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Erfahrungsbericht

Vergewaltigung: Warum schweigen so viele Frauen?

Vergewaltigung ist strafbar. Und trotzdem haben die wenigsten Frauen den Mut, den Täter anzuzeigen. Nur knapp 8000 Fälle kommen vor Gericht, die Dunkelziffer liegt bei 80.000. Jetzt sorgt der Fall der damals 15-jährigen Nadine (Name geändert) für Schlagzeilen. Sie hatte 2009 den Mut, Anzeige wegen Vergewaltigung zu stellen, wenn auch erst ein halbes Jahr nach der Tat. Das Gericht sprach den Angeklagten nun frei, weil sich das Mädchen nicht genug gewehrt habe. Lesen Sie hier, was Sie nach einer Vergewaltigung sofort tun sollten, und den Erfahrungsbericht von Ramona*, einer vergewaltigten Frau, die ihr Schweigen gebrochen hat.

In diesem Artikel:

Zwei Vergewaltigungen hat sie erlebt. Über die erste hat die 29-Jährige lange geschwiegen. Die zweite hat sie gleich angezeigt. Ramonas Geschichte zeigt, dass es sich lohnt, den Täter nicht davonkommen zu lassen.

"Nach meiner ersten Vergewaltigung vor neun Jahren ging ich nicht gleich zur Polizei. Ich hatte Angst, man würde mir nicht glauben. Ich war 20, war mit einem Mann nach Hause gegangen, den ich kaum kannte. Wir küssten uns, aber als er Sex wollte, sagte ich Nein. Er hat gegen meinen Willen mit mir geschlafen. Ich traute mich nicht, ihn anzuzeigen, weil ich ja freiwillig mitgegangen war, ich schämte mich.

Aber er ließ mir keine Ruhe, verfolgte mich, baute sich in meinem Lieblingslokal vor mir auf und guckte mich höhnisch an. Ich lebe auf dem Land, man kann sich kaum aus dem Weg gehen. Mein Hass auf ihn wurde immer größer, jede Begegnung empfand ich als Demütigung.

Nach einem halben Jahr hielt ich es nicht mehr aus und wagte mich zur Polizei - obwohl ich keinerlei Beweise hatte. Aber ich wollte mich wehren, er sollte sich nicht als Sieger fühlen. Die Kripobeamtin fragte, ob mein Leben bedroht gewesen sei, sie sprach von verschmähter Liebe und glaubte mir nicht. Ich bereute, dass ich damals nicht zur Spurensicherung gegangen war.

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Zwei Jahre später wurde ich wieder vergewaltigt. Fast sieben Jahre ist das jetzt her. Dieses Mal ging ich sofort zur Polizei. Weil ich Angst vor ihm hatte und weil ich andere Frauen vor ihm schützen wollte.

Inzwischen weiß ich: Eine Vergewaltigung endet nicht mit der Tat. Man geht durch die Hölle, wenn man sie anzeigt, und man geht auch durch die Hölle, wenn man hinterher nichts unternimmt.

Seit einem Jahr waren Martin* und ich ein Paar. Er war vier Jahre älter als ich. Am Anfang gab er sich charmant. Das blieb er auch nach außen, aber wenn wir allein waren, rastete er immer häufiger aus. Weil ich zu spät von der Arbeit kam, weil ich mit einem Mann geredet hatte. Er schlug mich, zweimal musste ich ins Krankenhaus. Nach jedem Ausfall bat er zerknirscht um Verzeihung, und ich schaffte es nicht zu gehen.

*Namen von der Redaktion geändert

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  • Protokoll: Claudia Kirsch
    Foto: Plainpicture
    BRIGITTE, Heft 17/11
BRIGITTE
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