Reisen

Nachhaltiger Tourismus: Die besten Tipps

  • 1 Kommentar
  •  
  •  
In diesem Artikel:

Interview mit Thomas Schmitt von der Uni Bochum: Ist Masse doch klasse?

Bettenburgen haben ein schlechtes Image, aber der Umwelt schaden sie weniger als der raumgreifende Neubau von Villen im Hinterland. Prof. Dr. Thomas Schmitt, Geograph an der Ruhr-Universität Bochum, hat auf Mallorca untersucht, warum das so ist.

Professor Thomas Schmitt

Professor Thomas Schmitt

BRIGITTE.de: Sie haben für eine Studie die ökologischen Auswirkungen von Massen- und Qualitätstourismus auf Mallorca verglichen. Was ist Qualitätstourismus eigentlich?

Prof. Dr. Thomas Schmitt: Davon gibt es unterschiedliche Formen und Definitionen. Eine besagt, dass Nachhaltigkeit ein Qualitätsmerkmal sein muss. Auf Mallorca dagegen versteht man unter Qualitätstourismus de facto, hochwertige Urlaubsangebote für ein finanzkräftiges Klientel anzubieten, vom 5-Sterne-Hotel im Hinterland bis zum Sportboothafen.

BRIGITTE.de: Wo ist das Problem?

Prof. Dr. Thomas Schmitt: Qualitätstourismus dieser Art verbraucht pro Tourist und Tag mehr Landschaft und Wasser als der Massentourismus. Für den Bau von Villen und Luxusapartments als Zweitwohnsitz müssen Wälder, Heide- und Gebüsch-Flächen weichen. Wir haben 2008 den Landschaftsverbrauch in der Gemeinde Calvià im Südwesten Mallorcas untersucht und verglichen, wie viel Fläche pro Tourist beansprucht wird. Ein Urlauber in einem Hochhaushotel 'verbraucht' im Durchschnitt 10 bis 15 Quadratmeter, ein Urlauber in seiner Zweitwohnung 500 Quadratmeter. Während ein Hotelzimmer im Idealfall ganzjährig belegt ist, steht die raumgreifende Luxus-Zweitwohnung häufig leer.

BRIGITTE.de: Wie fällt der Vergleich beim Wasserverbrauch aus?

Prof. Dr. Thomas Schmitt: Auf Mallorca ist die Trinkwassersituation seit den 1980er Jahren im Sommer generell angespannt. Während in ländlichen Gemeinden der Pro-Kopf-Verbrauch bei weit weniger als 100 Liter Wasser pro Tag liegt, erreicht er in touristischen Gemeinden 250 bis 400 Liter.

BRIGITTE.de: Liegt das an den Swimmingpools?

Prof. Dr. Thomas Schmitt: Nicht in erster Linie, soweit wir das beurteilen können. Das Problem ist die Bewässerung von Grünflächen. Zum Beispiel benötigt ein Golfplatz pro Tag im Durchschnitt so viel Wasser wie ein Ort mit 8000 Einwohnern, rund 2000 Kubikmeter. Erhebliche Mengen beanspruchen auch die privaten Gärten, in denen den ganzen trockenen Sommer über gegossen und gesprengt wird.

BRIGITTE.de: Wollen Sie damit etwa sagen, dass es ökologisch besser ist, keinen Garten zu haben?

Prof. Dr. Thomas Schmitt: Keineswegs, aber man sollte auf Mallorca traditionelle mediterrane Trockengärten anlegen, die auch im heißen Sommer nahezu ohne Wasser auskommen.

BRIGITTE.de: Eine aktuelle Untersuchung der Autonomen Universität Barcelona kommt zu dem Ergebnis: Der umweltbewusste Tourist sollte im Hotelhochhaus wohnen. Ihre Studie von 2007 bilanziert: Ballermann war besser. Sollten künftig also wieder mehr Betonburgen gebaut werden?

Prof. Dr. Thomas Schmitt: Nein, davon gibt es ja reichlich. Sinnvoller wäre es, die bestehenden Häuser qualitativ zu verbessern. Konkret heißt das: Hotels sanieren, ihr Niveau anheben, regenerative Energien einsetzen, Strom sparen, Müll vermeiden. In den Restaurants regionale Küche anbieten und damit die lokale Landwirtschaft fördern. Und man kann auch die Orte aufwerten, wie das zum Beispiel in S’Arenal mit der neuen Uferpromenade geschah.

BRIGITTE.de: Was wäre denn eine Urlaubsform, die Spaß macht und die Umwelt schont?

Prof. Dr. Thomas Schmitt: Agrotourismus. Da wohnt man auf dem Land in Häusern, für die es schon lange eine Infrastruktur gibt. Sehr schön ist zum Beispiel Agrotourismus in der Serra de Tramuntana im Westen Mallorcas. Man wandert in Etappen von einem Ort zum anderen und wohnt in hochwertigen Hotels.

BRIGITTE.de: Und wohin sollten umweltbewusste Urlauber gehen, die am Meer wohnen möchten?

Prof. Dr. Thomas Schmitt: In eines der vielen gut geführten großen Hotels. Es muss ja nicht am Ballermann sein.

Seite:

  1. 1
  2. ...
  3. 4
  4. 5
  5. 6
  6. 7
  7. 8
  • Artikel vom 28.09.2011
  • Text: Doris Ehrhardt
    Foto: Mauritius
BRIGITTE
im Abo