Nichts geht mehr: Aufnahmestopp in vielen Frauenhäusern

Die Situation in den deutschen Frauenhäusern ist so dramatisch wie nie! In mehreren Regionen haben schutzsuchende Frauen aktuell keinen Zufluchtsort. Die Frauenhaus-Koordinierung mahnt in einem Offenen Brief dringendsten Handlungsbedarf an.

Stell dir vor, du hast Todesangst, und da, wo du dich in Sicherheit bringen willst, kann man dir nicht helfen – weil kein Platz mehr für dich ist. So etwas kann gewaltbetroffenen Frauen in Deutschland momentan passieren, denn viele sind bis aufs Letzte ausgelastet.

Brief an die Fraktionen: "Es muss schnellstens gehandelt werden!"

In einem Offenen Brief an die Bundestagsfraktionen fordert deshalb die zentrale Frauenhauskoordinierung: "Es muss schnellstens gehandelt werden! Länder und Kommunen müssen die Kapazitäten in den Frauenhäusern umgehend bedarfsgerecht erhöhen und dafür den Frauenhäusern die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen."

Wie drastisch die Lage ist, zeigen Zuschriften, die die Koordinierungsstelle aus ganz erhalten hat. Zwei Beispiele zitiert sie auch in dem Brief.

Ein Frauenhaus in Baden-Württemberg schreibt: 

In mehreren Bundesländern sind seit Wochen keine freien Frauenhausplätze zu bekommen. Betroffene Frauen sind verzweifelt auf der Suche nach einem Schutzplatz. Weder das bundesweite Hilfetelefon noch die Mitarbeiterinnen in den Frauenhäusern können ihnen einen Ausweg zeigen, die Frauenhausplätze reichen einfach nicht aus.

Und ein Frauenhaus in

"In Hessen gibt es schon seit Wochen einen Notstand bei freien Frauenhausplätzen, schon seit März sind wir voll belegt. Wenn wir versuchen, eine Frau innerhalb von Hessen zu vermitteln, ist dies so gut wie nicht möglich. Wir haben in Baden Württemberg, in Bayern und Nordrhein-Westfalen versucht, einen Platz zu bekommen, ohne Erfolg. Für die Frauen und Kinder ist das eine Katastrophe und für uns eine große psychische Belastung, dass wir den Frauen und Kindern keinen Schutz anbieten können."

Die Regierung hat zu lange nichts unternommen!

Der Grund für diese Katastrophe und Platznot ist, dass der Bund schon seit längerer Zeit nichts unternommen hat, obwohl die Frauenhäuser auf die gefährliche Entwicklung hingewiesen haben.

Erst Anfang Juni hatte zum Beispiel die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser eine Protestaktion auf dem Weimarer Marktplatz organisiert, bei der sie 16 Liegestühle mit einem Schild "voll belegt!" aufgestellt hatte – für jedes Bundesland ein Liegestuhl. 

Das ändert jetzt aber nichts daran, dass Hunderte Frauen nicht wissen, wo sie hingehen sollen. Und während SPD, Linke und die Grünen in ihrem aktuellen Wahlprogramm immerhin die "sichere Finanzierung" von Frauenhäusern in Aussicht stellen, nehmen sich CDU und FDP (von der AfD wollen wir gar nicht erst reden) dieses Themas überhaupt nicht an.

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