Eine Zukunft ohne Hunger - ist das möglich?

Bio oder Gentechnik - wohin geht die Reise? Hunderte von Experten diskutieren in Johannesburg über die Zukunft der Landwirtschaft.

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Die Agrarökologin Dr. Angelika Hilbeck gehört zu den über 900 Wissenschaftlern, die am internationalen Forschungsprojekt IAASTD (International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development) mitgearbeitet haben. Sie hat sich mit dem umstrittenen Thema Biotechnologie befasst - und damit den Zorn der Gentechnik- Industrie auf sich gezogen. Im Interview mit BRIGITTE.de erklärt sie, was bislang in der Entwicklungshilfe falsch gelaufen ist und warum sie Gentechnik nicht für die beste Lösung für Entwicklungsländer hält.

BRIGITTE.de: Weltweit hungern über 800 Millionen Menschen, andere leben im Überfluss. Was läuft falsch?

Angelika Hilbeck: Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen großen Einschnitt in unserer Landwirtschaft. Es wurde verstärkt auf Technik und Chemie gesetzt, auf moderne Landmaschinen und Pestizide. Monokulturen entstanden, gegen Schädlinge wurde gespritzt. Wir dachten, das Konzept funktioniert auch für Länder wie Afrika. Das war unser Fehler. Die dortigen Regierungen unterstützten die Bauern nicht mit Subventionen wie bei uns, ihnen fehlte schlicht das Geld für teure Maschinen oder Spritzmittel gegen Schädlinge.

BRIGITTE.de: Wie können wir sinnvoll helfen?

Angelika Hilbeck: Entscheidend ist, dass wir Lösungen vor Ort finden, die die betroffenen Bauern selbstständig weiterführen können. Wir müssen erstmal klären, welche Pflanzen wo und wie angepflanzt werden, und dann sehen, was man verbessern kann. Ein Beispiel: In Afrika ist die Maisernte durch den Stengelbohrer und das parasitische Unkraut Striga gefährdet. Der Stengelbohrer ist ein Insekt, das den Maisstengel aushöhlt. Das Forschungsinstitut ICIPE (African Insect Science for Food and Health), das auf biologische Schädlingsbekämpfung spezialisiert ist, hat eine Methode entwickelt, um die Schadinsekten auf einfache und billige Art wieder loszuwerden. Sie haben in Kenia Napiergras (auch Elefantengras genannt) außen um die Maisfelder gepflanzt, und das Bohnengewächs Desmodium zwischen den Mais. Napiergras zieht die Stengelbohrer an, Desmodium stößt sie ab - die Insekten wurden vom Mais weggelockt. Die Stengelbohrer legen ihre Eier im Napiergras ab - durch den klebrigen Stoff, den die Pflanze absondert, werden die meisten Eier abgetötet und der Schädling damit vernichtet. Das Bohnengewächs zwischen den Reihen vertreibt nicht nur den Stengelbohrer, sondern hilft auch gegen das kaum ausrottbare Unkraut Striga. Für solche sinnvollen lokalen Lösungen gibt es aber kaum Gelder. Das muss sich dringend ändern, solche Projekte müssen mehr unterstützt werden.

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  • Interview: Monika Herbst
    Fotos: Riehle/laif; Thomas Schulze/dpa; privat
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