Karriereplanung
Wie viel Karriere will ich wirklich?

Karriereplanung? Chefin sein, das wäre was ... Aber ganz schön stressig. Einen eigenen Laden aufmachen ... Noch stressiger. Halt! Springen Sie doch einfach in den Job, den Sie wollen.

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1. Gelegentlich denke ich darüber nach, ob im Job noch mehr ginge. Aber woher weiß ich, dass der nächste Karriereschritt wirklich dran ist?

Gegenfrage: Wie lange zögern Sie schon? Frauen sind oft viel zu zaghaft, wenn es um den nächsten Schritt im Job geht. Nach Schätzungen von Karriereberaterinnen brauchen sie etwa 2 bis 3 Jahre länger als gleich ausgebildete Männer, um "Hier bin ich!" zu rufen, wenn es um einen ersten Führungsjob oder ein kniffeliges finanziell interessantes Projekt geht. Der Grund ist ein innerer: Wir sind ambivalent, blockiert, sabotieren unseren Erfolg.

2. Versteh ich nicht. Warum sollte ich mich beim beruflichen Weiterkommen blockieren?

Auch, wenn wir es nicht wahrhaben wollen, sind wir heute ständig zwischen zwei Weltbildern hin- und hergerissen. Einerseits sind wir längst im 21. Jahrhundert angekommen, wo Frauen selbstbewusst überall in Führung gehen. Andererseits sind wir durch die Prägung unserer Eltern teilweise noch im rigiden und sicherheitsdominierten 20. Jahrhundert verhaftet. "Deshalb haben Frauen heute zu jedem Thema zwei Meinungen, egal, ob es um Karriere oder Kindererziehung geht", erklärt Dr. Petra Bock, Coach und Beraterin aus Berlin. Das ständige Hin und Her lähmt unsere Entscheidungsfähigkeit. Und schadet uns. Denn Männer sind im Zwiespalt zwischen "altem" und "neuem" Denken zwar auch gefangen - aber lange nicht so stark.

3. Klingt frustrierend. Kann man denn etwas gegen die Selbstsabotage im Job tun?

Sogar ganz leicht. Erster Schritt: Akzeptieren, dass es die widerstreitenden Stimmen einfach gibt. Dann verstehen wir schneller, warum wir hadern. Und können uns bewusst entscheiden, die zweifelnde Stimme einfach plappern zu lassen. Wer das trainiert, handelt selbstbestimmt und setzt im Job immer mehr auf Mut und Neugier, statt auf angstvolles Sicherheitsdenken.

4. Aber bei der Berufsplanung geht es doch auch um Sicherheit und Vernunft, oder nicht?

"Reine Vernunftentscheidungen zahlen sich im Job nicht mehr aus", erklärt Svenja Hofert, Coach aus Hamburg. Der Arbeitsmarkt ändert sich so schnell, dass keiner mehr genau weiß, was ein "vernünftiger Beruf" überhaupt ist. Denn Durststrecken gibt es heute überall. Damit man sie gut übersteht, sollte man schon mit etwas Herzblut dabei sein, egal ob man eine Unikarriere oder ein eigenes Yoga-Studio plant.

5. Mal ehrlich: Was ist überhaupt eine gelungene Karriere? Gibt es heute nicht verschiedene Definitionen?

Toll ist, dass heute tatsächlich viel mehr Wege zum Erfolg führen als früher. Neben dem klassischen "vertikalen" Aufstieg ist die "horizontale Karriere" attraktiver geworden, also eine Position als gut bezahlte Fachfrau. Auch Selbstständigkeit ist heute eine Option. Dazu kommt, dass immer mehr Menschen sich eine komplett individuelle Definition von Erfolg im Job zurechtlegen. Viele setzen auf erfüllende und sinnvolle Jobs, auch wenn die nicht so viel Geld abwerfen. Ob man da noch von Karriere sprechen kann, sei dahingestellt. In jedem Fall ist es leichter geworden, sich einen Job nach den eigenen Wünschen zu suchen.

