Joachim Gauck und die Sexismus-Debatte
Foto: Imago/Metodi Popow
Hält der Bundespräsident die Sexismus-Debatte, ausgelöst durch einen stern-Artikel, für übertrieben? Zumindest sorgen seine Äußerungen im aktuellen "Spiegel" für neuen Zündstoff: "Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde." Und: "Aber eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen kann ich hierzulande nicht erkennen", so Gauck.
Frauen der Twitter-Kampagne "#Aufschrei" sind entsetzt und verfassten bereits einen offenen Brief an den Bundespräsidenten. Die verharmlosende Sicht würde die Schicksale von Frauen herunterspielen.
BRIGITTE-Autor Till Raether kann die Sexismus-Debatte nachvollziehen. Er erlebt, dass viele Männer nicht anders können als Sprüche über das Aussehen von Frauen zu machen. Mitmachen oder Klappe halten? Raether hat festgestellt, dass beides daneben ist.
BRIGITTE-Autor Till Raether über den alltäglichen Sexismus
Häufig werde ich von anderen Männern eingeladen, mich mit ihnen über Frauen und ihre Körper zu unterhalten, insbesondere ihre sekundären Geschlechtsmerkmale. Indirekt aber auch ihre primären, nicht zu vergessen: ihre Ärsche. Meist kenne ich diese Männer gar nicht oder ich habe ein eher geschäftliches und kein enges persönliches Verhältnis zu ihnen.
Till Raether, 43, beschäftigt sich in BRIGITTE seit Langem mit Rollenklischees und dem Verhalten von Männern, zuletzt auch in seinem Buch "Männergefühle" (mit Stephan Bartels)
Ich stehe mit drei anderen Männern am Schalter einer Autovermietung. Kurz läuft eine Mitarbeiterin durchs Bild, um einen Autoschlüssel zu holen. Als sie wieder draußen ist, schürzt einer der mir fremden Männer anerkennend die Lippen und zeigt pantomimisch, indem er seine Hände in Brusthöhe zu Melonen formt, wie sehr ihn die Brüste der fremden Frau beeindruckt haben. Die anderen Männer nicken zustimmend. Ich tue, als ginge mich das nichts an, höchstens rolle ich mit den Augen. Oder: Ich bin mit einem Kollegen, den ich nur flüchtig kenne, abends in der Kneipe, und weiter hinten sitzt eine Frau, an die ich mich von früher erinnere. Als mir einfällt, woher, sage ich: "Ach, das ist ja die Dings, die kenne ich aus der Uni, die hab ich immer bewundert." Der Kollege grinst und sagt: "Das heißt, du wolltest sie ficken." Oder: Ein Manager aus einer anderen Abteilung, mit dem ich zweimal Mittag essen war, soll mir eine Mitarbeiterin vorstellen, und auf dem Weg zu ihr sagt er: "Das ist die Frau mit dem besten Arsch im ganzen Büro."













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am um
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Quartz
am 30.03.13 um 22:07
Wenn ich lese, dass Sexismus nicht ernst und selten ist..Mesdames et Messieurs, ich bitte Sie..wenden Sie Ihre trauten Augen dem Internet zu. Da gehört ein bischen Sexismus und Degradierung von Frauen zum guten Ton. Weise Geeks und clevere Sprücheklopfer versorgen die Kabeln mit „dat ass“ und Nacktbilder der Ex-Freundin -weil sie es verdient hat. Pornografische Slogans und Herabsetzung weiblichen Intellekts ist Ehrensache, schließlich basiert das Digitale Erbe von Online Communities darauf. Helden sind zahlreiche männliche Figuren, welche mit Lässigkeit und umnachteten Humor die Regeln setzen. Im Zweifelsfall immer noch schwule Männer statt einer einzigen Frau. Spiel, Spaß und überzeugter Chauvinismus ist das Konzert des Internets, bei dem jede(r) 14jährige(r) einen festen Platz sucht. Wer Frauen im Internet nicht verspottet, nimmt das Leben zu ernst. Und wer DAS bischen Sexismus nicht wahrnimmt, bekommt es in 5 Jahren teuer zu stehen.
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Herr_Rhein
am 13.03.13 um 21:18
"halloihr
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Andrea
am 07.03.13 um 11:27
Herr Gauck hat gesagt: " eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern könne er nicht entdecken, und damit hat er meiner Ansicht nach Recht. Das heißt ja nicht, dass es keinen Sexismus gäbe. Oder dass nicht viele Frauen damit schon mal konfrontiert worden wären. Es entschuldigt den Alltags-Sexismus auch keinesweges, wenn er vorkommt. (Und eigentlich ging es in der Spiegel-Debatte NICHT um schwere sexuelle Angriffe oder Vergewaltigungen, das ist noch mal ein ganz anderes Thema!) Aber "flächendeckend besonders gravierend" ist er nicht. Leichte Formen sind weit verbreitet (blöde Sprüche, aber Männer können wohl nicht anders ;-)), gravierende Dinge kommen vor (Benachteiligung, Entwertung, Ausnutzen von Machtpositionen), und ganz schlimme Dinge passieren eben auch. Den Opfern gilt mein Mitgefühl, aber daraus einen Vorwurf gegen alle Männer abzuleiten, finde ich weit daneben - ebenso wie Herr Gauck.
