Serie: Geldtipps Geldtipps von Helma Sick

Versicherung trotz Psychotherapie

Geldtipp von Helma Sick: Was tun, wenn man wegen einer Psychotherapie von Versicherungen abgelehnt wird?

  • 0 Kommentare
  •  
  •  

Sie schreiben, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung eine der wichtigsten Absicherungen und deshalb ein Muss ist. Ja, aber was tun, wenn man keine bekommt? Ich habe nach der Scheidung eine Gesprächstherapie gemacht, um den Kummer besser bewältigen zu können. Das hat mir sehr geholfen, mir geht es wieder gut. Aber nun ist genau die Therapie, die seit einem Jahr beendet ist, der Grund, warum mein Antrag von der BU-Versicherung abgelehnt wurde: Der Abschluss der Psychotherapie müsse mindestens fünf Jahre zurückliegen. Das verstehe ich einfach nicht. Wo ist da für die Versicherung ein Risiko? Eine Psychotherapie ist doch eine anerkannte und bewährte Möglichkeit zur Krisenbewältigung . . . "

Das, was BRIGITTE-Leserin Anja K. widerfahren ist, ist leider die gängige Praxis. Es ist zwar verständlich, dass sich Versicherungsgesellschaften vor hohen Risiken schützen wollen - immerhin sind etwa 38 % aller Berufsunfähigkeitsfälle durch psychische Erkrankungen bedingt. Nicht verständlich ist aber, dass pauschal alle Versicherungsanträge abgelehnt werden, wenn sich jemand in laufender Psychotherapie befindet oder wenn die Psychotherapie in der Regel drei bis fünf Jahre zurückliegt. Denn es ist vollkommen undifferenziert, wenn psychisch kranke Menschen, die nicht mehr arbeiten können oder selbstmordgefährdet sind, in einen Topf geworfen werden mit all denjenigen, die mit einer ambulanten Psychotherapie eine Krise nach einer Scheidung oder dem Tod eines nahen Angehörigen bewältigen wollen.

Die gängige Praxis birgt für Antragsteller/innen ein Risiko: Treten in der Zwischenzeit gesundheitliche Probleme auf, z. B. nach einem Unfall, hat man kaum mehr eine Chance auf diese existenziell wichtige Absicherung. Weil Frauen ein deutlich ausgeprägteres Gesundheitsbewusstsein haben als Männer und auch eine Krisenbewältigung mit professioneller Hilfe eher in Anspruch nehmen, sind sie von der 5-Jahres-Klausel besonders hart betroffen. Die Regelung ist meiner Meinung diskriminierend und so nicht mehr zeitgemäß - eine Änderung ist dringend geboten. Aktuell gibt es leider nur die Möglichkeit, den Antrag später erneut zu stellen.

  • Artikel vom 07.08.2008
    BRIGITTE Heft 16/08
    Foto: Getty Images
  • 0 Kommentare
  •  
  •  
Sie interessieren sich für unsere Themen? Kostenlosen Newsletter bestellen

BRIGITTE im Abo

Jetzt bis zu 30% sparen
und Geschenk sichern