Endlich frei: Aung San Suu Kyi
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Vielleicht hat man es nicht in der Hand. Sind es Zufall oder Schicksal, die einem Leben plötzlich eine unumkehrbare Wendung geben? Man kann es aber auch Verhängnis nennen. "Die Geschichte", sagte ihr Mann kurz vor seinem Tod, "folgt selten geordneten Pfaden." Er starb 1999 in England, ohne dass Aung San Suu Kyi ihn noch einmal sehen konnte: Das Militärregime verweigerte ihm ein Visum für Burma, und sie verzichtete auf eine Ausreise, aus Furcht, nie wieder in ihr Land zurückkehren zu können. Sie hätte gehen können, zurück in ihr altes Leben. Sie blieb.
Das Verhängnis der burmesischen Politologin Aung San Suu Kyi nahm 1988 seinen Lauf, als sie zu ihrer kranken Mutter nach Burma reiste und an die Spitze der Demokratiebewegung gespült wurde, die Tausende das Leben kostete. Sie wurde die Madonna der Freiheit, Ikone des Widerstands.
Burmas Staatsfeindin Nummer eins.
Ihr Volk liebt sie abgöttisch, aber ihre Liebe kann sie mit niemandem teilen.
Die Eltern, der Ehemann tot, die Söhne in England. 1991 bekommt sie den Friedensnobelpreis, ihr Sohn nimmt ihn entgegen. Kann man eine gute Mutter und zugleich eine Nationalheldin sein? Im Interview verbietet sie diese Frage.
Vielleicht, weil sie sie innerlich zerreißt.
Als ich 1996 ihr Haus in der University Avenue in Rangun mit dem abblätternden Putz, dem Geheimdienst im Garten, den Soldaten und Sperren vor der Tür betrat, dachte ich einen Moment, dass wohl jeder gern wäre wie sie: mit ebenso klaren Augen der Furcht entgegenblickend und sie dann für besiegbar erklärend. Und dann war es plötzlich da, dieses Gefühl, die Mutmaßung: dass da hinter der Weigerung, über die Söhne zu sprechen, hinter den plötzlich so harten Augen ein Herz sein musste, das sich vor Sehnsucht zusammenkrampfte - in diesem Körper, der scheinbar alterslos dem Leben trotzt, das er führen muss.












