehr aufhören kann. Zum Beispiel einige dieser Real Crime Serien. Da sitzt man dann um Mitternacht und hat noch drei Folgen ...

Sarah: ... und dann rechnet man nach, 'wenn ich die jetzt noch gucke, kann ich um halb vier ins Bett', ...

Stefan: ... wenn eine Serie das gut macht, haben wir wenig Widerstandskraft.

Was ist denn eure Lieblingsserie?

Sarah: Es gibt ja so viele, wo soll man denn da anfangen? Nee, ich finde es generell schwierig, irgendwelche Lieblingssachen auszuwählen.

Stefan: Och, aus den aktuellen Serien fielen mir schon ein paar ein. Ich finde "Fargo" sehr gut, auch gerade die dritte Staffel wieder.

Nochmal kurz zum Thema Serien im Fernsehen: Was haltet ihr davon, dass fürs deutsche Fernsehen alles synchronisiert wird?

Stefan: Ich finde es gut, dass sie synchronisieren, aber ich kann es mir synchronisiert nicht angucken.

Sarah: Mich ärgert das, und es macht auch keinen Sinn! Sprache ist ein großer Teil der Schauspielerei, und da wird einem Schauspieler seine Sprache weggenommen und ein anderer – meistens nicht so guter - Schauspieler spricht drüber.

Ich vergleiche manchmal beim Streamen zwischen Original und Synchronfassung, um zu sehen, ob sie den Ton treffen, und sie treffen ihn nicht. Der Tonfall ist fast immer falsch, und alles klingt wie Werbung – ich finde das wirklich furchtbar.

Deutsche Synchronfassungen klingen immer wie Werbung!

Ich dachte letztens, 'jetzt bin ich auch eine von denen, die alles auf Englisch gucken', und habe dann mal "Hannibal" auf Deutsch geschaut. Das ist schon auf Englisch nicht besonders gut, aber auf Deutsch ist es unerträglich!

Stefan: Ich fände es gut, wenn es bei uns häufiger so wäre wie in den skandinavischen Ländern: Serie im Originalton und deutsch untertitelt. Das ist auch eine gute Art, besser Englisch zu lernen. 

Ihr beweist in eurem Podcast nicht nur, dass ihr Serien-Experten seid ...

Stefan: ... vielleicht gibt es größere Experten als uns, aber wir haben den größten Spaß.

Sarah: Ich glaube, das mögen die Leute auch an unserem Podcast. Wir gucken und besprechen Serien wie normale Leute. Uns fallen zum Beispiel dauernd keine Namen ein.

Stefan: Wobei es schon Abstufungen zwischen uns gibt ...

Sarah: ... Stefan bereitet sich vor und ich setze auf meinen Charme.

Also worauf ich hinaus wollte: Ihr outet euch ja auch als -Konsumenten. Brauchen wir Trash?

Sarah: Ich glaube, ja. Das ist wie mit der Lebensmittelpyramide. Unten viel von den guten Sachen, in der Mitte mittelviel von den mittelguten Sachen und oben ein bisschen von den nicht so guten Sachen. Trash entspricht den Süßigkeiten, und die stehen ja auch drauf.

Ich glaube, dass das wichtig ist. Für mich ist das wie eine Form von super uncoolem Meditieren. Das spült mir den Kopf durch. Es fordert mich nicht, und manchmal ist es schön, nicht gefordert zu werden.

Trash zu gucken, darüber ironisch und herablassend zu reden und sich über andere zu erheben, finde ich aber schwierig. Wenn man sich so etwas anschaut, muss man auch dazu stehen und sagen, 'ich finde das gut, das macht mir die Birne frei'.

Stefan: Ich glaube, ich brauche davon ein bisschen weniger als Sarah, aber ich gucke auch gerne zum Kopfausschalten.

Man muss sich ja zum Glück auch nicht entscheiden. Ich finde es super, wenn eine Serie komplex ist und mich zum Denken anregt, aber Fernsehen funktioniert auch gut für das Gegenteil.

Legt ihr manchmal bewusst Pausen ein, also Phasen ohne Medienkonsum?

Sarah: Nein.

Stefan: Was ich manchmal herunterfahren muss, sind so Dinge wie Twitter, Facebook und diesen Kram, um mich von dieser Kommunikationsaufregung zu befreien, aber ansonsten brauche ich auch keine besonderen Ruhephasen.

Was erwartet die Zuhörer in eurer neuen Staffel?

Stefan: Wir besprechen alles, was aktuell läuft. Wir starten in einem Live-Special mit Publikum mit einem Rückblick auf den Sommer.

Es lief da so ein Real-Life-Doku-Format, über das es noch viel zu sagen gibt. Anja Rützel wird dann übrigens unser Gast sein. Sie hat ja eine unvergleichlich charmante Art, Trash geradezu in kleine journalistische Kunstwerke zu verwandeln.  

Wer die erste Staffel verpasst hat, kann hier alles nachhören.

Oder direkt über diesen Player. 

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