Foto: marshi / photocase.com
Lange waren sie leise. Jetzt brechen sie ihr Schweigen. Opfer von sexualisierter Gewalt schreiben anonym bei Facebook, Twitter und auf einer anderen Internetseite, warum sie ihre Täter nicht anzeigten. Unter dem Namen #ichhabnichtangezeigt haben bisher mehr als 500 Männer und Frauen die Gründe für ihr Schweigen genannt. Die Online-Aktion macht auf das Thema der sexualisierten Gewalt aufmerksam, soll mit alten Täterbildern aufräumen und den Opfern Mut machen.
Sie haben höchstens 140 Zeichen. Vergewaltigungs- und Missbrauchsopfer schreiben anonym auf der Facebook-Seite #ichhabnichtangezeigt, warum sie sich nicht trauen zur Polizei zu gehen und ihre Täter anzuzeigen. Eine Auswahl:
"#ichhabnichtangezeigt, weil er mein Freund war."
"#ichhabnichtangezeigt weil: Ich drei kleine Kinder hatte, Der Täter mein Ehemann war und er mir gedroht hat mich umzubringen..."
"#ichhabnichtangezeigt, weil ich seit ich zehn Jahre alt war von meinem fünf Jahre älterem Cousin belästigt und missbraucht wurde. Damals wusste ich gar nicht, dass es nicht in Ordnung war."
"#ichhabnichtangezeigt, weil ich dachte es sei normal (Zeitspanne: über 10Jahre) weil ich immer ein lieber junge sein wollte."
"#ichhabnichtangezeigt, weil meine Mutter neben mir lag und mir nicht half."
"Eine Frau muss die Vergewaltigung erst einmal beweisen", sagt Daniela Oerter (46). Sie und vier andere Frauen haben die Online-Aktion #ichhabnichtangezeigt ins Leben gerufen. Sie kennen sich aus dem "Münchener Aktionskreis gegen sexualisierte Gewalt" und engagieren sich ehrenamtlich für die Kampagne. Und sind selbst betroffen, mit Opfern befreundet oder verwandt.
"Ein Vergewaltigungsopfer muss ungeduscht einen Arzt aufsuchen, das muss es erstmal schaffen", sagt Oerter. "Viele Menschen haben ein festes Täterbild von einem Verrückten, der im Park rum rennt." Doch der Großteil der Täter komme aus der Familie, dem Freundes- oder Bekanntenkreis des Opfers und der Übergriff findet in einer Wohnung statt. Eine Anzeige falle daher vielen besonders schwer.
"Wir haben gedacht: Wir müssen etwas tun. Die Dunkelziffer der Opfer ist so hoch", sagt Oerter. Aber warum ist gerade eine öffentliche Internet-Seite der richtige Ort für solch ein sensibles Thema? Aufgrund der Anonymität sei das soziale Netzwerk für die Betroffenen "wie ein geschützter Raum", sagt Oerter. Gleichzeitig wird das Medium Internet genutzt, um auf das Thema der sexualisierten Gewalt aufmerksam zu machen. Auf der Internetseite steht „Hier ist Platz für Ihre Stimme. Wir glauben Ihnen."
Jahre oder sogar Jahrzehnte hatten die Männer und Frauen das Gefühl, dass ihnen nicht geglaubt werden würde. Manche verdrängten den Übergriff oder vergaßen ihn, weil das Erinnern zu schmerzhaft war. Sie behielten das Geheimnis über das wohl schlimmste Erlebnis in ihrem Leben für sich. Jetzt schreiben sie darüber. Die Sätze der Männer und Frauen werden gegebenenfalls gekürzt. Die Opfer sollen keine Details schildern, denn "niemand soll eine Retraumatisierung erleiden", sagt Oerter. Auf den Internetseiten sind Links zu dem Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe zu finden, bei denen die Opfer Hilfe erhalten.
Am 31. Mai 2012 wird die Aktion beendet. Die Organisatorinnen werden die vielen Nachrichten noch einmal sichten und zusammenfassen. Dann sollen sie der Polizei und Staatsanwaltschaft übergeben werden. "Wir erwarten eine Stellungnahme zu dem Klima des Schweigens", sagt Oerter. Auch ein Katalog mit genauen Forderungen zum juristischen Umgang mit vergewaltigten Frauen ist in Planung. Denn auch wenn das Thema unbequem und unangenehm ist, "das gesellschaftliche Klima muss sich ändern", sagt Oerter. Damit mehr Menschen den Mut haben und sich trauen ihre Vergewaltiger anzuzeigen.













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am um
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BRIGITTE.de-Team
am 05.11.12 um 10:46
Hallo Gewaltopfer,
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Gewaltopfer
am 03.11.12 um 20:04
was soll ich tun meine mutter will mich vieleicht auf die straße werfen obwohl ich erst 12 bin was soll ich tun
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mickilisa
am 05.09.12 um 18:46
habt ihr jemanden?ich nicht
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mickilisa
am 05.09.12 um 18:36
bei mir wars o nkel und vater aber nicht richtig
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Manu
am 02.09.12 um 14:12
Ich bin meine ganze Kindheit von meinem Vater missbraucht und vergewaltigt worden, mindestens über 12 Jahre. Warum nicht angezeigt? Weil ich zum schweigen gezwungen wurde. Ich meine Familie damit schützen musste. Und als man endlich den Mut hatte endlich das Schweigen zu brechen ,war es verjährt. Es darf keine Verjährungsfrist für solche Taten geben. Aber bis da eine Veränderung eintritt, wird noch viel Zeit vergehen,wenn überhaupt. Trotzdem kann ich nur jedem Opfer raten , schweigt nicht mehr und zeigt es an,damit genau das nicht passiert: das es verjährt. Denn ihr seid nicht mehr mit diesem Thema allein. Und mittlerweile gibt es großes Netz an Hilfen, ihr müsst sie nur nutzen und einen Anfang wagen. Und es gibt Menschen die einem Glauben schenken. Und ich kenne es aus meiner eigenen Erfahrung, es geht euch dann ein wenig besser.
