Isabelle Caro: Die nackte Wahrheit
Starfotograf Oliviero Toscani hat die Kampagne anlässlich der Mailänder Modewoche für die italienische Modemarke No-l-ita fotografiert. Nackt, mager, ungeschminkt, merkwürdig greisenhaft und mit hohlen Augen blickt die 27-jährige Französin in mehreren italienischen Städten von riesigen Plakatwänden. Die Kampagne gegen Anorexie wird vom italienischen Gesundheitsministerium unterstützt, ist aber trotzdem umstritten.
Wie bereits für seine Benetton-Kampagne in den Achtziger Jahren erntete Oliviero Toscani für seine Darstellung harsche Kritik. Selbst die Präsidentin des italienischen "Verbandes zur Erforschung der Magersucht" hält sie für falsch. Fabiola De Clercq argumentiert, dass die "übertrieben krasse" Abbildung junge Mädchen keinesfalls abschrecke, sondern viel mehr zur Nachahmung verführe. "Was sagt ein magersüchtiges Mädchen beim Anblick von Isabelles Körper? Bei ihr sieht man zwölf Rippen, bei mir nur vier - morgen esse ich noch weniger", wird sie in der Neuen Züricher Zeitung zitiert.
Isabelle Caro selbst zählt darauf, dass die Kampagne Jugendliche wachrüttelt und vor der potenziell tödlichen Krankheit schützen hilft. Caro hat sich für die Fotos ausgezogen, damit "die physischen und psychischen Leiden, die ich durchgestanden habe, einen Sinn ergeben und denen helfen, die in die Falle geraten sind, aus der ich mich zu befreien suche."
Die französische Schauspielerin leidet seit 14 Jahren an Magersucht. Seit sie 13 ist, hungert sie, mit 18 brachte sie nur noch 25 Kilo auf die Waage. Heute ist sie auf dem Weg der Besserung: Die 1,65 Meter große Frau wiegt 31 Kilo.
Nachtrag: Toscanis Kampagne ist mittlerweile in Italien verboten worden. Werbung müsse "die Würde des Menschen in all ihren Formen respektieren", auf Toscanis Plakaten sei dies jedoch nicht der Fall, so das Werbeaufsichts-Institut Giurì.
(sar)













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