Familienpolitik
Ehegattensplitting - bitte abschaffen!

Eine Regierungsstudie erteilt dem Ehegattensplitting besonders schlechte Noten. BRIGITTE-Expertin Helma Sick fordert schon lange, dass solche Privilegien für Ehepaare mit klassischer Rollenverteilung endlich abgeschafft werden.

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Foto: Fotowerk/Fotolia.com

Rund 200 Milliarden Euro gibt der Staat jedes Jahr für Familien aus. Doch viele Maßnahmen der Familienpolitik sind laut einer neuen internen Regierungsstudie, die dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" vorliegt, nicht wirksam. Besonders schlecht schneide bei der Studie das Ehegattensplitting ab. Es sei das teuerste Instrument, das aber mit echter Familienförderung nichts zu tun habe und vor allem Gutverdienern nütze. Auch BRIGITTE-Finanzexpertin Helma Sick kritisiert das Ehegattensplitting schon seit Jahren. In diesem Kommentar erklärt sie, warum sie das Ehegattensplitting für volkswirtschaftlichen Unsinn hält.

Hausfrauen-Ehe: Wann ist endlich Schluss mit diesem Privileg?

Finanzberaterin Helma Sick, www.frau-und-geld.com

Finanzberaterin Helma Sick, www.frau-und-geld.com

"Es geht Sie einen feuchten Kehricht an, wie meine Frau und ich unser Leben organisieren." Solche und ähnliche Zuschriften bekomme ich gelegentlich. Und zwar meistens dann, wenn ich mich wieder einmal gegen das Ehegattensplitting und andere staatliche Vergünstigungen wende, von denen Männer mit Zuverdiener-Ehefrauen profitieren. Es ist zweifellos richtig, dass in einem freien Land jeder sein Leben einrichten kann, wie er will. Dass mich das nichts angeht, gilt aber nur, solange all das nicht von der Allgemeinheit finanziert wird. Aber das ist nicht der Fall. Denn für jede Ehe, in der es einen Hauptverdiener (meistens der Mann) und eine Hausfrau gibt, werden wir als Steuer- und Rentenzahler und auch als gesetzliche Krankenversicherte ordentlich zur Kasse gebeten.

Ich zeige einmal am Beispiel eines typischen Lebenslaufs auf, wie wir das Subventionsmodell Ehe finanzieren*:

Inge B. studiert, arbeitet ein paar Jahre, lernt dann ihren Mann kennen. Die beiden heiraten. Sie gibt ihren Beruf auf und arbeitet nur noch auf Minijob-Basis für 400 Euro (bzw. 450 Euro seit 2013) im Monat. Ihr Mann sitzt vollzeit im Büro. Was kostet das die Allgemeinheit? Ein durchschnittliches Studium schlägt mit ca. 30.000 Euro zu Buche. Der Staat finanziert die Ausbildung an Universitäten, weil das Geld - so zumindest die Idee - in einem anschließenden Arbeitsleben durch diverse Abgaben zurückkommen soll. Das Modell klappt in diesem Fall allerdings nicht, weil bei einem Minijob ja keine nennenswerten Steuern und Sozialbeiträge anfallen.

* Zins- und Zinseszinseffekte, Inflation und individuelle Rentenwerte sind der Einfachheit halber nicht berücksichtigt. Die Relationen hätten auch bei differenzierterer Berechnung die gleichen Größenordungen.

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  • Text: Helma Sick
    in Zusammenarbeit mit
    Heide Härtel-Herrmann, Frauenfinanzdienst Köln
    Ein Artikel aus der BRIGITTE, Heft 09/2011, aktualisiert am 5.2.2013
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