6. Heißt das auch, dass es okay ist, sich in beruflichen Dingen mehr treiben zu lassen und verschiedenste Sachen auszuprobieren?

Vorsicht: Personaler stehen nach wie vor auf den roten Faden im Lebenslauf. Man sollte Schlenker und Sprünge in der Vita immer noch gut dosieren und gut begründen. Allerdings sind buntere Lebensläufe heute nicht mehr per se ein Karrierehindernis - das hat sich tatsächlich geändert. Wer gut ausgebildet ist, hat wenig zu befürchten. Grund für die Toleranz ist der immer größere Mangel an Fachkräften. Durch diesen Trend werden z. B. auch längere Auszeiten wie Sabbaticals oder Reisen salonfähiger.

7. Auszeiten. Runterschalten. Hört sich ja gut an. Aber kann ich mir das wirklich leisten, wenn ich Ambitionen habe?

"Eine Karriere ohne Rückschritte gibt es nicht", sagt die Kreativitätstrainerin Julia Cameron. Ebenso selten sind heute Karrieren ohne Pause. Auch, weil das Berufsleben mühseliger geworden ist. "Wir müssen heute mehr leisten, um die gleiche Position zu kriegen und zu halten", sagt Professor Wolfgang Mayrhofer von der Uni Wien. Das frisst Energie. Die Burnout-Zahlen sprechen für sich. Ausruhen gehört also dazu. Pausen-Sperre haben nur Berufsanfänger. Für die heißt die Parole nach wie vor: Durchstarten.

8. Ganz grundsätzlich: Woran merke ich, ob mir Erfolg im Beruf wichtig ist?

Finden Sie heraus, welche Werte auf Ihrem Lebensplan ganz oben stehen. Ein grobes Raster für vier Job-Werte-Typen haben Forscher der Uni Zürich entwickelt. Neben dem klassischen Erfolgstyp, dem Macht und Anerkennung wichtig sind, gibt es "Eigenständige ", die zwar auch ehrgeizig sind, vor allem aber mitgestalten wollen, auf Freiheit und Kreativität abfahren. Die weniger erfolgsorientierten Typen setzen dagegen eher auf Werte wie "Sicherheit" oder "Freizeit ". Falls Sie - wie übrigens die Hälfte aller Uni-Absolventen - zu letzteren beiden Typen gehören, passt es, das Thema Job ruhiger und pragmatischer anzugehen.

9. Ich kenne meine Werte aber überhaupt nicht so genau. Wie kann ich Licht ins Dunkel bringen?

Auch wenn es ein bisschen nach Kindergarten klingt, lösen Sie es praktisch. Nehmen Sie alte Zeitschriften, Klebe und Schere und basteln Sie eine Collage zum Thema "Was mir wirklich wichtig ist". Es hat durchaus eine Bedeutung, ob Sie lachende Kinder, Südseeinseln oder die Business-Lady mit Rollkoffer ausschneiden. Gucken Sie sich das fertige Bild genau an, und leiten Sie Ihre Werte ab. Und schreiben Sie die drei wichtigsten auf einen Spickzettel, z. B. Karriere, Familie, Freiheit.

10. Die Praxis ist aber doch oft komplizierter. Angenommen, ich will Karriere und habe ein konkretes Angebot. Soll ich mich vor allem am Geld, am Team oder am Prestige orientieren?

Ein guter Maßstab bei konkreten Angeboten ist "Lebensqualität". Fragen Sie sich: Wird mein Leben durch den Schritt schöner und reicher? Das macht unbestechlich. So beleuchten wir automatisch, wie attraktiv ein gut klingendes Angebot tatsächlich ist. Manchmal kann z. B. der ach so prestigeträchtige Teamleiterposten die falsche Wahl sein, weil das Team ein Haifischbecken ist. Andererseits kann der scheinbar stressige Vertriebsposten ein Hauptgewinn sein, weil wir in einem richtig tollen Team arbeiten und viel Geld machen.

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  • Text: Anne Otto
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