Die Klimawandlerinnen: Frauen im Einsatz für die Umwelt
Wussten Sie, dass Frauen besonders vom Klimawandel betroffen sind? Denn 70 Prozent der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, sind weiblich. Und es sind vor allem die ärmeren Länder, die unter Dürre und Naturkatastrophen leiden. Doch die Frauen legen nicht die Hände in den Schoß und jammern. Sie versuchen sich anzupassen, ihre Situation zu verbessern und etwas für die Umwelt zu tun. Sei es, indem sie Brunnen bauen oder für Ökostrom werben. Wir stellen Ihnen acht dieser "Klimawandlerinnen" vor.
Paulina Pally Canaza, Landwirtin aus Bolivien:
"Ich merke, dass sich das Klima sehr verändert hat. Früher hatte alles seine bestimmte Zeit. Es regnete in der Regenzeit, es schneite im Winter und der Wind wehte in einer bestimmten Zeit. Heute kann es jederzeit regnen und schneien."
Wie sie auf den Wandel reagiert: Paulina leitet eine Frauenorganisation, die Bäuerinnen der Region vernetzt. Damit Einzelne nicht zu stark unter Missernten leiden, teilen die Frauen die Erträge untereinander auf. Sie schaffen gemeinsam Maschinen an und entwickeln Strategien gegen Ungeziefer. Paulina wünscht sich, dass die Bäuerinnen mit ihrem Know-how besser in politische Prozesse eingebunden werden.
Gladis Kobwa, Landwirtin aus Tansania:
"Da wir uns heute nicht mehr auf die Landwirtschaft verlassen können, habe ich entschieden, über weitere Tätigkeiten Einnahmen zu erzielen. Ich betreibe daher
auch noch Gartenbau und halte Schweine und Hühner. Zudem nähe ich Schultaschen und verkaufe sie an Schulkinder; ich braue lokales Bier und manchmal
nehme ich auch Gelegenheitsjobs an."
Wie sie anderen hilft: Trotz ihrer vielen Pflichten und sieben Kinder unterstützt Gladis andere Dorfbewohner beim Kampf gegen die Armut. Sie setzt sich für eine nachhaltige, vorausschauende Landwirtschaft und die Aufforstung der Wälder ein.
Farina Regn, Künstlerin aus Deutschland:
"Ich träume von einer Welt voller Gärten. Ein Garten ist für mich ein geschützter, von Menschenhand gestalteter, Raum, wo Dinge wachsen können und wo Menschen friedlich auf der Basis von freien Kooperationen wirtschaften."
Was ihr wichtig ist: Vom eigenen Gemüseanbau bis zum Klamottentausch-Ring - Farina sucht ständig nach Alternativen, mit denen sie die Ressourcen schonen kann. Gemeinsam mit den Menschen aus ihrem Wohnprojekt setzt sie sich die Umwelt in ihrer Region ein. Für sie ist es selbstverständlich, dass die reichen Industrieländer, den ärmeren Teil der Welt beim Kampf gegen den Klimawandel unterstützen.
Martha Waziri, Nonne und Landwirtin aus Tansania:
"Im Vergleich zu früher sehen wir momentan
große Veränderungen im Niederschlagsverhalten. Es gibt wenig Niederschlag während der Regenzeit, was zu Wasserknappheit führt. Auf der anderen Seite kommt es dann wieder zu heftigem Regen, der auch Probleme mit sich bringt."
Wie sie auf den Wandel reagiert: Zusammen mit den Jugendlichen aus ihrem Dorf hat sie einen Brunnen gebaut, um während der Regenzeit das Wasser zu sammeln. Auf diese Reserve können sie und andere Dorfbewohner während der Dürre zurückgreifen. Außerdem kämpft Martha um die Rückgewinnung landwirtschaftlichen Bodens, indem sie selbst hergestellten organischen Kompost benutzt und Methoden entwickelt, um die Erosion zu stoppen.
Dr. phil. Claudia Burckhardt, Rentnerin aus Deutschland:
"Das Bisschen, was ich tun kann, um meinen Kindern nicht das absolute Chaos
oder die Katastrophe zu hinterlassen, das will ich wenigstens tun."
Wie sie sich engagiert: Claudia kämpft seit vielen Jahren in verschiedenen Bürgerinitiativen gegen Atomkraft und für die Ausbau regenerativer Energien. Sie organisiert Events, Demonstrationen und versucht, andere Menschen zum Mitmachen zu motivieren.
Egla Ngubi, Landwirtin aus Tansania:
"Für eine bessere Umwelt und ein besseres Klima reicht es natürlich nicht aus, wenn nur ich und meine Familie etwas tun. Wir müssen uns alle gemeinsam darum bemühen."
Wie sie mit dem Klimawandel lebt: Egla baut nun Feldfrüchte an, die dürreresistent sind und kürzere Wachstumsphasen haben. Außerdem überzeugt sie andere Frauen davon, auf ihrem Land Bäume zu pflanzen. Inzwischen hat das Dorf sogar eine eigene Baumschule.
Evarista Troncoso, Schäferin und Politikerin aus Bolivien:
"Die indigenen Völker müssen mit Hilfe der richtigen politischen Maßnahmen gestärkt werden. Unser Wissen muss wieder angewandt und unsere Werte müssen wieder gelebt werden, um die Natur zu schützen."
Wofür sie sich einsetzt: Hitze, Frost, Trockenheit - Evaristas Dorf ist stark vom Klimawandel betroffen. Sie versucht die Bewohner zu motivieren, dagegen anzukämpfen, statt zu resignieren. Als Präsidentin der örtlichen Bewässerungsvereinigung entwickelt sie Strategien gegen die Dürre und klärt die Bauern auf, wie sie ihre Felder nachhaltig bestellen.
Nadiya Dorokhova, Umweltberaterin aus Deutschland:
"Nach dem Umzug nach Deutschland wurden meine Abschlüsse nicht anerkannt und ich musste fast von Null anfangen. Meine erste Tätigkeit hier war das
Engagement für das Projekt 'Migranten für Agenda 21'.
Was sich hinter dem Projekt verbirgt: Die Ukrainerin informiert andere Migranten und Migrantinnen über Umweltschutz und Energiesparen. In ihren Beratungen zeigt sie, welche Hilfsmittel und Kniffe
angewandt werden können, um Ressourcen zu sparen. Dazu gehört zum Beispiel das richtige Lüften, Heizen und Waschen oder die Nutzung von Energiespargeräten. Ihre Arbeit macht sie ehrenamtlich.
Die Fotos und Porträts sind Teil einer Ausstellung des Projekts "Frauen stärken. Klima wandeln!". Das Projekt hat der Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen (VEN) in Kooperation mit der Stiftung Leben und Umwelt und in pädagogischer Verantwortung des Vereins Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB) ins Leben gerufen. Mehr Infos unter www.ven-nds.de
Fotos: Cintia Ruth Guzman Davalos, Joseph Andrea Shirima, Christian Wyrwa, Jakob Huber, Eduardo Inclan
Sie wollen auch die Umwelt schützen? Tipps gibt's im Öko-Berater von BRIGITTE.de

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