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BRIGITTE LIVE: Katrin Göring-Eckardt im Gespräch
Politisch und persönlich: Zum Auftakt von BRIGITTE LIVE gab Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) offene und überraschende Antworten auf die Fragen von BRIGITTE und Zuschauern.
Früh am Sonntag aufzustehen ist für Göring-Eckardt kein Problem: "Normalerweise wäre ich jetzt im Gottesdienst." Und der restliche Sonntag? "Den verbringe ich mit meiner Familie. Da gehört dann auch ein Kuchen dazu, den ich, wenn es passt, auch gern selbst backe. Und, ganz wichtig: Abends der 'Tatort'. Da ist mir egal, ob der alt oder neu ist. Ich will einfach gucken, abschalten, und erst am Ende wissen, wer der Mörder war."
Ganz Deutschland spricht gerade über alltäglichen Sexismus. Ausgelöst wurde die Debatte durch "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich, die sich von FDP-Spitzenkandidat Brüderle belästigt fühlte. Göring-Eckardts Meinung zur aktuellen Sexismus-Debatte? Eine klare Ansage: "Das war offensichtlich ein Übergriff von Brüderle, für den er sich entschuldigen sollte." Generell findet sie: "Frauen sollten beim alltäglichen Sexismus mehr Kontra geben. Das ist überhaupt nicht zickig, das ist selbstverständlich!"
Ist Sexismus auch für die Grünen ein Problem? "Nein, natürlich gibt es bei den Grünen überhaupt keine Machos", antwortet sie ironisch und sorgt so für den ersten Lacher im Saal. Wieder ernst ergänzt sie: "Die Frauenquote in unserer Partei sorgt aber für ein völlig anderes Klima und einen anderen Umgang der Geschlechter." Sexisten stoßen bei den Grünen zumindest auf stark erschwerte Grundvoraussetzungen.
Die Frauenquote - eine tolle Sache? "Ja", sagt Göring-Eckardt. "Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich meinen ersten Partei-Job durch die Quote bekommen habe, und der männliche Anwärter besser gewesen wäre." Wie bitte? "Ja, objektiv hatte der mehr Erfahrung in dem Bereich. Aber ich habe mich dann reingefunden und den Job auch gut gemacht. Aber ohne Quote hätte ich die nötigen Erfahrungen ja gar nicht erst sammeln können."
Wie ist sie nach der Wende zu den Grünen gekommen? War es Liebe auf den ersten Blick? "Nicht ganz", gesteht Göring-Eckardt: "Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Eindruck der Grünen: Da saßen in einem verrauchten Zimmer ein paar Männer rum und diskutierten, ob man Wahlplakate wirklich mit Stahlnägeln in unschuldige Bäume hauen darf. Da bin ich erst mal wieder umgekehrt und habe eine neue Anlaufstelle für mein politisches Engagement gesucht."
Jetzt ist sie ganz oben in ihrer Partei angekommen. "Ja, die Urabstimmung war wirklich ein überwältigendes Gefühl. Mit so einer Zustimmung hatte ich ehrlich nicht gerechnet." Interessant, welche Gedanken man sich im Wahlkampf so machen muss: "Ich weiß noch, wie ich ewig mit Jürgen Trittin darüber diskutiert hatte, mit welchem Lied wir in einen Saal einmarschieren. Wir haben uns auf '1234' von Feist geeinigt - auch wenn Jürgen Bedenken hatte, dass das vielleicht zu leicht und tänzelnd für uns sein könnte." Zur Debatte stand auch "Tage wie diese" von den Toten Hosen - bis jemand feststellte, dass zu diesem Song bereits Altkanzler Helmut Kohl zu seinen Veranstaltungen einmarschiert ist.
Apropos Kohl: Wie sieht es denn überhaupt mit den Volksparteien aus? Auf die Frage, ob sie lieber über Merkel oder Steinbrück reden wolle, lächelt Göring-Eckart einen Moment - um dann zu fragen: "Ach... können wir nicht über was anderes reden?" Generell freue sie sich über Reibung mit den anderen politischen Lagern: "Ideal finde ich harten sachlichen Streit, ohne persönliche Beleidigungen. Leider gelingt mir das nicht immer."
