Scientology: Sekte am Ende?

Aufruhr bei Scientology in den USA: Führende Vertreter haben die Sekte verlassen und berichten von menschenverachtenden Machenschaften. Ursula Caberta, bekannteste Sekten-Bekämpferin Deutschlands, über die Hintergründe der Krise.

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Ursula Caberta, 59, gilt als beste Kennerin der Sektenszene in Deutschland. In Deutschland soll Scientology ca. 5.000 Anhänger haben, weltweit etwa 200.000.

Ursula Caberta, 59, gilt als beste Kennerin der Sektenszene in Deutschland. In Deutschland soll Scientology ca. 5.000 Anhänger haben, weltweit etwa 200.000.

BRIGITTE.de: Bei den Scientologen in den USA rumort es kräftig - was ist da los?

Ursula Caberta: Einige Leute aus der Spitze haben sich von der Sekte abgesetzt und beginnen jetzt zu reden. Unter ihnen sind auch die linke und die rechte Hand des Sektenbosses David Misgavige, 49. Mike Rinder war jahrelang das "Gesicht" der Sekte, ihr Sprecher und interner Geheimdienstchef. Mark Rathbun galt als "Mann fürs Grobe" - er hat unter anderem die Steuerbefreiung für diesen Verein in den USA ermöglicht. Heute gibt er in Interviews zu, dass er massiv Druck ausgeübt hat, die US-Finanzbehörde ist mit 2300 Verfahren überzogen worden und so wurde die Anerkennung quasi erpresst. Das war schon bekannt geworden, aber jetzt sind diese Maßnahmen von der Person bestätigt worden, die dafür mit die Verantwortung trug.

BRIGITTE.de: Warum sind die beiden ausgestiegen?

Ursula Caberta: Ich vermute, dass Misgavige sich immer mehr zum Tyrann entwickelt hat. Es muss zu großen Spannungen gekommen sein, denn Rinder und Rathbun kamen schon als Kinder in die Sekte, sind mit Misgavige in diesem totalitären System groß geworden. Was der Ausstieg für sie bedeutet - beide sind heute über 50 Jahre alt - können wir gar nicht ermessen. Sie müssen ein völlig neues Leben beginnen und wohl auch um ihr Leben fürchten - so einen Schritt überlegt man sich gut. Auch Amy Scobee, die die Prominenten in der Sekte betreute und schon zwei mal John Travolta zurück geholt haben soll, gehört zu den Aussteigern. Aber sie redet noch nicht ausführlich.

BRIGITTE.de: Melden sich denn jetzt bei Ihnen vermehrt Deutsche, die die Sekte verlassen wollen?

Ursula Caberta: Nein, aber dafür ist es auch noch zu früh. So etwas dauert.

BRIGITTE.de: Was bedeutet dieser Aderlass für Scientology?

Ursula Caberta: Die Aussagen der Aussteiger ermöglichen einen Blick in die obersten Zirkel dieser Organisation, der vernichtend ist. Was sie sagen, ist auch für Deutschland wichtig. Rathbun und Rinder bestätigen jetzt, was immer vermutet wurde. In der Sekte herrscht reine Willkür. Menschenrechte werden im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten. Beide berichten, dass sie immer wieder von Miscavige körperlich misshandelt wurden - und sie selbst auch andere Sektenmitglieder geschlagen haben. Rathbun bestätigt außerdem, dass er Beweismaterial vernichten ließ über den tragischen Tod einer jungen Frau 1995, die während der Isolationshaft - einer Behandlungsmethode der Scientologen - elendig krepierte.

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  • Interview: Silke Baumgarten
    Fotos: Cinetext, Dreamstime, iStockphoto.com
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