Klimawandel
Umweltschutz: Neun Nachrichten, die Mut machen
Gipfeltreffen zum Thema Umweltschutz hinterlassen oft ein Gefühl der Ohnmacht. Doch zum Glück gibt es auch gute Nachrichten, abseits großer Konferenzen. Neun Beispiele, die zeigen, dass sich der Kampf für unseren Planeten lohnt.
Erneuerbare Energien
Noch vor Jahren schien es unvorstellbar, dass erneuerbare Energien überhaupt einen nennenswerten Anteil an der gesamten Energieerzeugung einnehmen können, allenfalls vier bis fünf Prozent waren denkbar. Und nun das Wunder: Dank technischer Fortschritte decken erneuerbare Energien heute bereits 20 Prozent des deutschen Strombedarfs. Bis 2030, so die Schätzung von Wissenschaftlern, können wir uns vollständig mit Energie aus umweltfreundlichen Quellen versorgen. Für die gesamte EU wird dies bis 2050 möglich sein. "Klimasünder" China gibt mittlerweile weltweit am meisten für erneuerbare Energien aus, Indien will innerhalb von zehn Jahren ein Drittel des Stroms mit Hilfe von Wind, Wasser und Sonne erzeugen.
Erneuerbare Energien sind auch der größte Jobmotor in einer nachhaltigen Wirtschaft: Bis zu sechs Millionen neue, grüne Jobs, so eine Prognose, werden bis 2050 in der EU entstehen.
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Atomausstieg
Auch der Atomausstieg in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte: Acht AKWs wurden 2011 in Deutschland vom Netz genommen. Dennoch gingen die Lichter nicht aus, die Stromversorgung blieb sicher, wir exportieren unterm Strich weiterhin mehr Strom als wir importieren. Und zugleich sank der CO2-Ausstoß der deutschen Energiewirtschaft - was die Argumente der Atombefürworter als Lobbypolitik entlarvt. Bis 2022 sollen die restlichen noch laufenden neun Kernkraftwerke vom Netz genommen werden.
Mit gutem Beispiel geht auch Österreich voran: 2012 beschloss die Regierung dort, ab 2015 keinen Atomstrom mehr zu importieren. Da Österreich selbst keine Kernkraftwerke hat, wäre es also atomstromfrei.
Bevölkerungswachstum
Mehr Menschen bedeuten mehr Nahrungsmittel und mehr Ressourcenverbrauch. Das weltweite Bevölkerungswachstum ist also ein entscheidender Faktor für die Zukunft unseres Planeten. Seit dem ersten Erdgipfel in Rio vor 20 Jahren ist die Weltbevölkerung von 5,6 auf 7 Milliarden angewachsen, seit 1950 hat sie sich verdreifacht. Würde man die Zahlen fortschreiben, würden wir tatsächlich in naher Zeit auf eine Katastrophe zusteuern. Doch etwas Erstaunliches passiert, was viele Wissenschaftler so nicht vorausgesagt haben: Die Geburtenrate sinkt schnell. Statt fünf Kinder wie noch vor 60 Jahren, bringen Frauen heute im Schnitt nur noch 2,5 Kinder zur Welt. Schon 2030, so die Prognose der Vereinten Nationen, wird die Geburtenrate weltweit auf das Erhaltensniveau gesunken sein.
Und wo ist der Rückgang besonders deutlich? In den Ländern, die stark in das Gesundheits- und Bildungssystem investieren, vor allem in die Bildung von Frauen. So sank auf der "Zuckerinsel" Mauritius das Bevölkerungswachstum innerhalb kurzer Zeit von vier auf 0,7 Prozent. Und in Kerala, im Süden Indiens, wo mittlerweile 90 Prozent der Mädchen und Frauen Lesen und Schreiben können, liegt die Geburtenrate nun bei 1,7 statt fünf Prozent.
Ozonschicht
Im Jahr 1985 beschrieben amerikanische Forscher erstmals das "Ozonloch", die Ausdünnung der Ozonschicht, die unsere Erde vor den gefährlichen UV-Strahlen der Sonne schützt. Als Ursache wurden FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) ausgemacht, wie sie vor allem in Sprays enthalten waren. Nie zuvor (und leider auch nie mehr danach) haben sich Regierungen weltweit so schnell auf eine Umweltschutzmaßnahme geeinigt. Schon 1987 unterzeichneten sie das "Montrealer Protokoll". Die Produktion von FCKW wurde halbiert, schließlich nahezu ganz verboten. Das kam wahrscheinlich gerade noch rechtzeitig: Das Ozonloch gibt es immer noch, denn die schädlichen Gase sind sehr langlebig. Aber in etwa 60 Jahren, so die Schätzung von Wissenschaftlern, dürfte sich die Ozonschicht weitgehend erholt haben.