Ihr Glaube ist für sie eine essenzielle Stütze ihres Lebens. Den frühen Tod ihrer Mutter (als Göring-Eckardt gerade 18 Jahre alt war) konnte sie durch die Besinnung auf die Kirche vergleichsweise gut verarbeiten: "Der Glaube hat mich in dieser Situation sehr stark getröstet und unterstützt. Ich hatte nie diese Wut, dieses 'Wie kann Gott sowas tun'-Gefühl." Natürlich schwingt ihre christliche Prägung auch bei politischen Entscheidungen mit - aber nur als ein Faktor von vielen: "Ich würde niemals Entscheidungen komplett an die Bibel abgeben."
Göring-Eckardt ist leidenschaftliche Tango-Tänzerin - gelernt hat sie es in der Tanzschule des Vaters. Eine Zeit voller Konflikte: Ihr Vater war nicht nur sehr autoritär und Anhänger von Franz-Josef Strauß, er hatte auch "Mein Kampf" im Bücherregal und wollte sich nicht davon trennen. "Für mich war die Nazi-Vergangenheit ein Thema, das ich immer wieder angesprochen habe, und wovon er sich nie zufriedenstellend distanzieren wollte. Unser Verhältnis ist dadurch dauerhaft sehr distanziert geworden."
Wenn es bei der Bundestagswahl gut für sie laufen sollte, was würde sie gern ändern? "Es ist völlig absurd, dass keine Mittel für den dringend benötigten Kita-Ausbau vorhanden sein sollen, aber für Betreuungsgeld. Ich will niemandem vorschreiben, wer in der Familie das Geld verdient und wer zu Hause bleibt - diese Entscheidungen müssen Familien völlig frei für sich selbst treffen, und vor allem: treffen können." Darüber hinaus sei es "nicht mehr zeitgemäß, ein spezielles Familienmodell zu subventionieren. Familien gibt es mittlerweile in so vielen unterschiedlichen Formen, dass die Politik da flexibler werden muss."
Und nach der Kita? "Auch im Bereich Schule muss sich dringend mal was ändern - und eigentlich weiß man auch, was. Wir haben hier in Deutschland kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit."
Ein Zuschauer fragt, ob sie sich nicht stark von den Idealen ihrer Partei entfernt habe. "Man muss immer im jeweiligen Fall entscheiden", sagt sie. Das Votum für den Kosovo-Einsatz sei Göring-Eckardt besonders schwer gefallen, immerhin ging es um einen Militäreinsatz mit grüner Unterstützung. Nachdem sie lange alle Fakten studiert hatte, "war es schließlich ein Flüchtling, der mich überzeugte. Der hat nur gesagt 'Ihr dürft uns nicht hängen lassen!' Da war für mich dann klar, wie ich stimmen musste."

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Die bayerischen Kommunen decken den Krippenbedarf in Westdeutschland am besten ab. Das bestätigt die Länderstudie des Deutschen Jugendinstituts.
Hadertauer weiter: "Wer behauptet, dass Bayern beim Krippenausbau hinterherhinken würde, der verschließt die Augen vor der Realität." Tatsächlich stellen die bayerischen Kommunen aktuell im Schnitt bereits für rund 43 Prozent der ein- und zweijährigen Kinder Betreuungsplätze bereit.
Das heißt laut Haderthauer für viele Kommunen: "Ziel erreicht!"
In den SPD-geführten Großstädten sieht die Betreuungssituation ganz anders aus.
Die Oberbürgermeister aus München und Nürnberg würden sich "hinter ihren ach so hohen Betreuungsquoten verstecken, um dann als vermeintliche Rankingsieger das eigentliche Ziel der Bedarfsdeckung zu verfehlen. Denn der Bedarf ist in den Großstädten um ein vielfaches höher als auf dem Land".
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