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Minna Peeperkorn
am 07.03.13 um 10:13
Es ist mir nicht häufig passiert, aber es ist doch ein paar mal vorgekommen, dass Menschen mir ihre rassistischen Vorstellungen über Ausländer aufgenötigt haben, in der Annahme, ich würde zustimmen. Das sind dann meistens Menschen mit einem einfachen Bildungshintergrund, die nicht verstehen, dass sie sich gerade nicht politisch korrekt ausdrücken. Ich würde nur nicht denken, dass das Unbehagen, dass ich in dem Augenblick erlebe, auch nur annähernd mit dem zu tun hat, was ein Mensch in Deutschland erleben muss, der Rassismus ausgesetzt ist. Es ist sicherlich notwendig, über das Männerbild zu reden, dass in solchen Augenblicken zementiert werden soll und über die Angst, aus einem solchen Männerbild auszubrechen, aber es sollte nur nicht mit der massiven Ungleichbehandlung von Frauen verwechselt werden. Tatsächlich kann Mann sich über die darin gemachten Unterstellungen über Männer aufregen, ohne sich im Geringsten tatsächlich für die Rechte von Frauen zu interessieren.
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halloihr
am 06.03.13 um 18:50
Manche Männer sind wie Hunde, ihre Grenze muß ihnen einmal gezeigt werden und dann ist es gut. Ich weiß wovon ich spreche - ich bin Bauleiterin auf Baustellen mit bis zu 400 Arbeitern und klare, professionelle Anweisungen wirken. In Deutschland sind meiner Meinung nach auch eher wenige Männer sexistisch.
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Roxanne
am 06.03.13 um 18:19
Vielen Dank - für einen Mitarbeiter einer Frauenzeitschrift, erwartet man ja ein Outing als " Frauenversteher. Ich bin eine Frau und ich kenne sehr viele Männer, aber keiner der Frauen verachtet und nicht für voll nimmt. Bei dieser Sexismusdebatte wurde ein Sturm inszeniert, der in meinen Augen absolut nicht angemessen ist. Im Gegenteil, Männer werden hingestellt, als wären sie eine primitive Affensorte, die Frauen nur als Sexobjekt sehen. Ich sehe aber viele Frauen, die sich in jeder drittklassigen Zeitschrift halbnackt präsentieren, oder mit ihren Reizen mehr oder weniger gekonnt spielen- siehe Heidi Klum's Kleid bei den Oscars- Für wen wollen sie sexy sein?? Doch für die Männer. Die Männer hierzulande haben sowieso schon ihre Identität verloren. Macho dürfen sie nicht sein, Softie sollen sie nicht sein, Charme oder Interesse löst eventuell schon den Vorwurf des Sexmonsters aus. Arme Männer..Wer seid Ihr- und vor allem- wie wollt ihr sein? Die Frauen wie immer als Opf
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vivi76
am 06.03.13 um 17:56
Naja, war 15 Jahre als Frau in der Industrie beschäftigt und hatte 95% männliche Kollegen. Ich kann nur sagen, Männer ticken da einfach anders, Frauen werden über Äußerlichkeiten definiert, es wird oft hässlich und solch Sprüche sind normal. Und nicht nur da.
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PMc
am 06.03.13 um 00:12
Ich möchte ernstlich fragen, in welchem Umfeld sich Herr Raether bewegt, dass ihm solche Dinge passieren?? Denn, in fast 20 Jahren (meiner Tätigkeit im Bereich Unternehmensberatung) habe ich derartiges vielleicht ein oder zweimal erlebt.
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Minka
am 05.03.13 um 13:35
Danke für diesen tollen Text!!!
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Martin
am 05.03.13 um 11:45
Frauen und Frauenbeauftragte und Emanzipation ist doch wie Ausländer und Ausländerbeauftragte und die doppelte Staatsbürgerschaft. Wenn man Lust hat, haut frau mit der Diskriminierungskeule um sich oder wählt einfach den Status "Ich bin eine schwache Frau, bitte helfen Sie mir". Mal hüh, mal hot.... Frau mag mich als Troll bezeichnen, aber dieser Diskussion eine Bühne zu bieten macht es auch nicht besser. Und die Medien nutzen die Sexismus-Debatte als Plattform, um Auflage zu machen, anstatt sich dafür einzusetzen, dass der Vergewaltigungsparagraph endlich SO umgeschrieben wird, das auch das Nein-Sagen ausreicht, um einen Täter einzusperren.
mehr (18)am 06.03.13 um 18:50
Manche Männer sind wie Hunde, ihre Grenze muß ihnen einmal gezeigt werden und dann ist es gut."
Wenn Zwei das Gleiche tun, ist es längst noch nicht dasselbe?
Welche der hier anwesenden und angeblich ach so gerechtigkeitssensiblen Frauinnen stößt sich nun hieran?
Innerhalb einer Woche mal keine und das lässt tief blicken, bei Autor, Redaktion, Moderation und wohlwollend (un)kommentierender Leserinnenschaft.
Es sollte vielleicht auch gefragt werden, welche Art Männerverachtung dahinter steckt, daß uns die Medien unbedingt ein solches Klischee angeblicher männlicher Primitivität einreden wollen - denn _das_ finde ich tatsächlich diskriminierend und sexistisch.