Trinkwasser
Krieg um sauberes Wasser haben viele Experten für die Zukunft vorausgesagt. Doch im Frühjahr 2012 konnten Unicef und Weltgesundheitsorganisation einen großen Erfolg melden: Zwei Milliarden Menschen mehr als noch 1990 können heute sauberes Wasser trinken. Damit wurde das selbstgesetzte Ziel für 2015 vorzeitig erreicht. Verbessert werden konnte die Wasserversorgung vor allem in China und Indien mit ihrem starken Wirtschaftswachstum. Weit abgeschlagen liegen noch immer die Staaten südlich der Sahara.
Abfall
Zur Zeit des ersten Erdgipfels vor 20 Jahren waren Karikaturen en vogue, die zeigten, wie die Welt unter einem gigantischen Müllberg versinkt. So wird es nicht kommen. Müll ist heute vor allem noch ein Problem der Entwicklungs- und Schwellenländer, die einen gigantischen Nachholbedarf beim Konsum haben, aber noch nicht die entsprechenden Entsorgungstechnologien. In Deutschland stagniert der pro Kopf entsorgte Abfall bei 600 Kilo jährlich. Wir sind Erfinder und Weltmeister der Mülltrennung. Ein Großteil der ehemals 50.000 stinkenden Deponien wurde geschlossen. Die Müllverbrennungsanlagen, früher Giftschleudern, erzeugen heute dank Filtersystemen und Rauchgaswäsche weniger Emissionen als ein normales Kraftwerk. Der Müll wird nicht einfach vernichtet, sondern die entstehende Energie genutzt. Je knapper und teurer Erdöl wird, umso begehrter wird Müll als Brennstoff werden. Die Nutzung spart Primärenergie und CO2-Emissionen.
Und: Je knapper Rohstoffe wie Metalle und Holz in Zukunft werden, umso lohnender wird Recycling weltweit werden. In Deutschland werden bereits 64 Prozent des Hausmülls recycelt oder kompostiert, das ist der höchste Wert in der EU. Recycling schafft Arbeitsplätze: Mehr als 200.000 Beschäftigte zählt die Abfallwirtschaft in Deutschland, mit einem Umsatz von 50 Milliarden Euro im Jahr.
Fairer Handel
Im Jahr des ersten Umweltgipfels, 1992, wurde "Transfair" gegründet. Der gemeinnützige Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den Produzenten im Süden faire Preise für ihre Produkte zu zahlen, sodass zum Beispiel Kinderarbeit überflüssig wird. Fairer Handel und Ökologie sind eng verknüpft: Verdienen Menschen in Asien, Afrika und Südamerika beispielsweise durch Kaffee- oder Kakaobohnenanbau genug, um ihre Familien zu ernähren, werden sie nicht immer neue Flächen im Regenwald roden, um Nahrungsmittel anzubauen. Zwei Milliarden Euro Umsatz wurden mit fairen Produkten seit der Gründung von Transfair erzielt, jedes Jahr wächst der Umsatz zweistellig. Weltweit 8.000 Kleinbauernkooperativen arbeiten nach fairen Bedingungen, Millionen Menschen profitieren davon.
Ökologischer Landbau
Biolandwirtschaft schützt Boden, Klima und Trinkwasser, verzichtet auf Kunstdünger und Pestizide. Die Nachfrage nach Bioprodukten boomt und die Ökolandwirtschaft ist auf dem Vormarsch. In Europa ist die ökologisch bewirtschaftete Fläche von 0,5 Millionen Hektar vor 20 Jahren auf heute 10 Millionen Hektar gestiegen. Spitzenreiter in der EU ist Österreich, wo bereits 19 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen umweltverträglich bewirtschaftet werden; Deutschland nimmt einen Mittelplatz mit sechs Prozent ein.
Doch wie soll man eine wachsende Weltbevölkerung künftig ernähren, da die Erträge im Ökolandbau doch niedriger ausfallen? Experten sind sich einig: Mit technischem Know-how ist das möglich. In Deutschland sinkt seit den 90er Jahren der Absatz von Kunstdünger, dennoch steigen die Erträge weiter. Und erst vor kurzem ist die gigantische weltweite Lebensmittelverschwendung ins Blickfeld geraten: Etwa ein Drittel bis zur Hälfte aller Produkte verdirbt entweder noch auf dem Feld oder beim Transport, in den Supermärkten oder bei den Verbrauchern - eine gigantische Ressource! Und die Einkommen der Landwirte? Sowohl der Gewinn pro Hektar, pro Betrieb und Arbeitskraft sind im Ökolandbau höher als im herkömmlichen Sektor.

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