Probewohnen im Passivhaus
- In diesem Artikel:
-
- Vorurteil 1: "Da kann ich ja gleich in eine Plastiktüte ziehen!"
- Vorurteil 2: "Fenster aufreißen - das geht dann nicht mehr."
- Vorurteil 3: "Durch den Luftaustausch zieht es immer irgendwo."
- Vorurteil 4: "Im Winter ist es in einem Passivhaus viel zu kalt."
- Vorurteil 5: "Die ganze Technik ist viel zu kompliziert."
- Vorurteil 6: "So ein Haus kann sich doch kein normaler Mensch leisten!"
- Info zum "Tag des Passivhauses"
Vorurteil 3: "Durch den Luftaustausch zieht es immer irgendwo."
Hier zieht nichts: Angelika Reinke in ihrem Lieblingssessel am Fenster
Nach dem Essen kuschele ich mich in einen Sessel neben der großen Fensterfront. Draußen wirbelt der Wind Blätter durch den Garten. Im Haus ist davon nichts zu spüren, keine kalten Scheiben, kein Zug. Eigentlich seltsam, denke ich. Müsste durch die Lüftungsanlage nicht auch Zugluft entstehen? Thomas Reinke zeigt auf ein rundes Ding an der Decke, das aussieht wie ein Rauchmelder. "Hier wird die verbrauchte Luft abgesaugt." Ich klettere auf einen Stuhl und halte die Hand in die Nähe des Absaugers. Tatsache, die Luft ist still. Das Gleiche gilt für den Zulüfter am Boden. Erst als ich die Hand direkt davor halte, spüre ich einen leichten Zug. "Die Luftmassen bewegen sich so langsam, dass der Mensch das gar nicht wahrnimmt." Wir sind beeindruckt. Thomas Reinke strahlt.
Vorurteil 4: "Im Winter ist es in einem Passivhaus viel zu kalt."
Der Bauingenieur kommt nun richtig in Fahrt. Bei einem Rundgang durchs Haus erzählt er von dessen raffinierten Wärmetauschsystem. "Zunächst wird die Luft durch die Erde geleitet, wodurch sie sich im Sommer abkühlt und im Winter erwärmt." Ein weiterer Wärmetauscher befinde sich in den Lüftungsrohren: Über eine Wärmeplatte gebe die Abluft ihre Wärme an die kühle Frischluft ab. "So kommt auch im Winter angenehm warme Luft ins Haus!" Und falls es wirklich mal sibirisch kalt werde, fügt seine Frau hinzu, hätten sie ja noch die Fußbodenheizung, die über Solarenergie betrieben werde. Mein Freund und ich schauen uns an. Bisher war Heizen so schön einfach: Heizung an, Heizung aus. Vielleicht sind Passivhäuser doch nur was für Freaks?












