Alternativer Nobelpreis
Sima Samar: "Die Frauen in Afghanistan sind stark"
Klein, zäh, unerschrocken: Die Ärztin Sima Samar wurde für ihr Engamenent in Afghanistan mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Wir stellen die außergewöhnliche Frau vor.
Wer sie ist: Eine afghanische Ärztin und Menschenrechtlerin. Die 55-Jährige war außerdem erste Ministerin für Frauenangelegenheiten und Stellvertreterin von Präsident Karzai.
Was sie ausmacht: Ihre Kämpfernatur. Wenn sie Unrecht sieht, dann muss sie etwas dagegen tun. Eine Eigenschaft, die sie bei vielen afghanischen Frauen beobachtet: "In Afghanistan sind die Frauen ziemlich stark. Stellen Sie sich vor, sie haben 35 Jahre Krieg überlebt - aber sie sind immer noch da!", so Samar gegenüber Tagesschau.de. Auch sie selbst hat Schlimmes hinter sich: 1984, während der russischen Besatzung, verschwanden ihr Ehemann und seine drei Brüder - sie hat sie nie wieder gesehen. Statt zu verzweifeln, floh die damals 30-Jährige mit ihrem jüngsten Sohn nach Pakistan und gründete eine Klinik für afghanische Flüchtlinge. Sie konnte das Elend in den Flüchtlingslagern nicht ertragen.
Was sie bis heute erreicht hat: 1989 gründete sie die Shuhada Organisation, die heute 15 Kliniken in Afghanistan betreibt. Rund 3,3 Millionen Menschen konnten so dank Sima Samar behandelt werden, vor allem Frauen und Kinder. Außerdem baute ihre Organisation 70 Schulen in Afghanistan auf. Das Foto zeigt sie 2003 beim Besuch einer Mädchenschule in der Daikundi-Provinz. Während der Taliban-Herrschaft waren die Shuhada-Schulen die einzigen, die Mädchen eine höhere Bildung ermöglichten. Viele unterrichteten heimlich im Untergrund.
Worauf sie stolz ist: "Es ist mir gelungen eine unabhängige Menschrechtskommission in einem Land zu etablieren, in dem es früher schon ein Verbrechen war, das Wort 'Menschenrechte' nur auszusprechen." Sima Samar engagiert sich seit dem Sturz der Taliban für den Aufbau der Demokratie: Von 2001 bis 2002 war sie die erste Ministerin für Frauenangelegenheiten und Stellvertreterin von Präsident Hamid Karzai. 2004 wurde sie Vorsitzende der neu gegründeten "Afghanistan Independent Human Rights Commission" und wirbt unermüdlich, auch bei westlichen Politikern wie Hillary Clinton, für einen besseren Schutz der Menschenrechte in Afghanistan.
Womit sie leben muss: Morddrohungen gehören für Sima Samar zum Alltag. Die radikalen Warlords, die in Afghanistan wieder an Macht gewinnen, werfen ihr Gotteslästerung vor, weil sie Steinigungen und Gewalt gegen Frauen verurteilt. Ohne Bodyguards geht sie nicht mehr aus dem Haus. Das Foto zeigt sie während einer Pressekonferenz zum Thema systematische Gewalt gegen Frauen. Die Frau auf dem Bild rechts ist die Juraprofessorin und Menschenrechtlerin Hamida Barmaki, die 2010 bei einem Selbstmordattentat ermordet wurde.

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