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Tipps: So wehren Sie sich gegen sexuelle Belästigung

Anzügliche Blicke, Bemerkungen unter der Gürtellinie und ungeniertes Gegrapsche: Wie man sich gegen sexuelle Belästigung im Job wehren kann, erklärt Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

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Foto: gokhanilgaz/istockphoto.com

Der Klaps auf den Po, die Hand auf dem Knie - Frauen fällt es oft schwer, sich gegen solche sexuellen Übergriffe am Arbeitsplatz zur Wehr zu setzen. Dabei muss und darf man sich sexuelle Belästigung nicht gefallen lassen: Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, gibt Tipps wie Sie sich erfolgreich dagegen zur Wehr setzen können.

  • Informieren Sie sich über Ihre Rechte
    Kompliment, Flirt oder doch Belästigung? Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz definiert ganz klar, wann aus vermeintlichem Spaß Ernst wird: Diskriminierung beginnt, wenn die Würde einer Person verletzt wird. Das kann z.B. eine Berührung sein, aber auch eine Bemerkung oder das Zeigen von pornographischem Bildmaterial.
  • Informieren Sie Ihren Arbeitgeber und wenden Sie sich an die Beschwerdestelle
    Ganz wichtig ist es, Ihren Chef zu informieren, denn der Arbeitgeber hat die Pflicht, die belästigte Person zu schützen. Sollte Ihr Chef Sie dennoch nicht ernst nehmen oder sogar derjenige sein, der sich Ihnen unangemessen nähert, dann gehen Sie zur Beschwerdestelle.
  • Besorgen Sie sich Zeuginnen
    Viele Männer, die sich Ihnen aufdrängen, haben ähnliches vermutlich auch schon bei anderen Mitarbeiterinnen versucht. Sprechen Sie Ihre Kolleginnen doch einfach mal darauf an, ob ein bestimmter Kollege sich ihnen gegenüber auch schon einmal seltsam verhalten hat.
  • Sammeln Sie Beweise
    Führen Sie z.B. Protokolle, wann, wie oft und wo es zu sexuellen Belästigungen kommt. Heben Sie unangemessene SMS oder frivole E-Mails unbedingt auf, um beweisen zu können, dass sie bedrängt wurden.
  • Schweigen Sie auf keinen Fall
    Machen Sie sich klar, dass sexuelle Belästigung keine Bagatelle ist. Laut Studien wurde jede zweite Frau schon einmal sexuell belästigt – gut, dass jetzt eine öffentliche Debatte angestoßen wurde, die den Frauen Mut gibt, darüber zu sprechen.
  • Gebieten Sie anzüglichen Witzen Einhalt
    Viele Frauen fühlen sich als "Spaßbremse", wenn Sie bei schlüpfrigen Bemerkungen nicht mitwitzeln, aber fest steht: Anzüglichkeiten haben am Arbeitsplatz nun einmal nichts verloren. Tipp: Gehen Sie keinesfalls auf dümmliche Bemerkungen Ihres Gegenübers ein, indem Sie mit einem ähnlich geschmacklosen Spruch kontern. Wenn Sie mitmachen, begeben Sie sich damit auf das gleiche Niveau wie ihr Gesprächspartner.
  • Seien Sie eindeutig
    Senden Sie nicht nur Abwehrsignale, sondern stellen Sie verbal unmissverständlich klar, dass Sie sich von dem Verhalten Ihres Kollegen oder Chefs belästigt fühlen. Wenn ein einfaches "Ich fühle mich davon belästigt" nicht ausreicht, machen Sie dem Mann ruhig die rechtlichen Konsequenzen seines Verhaltens deutlich.
  • Suchen Sie die Schuld nicht bei sich
    "Es liegt an mir…", "Mein Rock war wohl zu kurz" oder "Habe ich vielleicht die falschen Signale gesendet?" Suchen Sie die Schuld für sexuelle Belästigung nicht bei sich selbst und machen Sie sich bewusst, dass die "richtige" Kleidung in einem würdevollen Umgang miteinander sowieso keine Rolle spielt.
  • Leiten Sie notfalls rechtliche Schritte ein
    Nehmen Sie sich einen Anwalt und gehen Sie juristisch gegen den Belästiger vor. Ihm drohen Folgen, die von einer Abmahnung bis zur Kündigung reichen können. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bietet gerne eine rechtliche Beratung an.
  • Machen Sie sich keine Sorgen um Ihre Karriere
    Leider ist die Dunkelziffer von sexuellen Belästigungsfällen immer noch hoch, da sich viele Frauen nicht trauen, diese Vorfälle anzusprechen. Besonders, wenn die Übergriffe von Kunden oder Vorgesetzten kommen, lassen sich viele Frauen mehr gefallen als nötig. Machen Sie sich keine Gedanken um Ihre Karriere, sondern wehren Sie sich gegen die Belästigungen – das macht auch anderen Frauen Mut.
  • Mehr Informationen bitet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz
  • Artikel vom 29.01.2013
    Text: Verena Zimmermann
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