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Stillschweigen
am 16.07.12 um 12:47
ich war 16 als es passierte ich war mit dem zug auf dem nachhauseweg ich hatte mich mit freunden in essen getroffen gegen 22 uhr habe ich den zug nach hause in richtung dortmund genommen es war das erste mal das ich so lange draussen bleiben durfte hatte mich sehr gefreut ich bin immer davon ausgegangen das sowas jungen nie passieren würde in dem wagon wo ich saß und musik hörte über kopfhörer ist es dan passiert ein mann mittlerem alter grif mich von hinten und began sein werk ich konnte nie darüber reden habe es bis heute nie jemanden erzählt ich bin heute 28 jahre alt und habe bis heute meine angst vor zügen bussen und bahnen nie überwunden ich war in therapy aber auch da konnte ich mich nicht behandeln lassen ebend weil ich nie drüber sprach ich meine damals hab ich gedacht wer glaubt schon einen jungen der sich hätte währen können =(
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Stillschweigen
am 02.06.12 um 22:21
#ichhabnichtangezeigt, weil es schon so lange her ist und es überwiegend in meiner Familie stattfand und die Beweise, die ich habe, nicht ausreichen. Aber ich wollte auch lange meine Familie schützen, weil ich mich nicht stark genug gefühlt habe. Nach langer Therapie kann ich es jetzt klarer sehen und auch wahrnehmen, was sie mir alles Schreckliches angetan haben in meiner Kindheit über viele Jahre hinweg.
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Täterschutz
am 31.05.12 um 19:39
Ich kann mich den Meinungen und Erfahrungen meiner VorrednerInnen nur anschließen.
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Stillschweigen
am 24.05.12 um 00:37
Ich habe es nicht angezeigt, weil ich damals noch zu jung war, um zu verstehen und zu Stillschweigen manipuliert wurde. Ich hatte es dann viele Jahre ganz verdrängt und als es wieder auftauchte, hatte ich es erstmal selbst nicht mehr geglaubt und ich hatte auch das Gefühl, dass mir auch sonst niemand glauben würde. Befreundete Menschen, denen ich es erzählen wollte, taten es ab, sogar ein Fachmann, der mich anfangs behandelte, kippte um und meinte, vermutlich wäre doch gar nichts geschehen, da er mit seiner Behandlungsmethode nicht so schnell Erfolg hatte. Die Behandlung dauert bis heute an.
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Wirklichkeit
am 23.05.12 um 09:49
Wie sonst ist es zu verstehen, dass die Verurteilungsquote bei Vergewaltigungsanzeigen seit Jahren niedriger wird? Es werden immer mehr Vergewaltigungen angezeigt aber die Zahl der Verurteilungen hat sich nicht erhöht.
mehr (13)wenn Sie in Not sind, empfehlen wir Ihnen dringend, sich Hilfe zu holen. Sie können sich entweder direkt an die Polizei wenden oder auch an den Frauen- und Mädchennotruf, Tel. 030 322 99 500, www.frauen-gegen-gewalt.de. Dort wird man Sie auf jeden Fall ernst nehmen und Ihnen weiterhelfen!
Alles Gute und herzliche Grüße
Ihr BRIGITTE.de-Team
nur begrabbelt sagt man.bin heute 39 kein partner,
meine vergangenheit holt mich immerwieder ein und lässt mich daran denken aber ich habe angst und kann nicht drüber reden es ist ja a
Aber meine übrige Familie würde mir auch heute nicht glauben und nie zu mir stehen, eher zum Täter und ich würde womöglich zum Täter gemacht - der quasi auch noch die Familie zerstören will. Also habe ich mich dazu entschieden: Möglichst wenig Kontakt zu meiner Familie zu halten. Traurig ist nur, daß ich selbst schon so viel Geld für Therapie investieren mußte. Und der (die) Täter kommen ungeschoren davon.
Die Folgen eines Mißbrauchs sind enorm. Bei mir dauert die Therapie schon lange, aber sie ist für mich lebenswichtig und steht an erster Stelle meiner Wichtigke
Aufgrund der negativen Erfahrungen im Dritten Reich haben wir es nun mit einem Rechtssystem zu tun, dass den Täterschutz höher bewertet als den Operschutz.
Die Polizei arbeitet oftmals unsorgfältig und sehr langsam, so dass sich der Täter zwischenzeitlich mühelos auf die Flucht begeben kann. Wenn der Vergewaltiger nicht ausfindig gemacht werden kann, wird das Verfahren einfach eingestellt. Was für eine Verhöhnung und Demütigung des Opfers!
In Deutschland lohnt es sich, eine Vergewaltigung zu begehen, zumal die Täter oftmals freigesprochen werden oder die Strafmaße meist lächerlich gering sind. Was ist aber mit den Opern, die jahrelang oder sogar ein ganzes Leben traumatisiert sind?
Wie sonst ist es zu verstehen, dass der Staat die Übernahme der Opferanwaltkosten für Vergewaltigungsopfer im Strafverfahren seit paar Jahren immer mehr ablehnt?
Wie sonst ist es verstehen, dass Opfer es als einen Sieg betrachten sollen, wenn bei der Haushaltsdebatte mal nicht bei Opferschutz gekürzt wurde?
Es werden immer schöne Gesetze erlassen, die suggerieren, dass viel für Opfer getan wird. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus!