Stress: Frisst mein Job mich auf?

Abends noch ein paar Mails, am Wochenende Anrufe vom Chef, und richtig Urlaub war schon lange nicht mehr. Ist das normal - oder ist es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen? 21 Fragen zum Stress.

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1. Kann sich in Zeiten wie heute überhaupt noch jemand leisten, über zu viel Arbeit zu jammern?

"Viele Menschen sehen sich inzwischen nur noch als Arbeitslose auf Bewährung, sind übermäßig dankbar, dass ihnen überhaupt ein Mensch einen Job gibt", meint der Münchener Soziologe und Autor Jakob Schrenk. Das führt zu einem Ideal der Selbstausbeutung, bei dem immer mehr mitmachen. Aber muss das wirklich sein? Vielleicht kann man die Angst, den Job zu verlieren oder nicht gut genug zu sein, auch reflektieren und so zu einer entspannteren inneren Haltung kommen.

2. Leicht gesagt. Bei uns sind Stellen gekürzt worden, wir haben alle viel mehr zu tun als früher ...

...und das führt natürlich erst recht zu Stress. Das Phänomen trifft übrigens immer mehr Deutsche. Eine Umfrage des ISO-Instituts in Köln ergab, dass 42 Prozent der Beschäftigten immer oder häufig unter Zeitdruck stehen. Jeder Fünfte geht meist oder immer an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Das hängt auch damit zusammen, dass Arbeitnehmer heute einzelkämpferisch vor sich hin schuften und relativ klaglos jeden Tag ihren persönlichen Arbeits-Mount-Everest erklimmen. Man sollte versuchen, mit dem Vorgesetzten darüber zu sprechen, dass schon seit längerer Zeit zu wenige Menschen zu viel Arbeit leisten müssen - und wie sich das ändern lässt.

3. Dann heißt es nur: Wir müssen sparen. Das bringt doch nichts!

Mag sein, dass sich die Arbeitszeit augenblicklich nicht reduzieren lässt. Aber wir könnten uns zumindest innerlich ab und zu ein wenig vom Job distanzieren. Experten wie Schrenk fordern zum Beispiel, Freizeit und Arbeitszeit wieder klarer zu trennen, damit der Kopf die Möglichkeit hat, abzuschalten, auch wenn die Freizeit kärglich ist.

4. Wie soll das funktionieren?

Foto: .marqs/photocase.com

Mit ganz einfachen Maßnahmen: Mindestens ein Tag in der Woche muss frei sein. Jeden Tag gibt es eine Mittagspause. Der Arbeitstag endet in dem Moment, in dem man den Computer ausschaltet - Unterlagen kommen nie mit nach Hause. Und: Das Diensthandy wird nicht mehr angeschaltet, bis der neue Tag beginnt, und schon gar nicht im Urlaub. Wer ständig verfügbar ist, erlaubt seinem Vorgesetzten und seinen Kollegen nämlich viel zu viel Zugriff auf sich selbst. Das wirkt dann so, als sei das Gehalt eine Art Flatrate für 24-Stunden-Verfügbarkeit. Und irgendwann glaubt man das dann auch selbst.

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  • Text: Anne-Bärbel Köhle
    Teaserfoto: Getty Images(1) Fotos:.marqs(2)/muffin maker/saralee Photocase.com
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