Ingrid Kolb
Ingrid Kolb arbeitete von 1977 bis 1995 als Redakteurin und Ressortleiterin beim "stern", davor beim "Spiegel". 1980 erschien ihr Buch "Das Kreuz mit der Liebe: Der Mythos von der sexuellen Befreiung" über die Emanzipation der Frauen. Sie leitete zwölf Jahre die Henri-Nannen-Journalistenschule und arbeitet seit 2006 als freie Journalistin und Autorin in Hamburg.
Eigentlich liegt es mir gar nicht, die junge Generation mit der Tatsache zu langweilen, dass es alles schon mal gegeben hat. Aber die Sexismus-Debatte hat mich dann doch tief in mein Archiv greifen lassen. Ich habe den Artikel noch einmal nachgelesen, der am 8. Dezember 1977 in Heft Nummer 51 des Magazins stern veröffentlicht wurde. Es war meine erste Titelgeschichte für das Blatt, bei dem ich im November 77 angefangen hatte. Thema: "Frauen fühlen sich am Arbeitsplatz sexuell belästigt." 35 Jahre ist das jetzt her. Und ich war selbst verblüfft, wie taufrisch der Text sich heute noch liest.
Auch damals hatte niemand vorausgesehen, welchen Wirbel die Veröffentlichung auslösen würde. Begeisterung, Bestürzung und Ablehnung prallten aufeinander. Meinem Ressortleiter wurde vorgeworfen, er habe "die Solidarität der Männer verlassen". Aus Gütersloh meldete sich Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn bei Henri Nannen, um den Artikel als "jämmerlich primitiv" abzukanzeln. Frauen schrieben massenhaft zustimmende Briefe, aber es gab auch weibliche Stimmen, die abends anriefen und leicht lallend fragten: "Wo sind denn die Männer, die tatschen? Die möchten wir gerne kennenlernen."
Und das zu einer Zeit, als der Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein den Wechsel einer jungen Redakteurin in ein anderes Korrespondentenbüro noch fröhlich mit der Bemerkung quittierte: "Ach, die Ärmste, da muss sie ja mit dem schrecklichen Büroleiter X. schlafen." Ich erinnere mich an eine sehr lustige Nacht, in der wir - Journalistinnen von verschiedenen Medien - zusammen saßen, und uns solche Geschichten erzählten.
Der Brüderle-Vorfall ist klebrig
Die stern-Kollegin Laura Himmelreich soll sich bloß nicht einreden lassen, der Artikel über den FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle sei journalistisch daneben gewesen. Kritiker monieren, er hätte nicht mit dieser Szene in der Bar beginnen dürfen, in der sie die altbackene Anmache des Politikers beschreibt. Und überhaupt sei das Ganze ja schon vor einem Jahr gewesen. Ich sage: Ja und? Ist der Vorfall deshalb weniger klebrig? Ist Brüderle inzwischen ins Kloster gegangen oder das "Gesicht" der FDP geworden?
Klar, sie hätte das weglassen, weglachen und unter den Teppich kehren können. Wie es betroffene Frauen täglich hunderttausendfach tun. Aber es war einfach an der Zeit, das Thema auf den Tisch zu bringen. So wie es kurz vorher auch schon die Spiegel-Kollegin Annett Meiritz getan hatte, die sich gegen Gerüchte, Verleumdungen und Beleidigungen wehren musste, die bei den Piraten über sie kursierten. "Mit dem alltäglichen Sexismus ist es wie mit einer Mückenplage", sagte eine Freundin, mit der ich das Thema diskutierte, "einen Stich kann man verkraften, aber wenn man ständig von einem Schwarm umsummt wird, muss man etwas tun."













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am um
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marie
am 08.02.13 um 01:16
"Alltäglicher Sexismus ist wie eine Mückenplage"
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bg
am 05.02.13 um 02:00
Natürlich lautet das Motto "sex sells" und möglicherweise wird Himmelreich für eine Kampagne gegen Brüderle instrumentalisiert. Viel wichtiger ist doch aber, dass das Thema Sexismus mal wieder auf den Tisch kommt und gezeigt wird, dass es immer noch allgegenwertig ist. Sexismus geschieht tagtäglich und oftmals so unterschwellig, dass es für die Gesellschaft leider leicht ist, ihn zu übersehen oder als Nichtigkeit (z.B. als Altherrenwitz) abzutun. Deshalb ist so eine Debatte gut, damit der Blick der Gesellschaft wenigstens ein wenig geweitet wird und wir hoffentlich nach dieser Debatte wieder ein klein wenig aufgeklärter sind.
