Halbfinale
Deutschland gegen Italien - das Epos
Man sagt, "Deutschland gegen Italien" sei ein Klassiker. Wir sagen: Es ist noch viel mehr. Thriller, Drama, Saga, ach was, ein Epos mit charismatischen Darstellern, wie Martin Scorsese sie nicht besser hätte casten können. Wir stellen Ihnen die Hauptfiguren dieses TV-Ereignisses vor, das Sie auf keinen Fall verpassen sollten.
Gianluigi Buffon: Der Pate
Gab es je eine Zeit ohne den großen Gigi? Wir wissen es nicht, und die, die es wissen könnten, sind lange tot. Gigi war einfach immer da und hielt seine schützende Hand über die Azzurri. Keiner bleibt bei einer Elferschießerei so cool, keiner kann Haarspangen so würdevoll tragen. Gefürchtet sind auch seine Tricks: So schafft es Gigi regelmäßig, seine Gegner mit wechselnden Augenfarben zu verwirren. Ganz schön grün. Oder doch blau? Türkis? Und schon fliegt die Kugel in die dunkle Nacht.
Mario Balotelli: Il Vulcano
Il Vulcano ist das jüngste Mitglied im Arsenal der Azzurri. Mutig. Stark. Pfeilschnell. Schießt mindestens 30mal, ehe er trifft. Und ist unberechenbar wie ein Alfa Romeo. Es kann sein, dass er seine Kontrahenten mit einem genialen Dribbling und lautem Gebrüll fertig macht. Es kann aber auch sein, dass er sein Hemd auszieht, gegen eine lustige Mütze austauscht und feuerspuckend das Feld verlässt. Alles ist möglich. Das macht ihn so gefährlich. Nicht nur für den Gegner.
Andrea Pirlo: L'Artista
Viele Legenden ranken um den schweigsamen Mann aus Brescia. Angeblich wurde er schon mehrmals für tot erklärt und tauchte dann doch wieder auf, jedes Mal noch listiger, noch gewandter, noch Ehrfurcht einflößender. Sein wahres Alter? Niemand wagt es, darüber zu sprechen. Offiziell ist er 33. Doch die Furchen in seinem Gesicht erzählen eine andere Geschichte. Man munkelt auch, er hole sich seine Inspiration nachts in den eigenen Weinbergen, eine anonyme Quelle berichtete sogar von einem privaten Bildhauer, der nichts anderes als kleine Pirlo-Statuen fertige. Kein Wunder, bei dem Profil. Und er? Kein Kommentar. Kein Lächeln. Nur geballte Schießkunst. Attenzione, Germania.
Alessandro Diamanti: Il Buffone
Nein, wir haben diesen Herrn nicht mit dem großen Gigi verwechselt. "Il Buffone" heißt "der Clown" auf Italienisch und ist eine Anspielung auf den Schalk, der stets aus Alessandros Augen blitzt. Wenn die Männer in Blau schon den Untergang vor Augen haben, wirkt seine Einwechslung wie eine Optimismus-Spritze. Seine Spurts sind genauso unkontrollierbar wie seine Haare, seine Zunge ist schärfer als ein Pizzamesser. Was man nicht machen sollte: Witze, in denen sein Nachname zusammen mit den Worten "roh" oder "funkelnd" vorkommt. Da versteht er keinen Spaß mehr.
Daniele de Rossi: Il Spartano
Dieser Mann ist hart wie ein römischer Rammbock. Einmal in Fahrt, ist es schwer, ihn zu bremsen. Er gibt nie auf, findet immer eine Lücke und wenn nicht, macht er sich selbst welche. Aber auch de Rossi hat Schwachpunkte. Sein Aberglaube zum Beispiel. Angeblich klopft er vor jedem Spiel gegen die Decke der Katakomben. Und: Er trägt auf dem linken Bizeps ein Teletubby-Tattoo. Darf ein Teletubby-Arm wirklich den EM-Pokal in die Höhe recken? Wir finden: nein.
Philly The Kid
Anders als Revolverheld Billy the Kid ist Deutschlands Philly the Kid kein Gesetzloser, einen mörderischen Schuss hat er trotzdem. Eindrucksvoll unter Beweis gestellt im Viertelfinale gegen Griechenland, als der Teutonen-Boss den Ball aus 20 Metern ins rechte Eck schnellen ließ. Sollen die Italiener ruhig glauben, dass dem Defensiv-Deutschen erst beim nächsten Turnier wieder ein Treffer gelingt. Dann kann Philly the Kid im Halbfinale ungestört aus dem Hinterhalt schießen.
Mats Hummels: Der Göttliche
Wie sieht eigentlich dieser Fußballgott aus, von dem immer alle reden? Wir wissen aus sicheren Quellen: Er misst stattliche 1,91 m, trägt bevorzugt Sieben-Tage-Bart (weil er damals während der Erschaffung der Fußballwelt keine Zeit hatte, sich zu rasieren), hat ein ebenmäßiges Gesicht, dazu schwarzes, leicht lockiges Haar - und hört auf den Namen Mats Hummels. Wer an dem göttlich guten Innenverteidiger vorbeiziehen will, muss sich hübsch was einfallen lassen.
Manuel Neuer: The Spider
Deutschlands "Amazing Spider-Man" krabbelt nicht im Kino, er wirbelt auf dem Platz. Zwangsläufig wird er heute Abend zur Zielscheibe der Azzuri werden. Berufsrisiko eben. Um die blauen Attacken abzuwehren, wird Manu "The Spider" wohl alle seiner gefühlt acht Gliedmaßen brauchen - damit am Ende höchstens italienische Spieler im Netz zappeln und nicht deren Bälle.
Mario Gomez: Der Joker
Der Joker liebt das Glücksspiel und das Glück ist dem Joker hold. Dreimal hat er bei der EM schon getroffen, Portugal und die Holländer im Alleingang weggelacht und damit auch seine Kritiker. Möge der Joker sein Kopfgeld wert sein - und am Ende der EM diabolisch lachend die Auszeichnung als bester Schütze entgegennehmen.
Sad Eyes Özil
Taugt Traurigkeit als Waffe? Dann ist Sad Eyes Özil für das Duell gegen die Squadra Azzurra bestens gerüstet. Niemand kann so schön melancholisch gucken wie Mesut. Die Rolle des Chef-Melancholikers ist ihm in diesem Epos also sicher. Aber die Fans wollen mehr von ihrem Star: Chef-Zauberer, Chef-Wirbelwind, Chef-Passgeber soll er sein – und aus seinen großen Augen sollen am Ende bitte nur Freudentränen fließen.
Und wer gewinnt es nun, dieses Duell der Giganten? Das Team rund um Philly The Kid, das neuerdings den göttlichen Funken in seinen Füßen trägt? Oder doch die von Wettskandalen gebeutelte Squadra Azzurra? Das erfahren Sie am Donnerstagabend, ab 20:45 Uhr.
Wir wissen nur eins: Im Film gewinnen am Ende immer die Unbestechlichen.

Navigieren mit Tastaturpfeilen möglich
Mehr aus der Rubrik "Frauen"
BRIGITTE
im Abo