Interview
Christiane Paul: "Das Leben ist eine Öko-Baustelle"

Die Schauspielerin Christiane Paul hat versucht, ökologisch bewusst zu leben und darüber ein Buch geschrieben. Im Interview mit BRIGITTE.de erzählt sie von persönlichen Helden, dem Glück durch Konsumverzicht und wie sie ihre Kinder zu Flexitariern erzieht.

Christiane Paul 1974 in Ostberlin geboren. Bekannt wurde die Schauspielerin und promovierte Ärztin mit dem Film "Das Leben ist eine Baustelle". Sie lebt mit ihren Kindern Mascha (9) und Maximilian (4) in Berlin.

Christiane Paul 1974 in Ostberlin geboren. Bekannt wurde die Schauspielerin und promovierte Ärztin mit dem Film "Das Leben ist eine Baustelle". Sie lebt mit ihren Kindern Mascha (9) und Maximilian (4) in Berlin.

BRIGITTE.de: Wie sind Sie auf den Öko-Trip gekommen?

Christiane Paul: Es gab kein echtes Aha-Erlebnis. Ich habe mich eigentlich schon immer für ökologische Fragen interessiert. Schon gleich nach der Maueröffnung habe ich zum Beispiel im Bioladen eingekauft. Kurze Zeit träumte ich sogar davon, später als Ärztin auf einem Greenpeace-Schiff die Aktivisten zu betreuen. Zwischendurch war der Ökogedanke etwas verschüttet, ich war einfach mit zwei Berufen und Kind ausgelastet. Meine ökologische Wende begann 2006, als ich die alarmierenden Zahlen zum Klimawandel las. Da dachte ich: Jetzt muss ich etwas tun.

BRIGITTE.de: War es förderlich oder eher hinderlich, dass Sie in der DDR groß geworden sind?

Christiane Paul: Auf alle Fälle bin ich als politisch bewusster Mensch aufgewachsen, obwohl ein wirklich ökologisches Denken nicht vermittelt wurde. Aber es gab zum Beispiel so etwas wie den Altstofftag für Schüler. Wir haben an Haustüren geklingelt, Wertstoffe wie Papier, Glas, Kronkorken eingesammelt und zur Schule gebracht, von dort wurde es dann abgeholt. Uns wurde verdeutlicht, wie kostbar und wichtig Rohstoffe und deren Wiederverwertung waren. Natürlich auch, weil es bei uns daran mangelte. Als Kind fand ich es toll, denn ich hatte das Gefühl, etwas für mein Land tun. Aber natürlich taugte die DDR nicht als umweltpolitisches Vorbild, im Gegenteil.

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BRIGITTE.de: Sie haben für ihr Buch mit engagierten Wissenschaftlern, Politikern, Psychologen und Autoren gesprochen. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Christiane Paul: Eigentlich haben mich alle begeistert, ich fand es faszinierend, wie diese sehr unterschiedlichen Menschen auf ihre Weise etwas tun. Sie gehören nicht mehr in eine Nische. Und es gibt nicht richtig oder falsch, es gibt nicht die eine einzige Lösung für die globale Krise. Ein richtiger Held ist für mich Leo Hickman. Der Guardian-Journalist hat den Selbstversuch unternommen, ein ganzes Jahr lang ethisch korrekt zu leben. Ich habe mich sehr gefreut, ihn zu treffen. Er sagt, jeder Mensch solle in seiner Einflusssphäre mit der Veränderung beginnen. Auch wenn das bedeuten kann, dass man häufig fliegen muss und damit natürlich Emissionen verursacht. Manchmal kann Fliegen eben auch positiv besetzt sein, wenn dann zum Beispiel der Klimawissenschaftler Anders Levermann durch seinen Vortrag vor Managern an einem weiter entfernten Ort damit die Menschen erreicht, die ihrerseits etwas bewegen können.

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  • Interview: Beate Koma
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