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Apfelschnee
am 01.02.13 um 19:25
Ich denke einem Mann in dieser Position darf das nicht passieren.Und dan einfach nur sagen ich gebe kein Komentar ist mehr als schäbig.
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Ingrid50
am 31.01.13 um 16:24
nunja, die Journalistin ist 29 und damit ziemlich erwachsen. Wenn sie sich verheizen lässt, ist das ihr Problem. Für das Ansehen von Frauen ist es extrem schlecht, wenn sie zuerst eine solche Geschichte lostritt, sich dann aber in Talkshows von männlichen Stern-Alphatieren vertreten lässt und beim Pressefrühstück mit "Bodyguards" erscheint. Sie sollte dann schon für ihre eigenen Sachen selbst eintreten und sich jetzt nicht hinter Männern verstecken. Das macht mich ungeheuer wütend!
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MarieLuis
am 31.01.13 um 13:20
Der "Stern" hat sich in den letzten Jahren wirklich nicht mit "Ruhm bekleckert". Auch bei diesem Magazin gilt leider "Sex sells". Diese Kampanie ist somit äußerst scheinheilig. Ich finde es übel, wie hier eine junge Journalistin für Stern-Männer-Interessen verheizt wird. Schade, dass sie nicht gemerkt, wie sie hier vor einen Männerkarren gespannt wird.
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TaDo
am 30.01.13 um 12:21
Im Gegensatz zu Frau Kolb, bin ich durchaus der Meinung, dass Frau Himmelreich uns ihre Mitteilungen hätte ersparen können: Welche ernstzunehmende Journalistin glaubt einen angetrunkenen Politiker gegen Mitternacht an einer Hotelbar "interviewen" zu müssen und hier geistreiche Antworten von diesem zu bekommen? Im übrigen darf man erwarten, dass gerade einer Journalistin zu einem blöden Spruch eine passende Antwort einfallen sollte- und wenn´s eine saftige Watschn wäre. Falls nicht, sollte sie über ihre Berufswahl und die Auswahl ihrer Interviewlocations nochmals gründlich nachdenken. Diese Prüderie ist total daneben und passt eher zu amerikanischen Sittenwächtern als ins aufgeschlossene Deutschland. Dass die ganze Lawine dann ausgerechnet vom Stern, einem Magazin, das nach dem Motto "Sex sells" auflagensteigernd gerne nackte, meist weibliche Haut abbildet, gerade dann, wenn Brüderle für ein Amt gehandelt wird, losgetreten wird, zeigt wie das Blatt versucht, Politik zu mach
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Ingrid50
am 29.01.13 um 16:50
Das ist ein gesellschaftliches Problem. Aber was ist passiert: Eine Journalistin steht mit Politikern am Abend an der Bar und fragt einen älteren Politiker, ob er für den Job nicht zu alt sei. Er ignoriert das wohl. Etwas angetrunken macht er dann einige anzügliche Bemerkungen. Die Journalistin reagiert nicht sofort entsprechend, sondern packt es in ihren Giftschrank und zieht es dann hervor, als sie dem Politiker maximal schaden kann.
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Ed
am 29.01.13 um 16:26
Als alleinerziehender Vater könnte ich eine ganze Daily Soap mit weiblichen Sexismen auf Spielplätzen, in Kitas, auf Elternabenden füllen.
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Lüni
am 29.01.13 um 12:51
Klar ist ja wohl, daß hier ein gesellschaftliches Problem vorliegt, oder gibt es Männer, die sich sexistisch bedroht fühlen? Solange Männer noch überall dominieren, bleibt das Problem. Zu hoffen bleibt, daß junge MÄnner, die nachwachsen, ihre bessere Erziehung durch selbstbewußte Mütter nicht vergessen.
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Scorpio
am 29.01.13 um 12:10
Armer Herr Brüderle ! Wenn man beruflich so weit gekommen ist und es doch nötig hat
mehr (14)Yeep - und sie überfällt Männer und Frauen........
Naja, so ganz fair ist das auch nicht. Wobei ich das Verhalten von Männern, die unerwünschte Anmache für richtig halten, nicht beschönigen will.
einer jungen Frau schlüpfrige Komplimente zu machen, scheint es mir, der Herr ist ein ziemlich unsicherer Kandidat menschlich zumindest und recht einsam tief innerst, und mit seinen "Werten" scheint es auch nicht sehr weit her zu sein. Warum wählen wir solche Menschen um in der Politik etwas zu sagen zu haben? Sollen die nicht unsere Interessen vertreten? Ich glaube dieser Mann vertritt nur seine eigenen Interessen und das auf ziemlich niedrigem Niveau! Wenn das für die FDP stehen soll - nein danke!