Erfolgsstrategie

Humor im Job: "Keine Angst vorm Lächerlichsein!"

"Erfolg lacht" ist das Motto der Humor-Expertin Jumi Vogler. Im Interview erklärt sie, warum man sich als Chef auch mal lächerlich machen sollte und wieso humorvolle Frauen bessere Karrierechancen haben.

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"Die Deutschen sehen ihren Job zu verbissen."

"Die Deutschen sehen ihren Job zu verbissen."

Foto: snaptitude/Fotolia.com

BRIGITTE.de: Frau Vogler, nehmen wir unseren Job zu ernst?

Jumi Vogler: Man kann schon sagen, dass speziell die Deutschen ihren Job oft zu verbissen sehen. Der Deutsche achtet sehr auf seinen Status und hat große Angst, sich als Mensch zu zeigen, mit allen seinen Fehlern. Er fürchtet, jede Form von Lachen könne dazu führen, dass man ihn nicht ernst nimmt. Dadurch muss er sich die ganze Zeit zusammenreißen, er ist nicht locker und lustvoll, sondern er verkrampft. In den USA ist das zum Beispiel ganz anders. Dort hat man längst begriffen, dass eine humorvolle Einstellung zum Job die Produktivität und Kreativität steigert. Fast alle großen Firmen arbeiten dort mit Humortrainern.

BRIGITTE.de: Welche Art von Humor kann mich denn im Job weiterbringen? Blondinenwitze oder Katzenvideos auf Youtube wohl kaum?

Jumi Vogler: Der Humor, den ich meine, ist mehr als nur ein Witz oder eine Blödelei. Humor ist eine innere Haltung, eine Philosophie, in der der Mensch im Mittelpunkt steht. Das heißt, man akzeptiert, dass wir alle unvollkommene Menschen sind und aus Fehlern lernen können. Diese wertschätzende Haltung sorgt dafür, dass ich eine positive Einstellung zum Job bekomme, sie macht mich entspannter, leistungsfähiger und weniger ängstlich.

BRIGITTE.de: Aber mit einem anderen Menschen nett umzugehen, macht mich doch noch nicht humorvoll. Wo kommt denn das Lachen ins Spiel?

Jumi Vogler: Humor bedeutet ein gutes menschliches Miteinander, aber mit einem Augenzwinkern. Es bedeutet Flirten mit einer roten Clownsnase. Bei diesem Flirt kommt es darauf an, dass sich der andere in Ihren Augen als etwas Besonderes spiegelt – und dann bringen Sie ihn auch noch zum Lächeln. Schon sind Sie auf dem Weg zum Erfolg. Das kann man auch gut Kunden gegenüber machen. Man muss sich nur trauen, offen zu sein und sich auch mal selbst auf die Schippe zu nehmen. Überspitzt gesagt nach dem Motto: 'Stimmt, manche Geschäftsfelder unserer Bank waren nicht so ideal. Das mit den Streubomben zum Beispiel. Machen wir jetzt auch nicht mehr.'

BRIGITTE.de: Das heißt, ich zeige Stärke, indem ich über mich selbst lachen kann.

Jumi Vogler: Genau. Eine andere Variante, durch Humor Stärke zu zeigen, ist die Provokation. Oder auch die 'paradoxe Intervention', wie ich es nenne. Ich hatte zum Beispiel mal in einem Seminar zwei Männer, die sich die ganze Zeit gestritten haben. Irgendwann reichte es mir und ich sagte ihnen: 'Sie gehen jetzt beide raus und klären das wie Männer. Ich möchte, dass Sie sich verprügeln. Vorher lasse ich Sie nicht wieder in diesen Raum hinein.' Die haben vielleicht geguckt! Aber es führte dazu, dass sie wirklich hinausgingen und miteinander redeten. Danach konnte das Training ohne Störungen weitergehen. Humor hilft also dabei, Spannungen zu lösen und Kritik zu äußern.

BRIGITTE.de: Aber wenn ich Kritik und Humor vermenge, besteht doch schnell die Gefahr, den anderen zu demütigen, weil man sich über ihn lustig macht.

Jumi Vogler: Die Gefahr besteht nur, wenn man den anderen nicht wertschätzt. Das ist die Voraussetzung. Sonst entsteht das, was ich den 'Oliver-Pocher-Humor' nenne, also den abgrenzenden, denunzierenden Humor. Das geht natürlich gar nicht. Aber wenn man Kritik mit einem Augenzwinkern vorträgt, nimmt man ihr etwas an Schärfe, ohne ihr die Wirkung zu nehmen.

Zur Person

Jumi Vogler ist Kommunikations- und Humorexpertin. Sie arbeitet als Autorin, Coach, Trainer, Speaker und Unternehmenskabarettistin. Ihr aktuelles Buch heißt "Erfolg lacht! Humor als Erfolgsstrategie", erschienen im Gabal Verlag, 223 Seiten, 19,90 Euro.

Mehr Infos unter www.jumivogler.de

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